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Mathematische Formel

Formel gegen Kriminalität und Epidemien

Die Arbeit von Ermittlern und Medizinern dürfte bald einfacher werden. Schweizer Wissenschaftler haben einen neuen Algorithmus entwickelt, der in einem Netzwerk den Ursprung schädlicher Informationen zurückverfolgen kann.

Mathematik 10.08.2012

Nur kleine Stichprobe benötigt

Dazu benötigen die Forscher der ETH Lausanne nur eine kleine Stichprobe aller möglichen Auslöser, wie sie in ihrer Studie im Fachjournal "Physical Review Letters" schreiben. Ihre Formel kann in verschiedensten Netzwerken nach der ursprünglichen Quelle suchen. "Dabei müssen wir nur einer begrenzten Zahl von Mitgliedern des Netzwerks 'lauschen'", sagt der Forscher Pedro Pinto.

Die Forscher testeten ihre Formel an unterschiedlichen Problemstellungen. Sie konnten etwa auf Facebook die Person finden, die ein Gerücht gestartet und an 500 Freunde gesendet hatte. Dafür genüge es, die Nachrichten von 15 bis 20 Kontakten und den Zeitfaktor zu berücksichtigen, um den Pfad der Information zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen, erklärt Pinto.

Die Studie in "Physical Review Letters":

"Locating the Source of Diffusion in Large-Scale Networks" von Pedro Pinto et al.

Gegen virtuelle und echte Viren

Mit dieser Methode ist es demnach auch möglich, den Ursprung eines Spam-Mails oder eines Computer-Virus im Netzwerk zu identifizieren. Zudem könnten Kriminalisten in immer komplexeren kriminellen Netzwerken Verbindungen und Täter ermitteln. Dafür müssten sie nur wenige Sensoren im System einbauen und die Daten mit dem Algorithmus analysieren.

Zudem konnten die Schweizer Wissenschaftler den Ausgangspunkt einer früheren Epidemie in Südafrika ermitteln. Sie modellierten die Netzwerke des Wassers, der Flüsse und des menschlichen Transportsystems und fanden damit heraus, wo die ersten Infektionsfälle aufgetaucht waren. Nach den Forschern kann ihre Methode auch präventiv eingesetzt werden, etwa um die Ausbreitung einer Epidemie schneller aufzuspüren und damit unter Kontrolle zu halten.

Drahtzieher von Terroranschlägen ausforschen

Die Forscher schafften es auch, den Kopf der Terroranschläge vom 11. September 2001 auszuforschen. Dafür simulierten sie Telefongespräche des 9/11-Terrornetzwerkes im Vorfeld der Anschläge und werteten Medienberichte aus. Drei Verdächtige konnten dadurch identifiziert werden, darunter der Drahtzieher der Attacken.

In einem weiteren Test wurde der Saringas-Anschlag in der Tokioter U-Bahn 1995 untersucht, der 13 Tote und tausende Verletzte gefordert hatte. Nach der Studie genügte eine Stichprobe, um den Ursprung zu finden. "Somit müsste man nicht jede Station mit Detektoren ausstatten. Zudem könnten Maßnahmen gegen eine Ausbreitung schneller ergriffen werden", sagte Pinto.

Werber, die für ihre Botschaften "virales Marketing" (Mundpropaganda über Internet und soziale Netzwerke) verwenden, würden vom Algorithmus ebenfalls profitieren. Der Studie zufolge identifiziert die Formel jene Blogs, die am meisten Einfluss auf die Zielgruppe haben. Außerdem kann nachverfolgt werden, wie sich Botschaften in der Online-Community verbreiten.

science.ORF.at/sda

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