Standort: science.ORF.at / Meldung: "Schwefelbakterien vergifteten das Urmeer"

Zyste einer Grünalge der Gattung Pleurozonaria, die während der frühen Jurazeit blühte.

Schwefelbakterien vergifteten das Urmeer

Mindestens fünf große Massensterben kennt die Erdgeschichte, eines davon ereignete sich vor rund 200 Millionen Jahren. Massive Vulkanausbrüche setzten große Mengen an Kohlendioxid (CO2) und Schwefeldioxid (SO2) frei, was die Erde erwärmte und zu einem Sauerstoffmangel in den Ozeanen führte.

Paläontologie 13.08.2012

Das internationale Team um Sylvain Richoz von der Uni Graz wies grüne Schwefelbakterien in 200 Millionen Jahre alten Sedimentproben nach und konnte damit die dramatischen Umweltstörungen belegen. Das Vorhandensein dieser Mikroorganismen verweist auf fundamentale Änderungen in den Ökosystemen der Küstengewässer im Urozean Tethys.

Die Studie:

"Hydrogen sulphide poisoning of shallow seas following the end-Triassic extinction" von Sylvain Richoz et al. ist am 12.8. online in "Nature Geoscience" erschienen.

Überreste von "faulen Eiern" entdeckt

"Der Ozean muss im frühen Jura durch die Schwefelbakterien nach faulen Eiern gestunken haben", so Studienautor Richoz. Diese Bakterien können ohne Sauerstoff auskommen und gedeihen besonders gut, wenn reichlich Schwefelwasserstoff vorhanden ist.

"Die molekularen Überreste der grünen Schwefelbakterien, die wir jetzt in schwarzem Schiefer bei Bohrungen in Norddeutschland und Luxemburg gefunden haben, vermitteln ein düsteres Bild der Küstengewässer unmittelbar nach dem Massensterben", ergänzte Bas van de Schootbrugge vom Institut für Geowissenschaften in Frankfurt. Sein Team hatte bereits 2009 das Artensterben an Land untersucht.

Regeneration dauerte lange

Die hohen CO2-Konzentrationen hätten zu globaler Erwärmung und einer verminderten Wasserzirkulation im Meer geführt, meinen die Experten. In Folge der hohen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre haben sich - zeitgleich mit der Zunahme der grünen Schwefelbakterien - die Konzentrationen der roten und grünen Algen in Richtung grüner Algenarten verschoben:

"Die rauen Bedingungen, die nach dem Massensterben in den Küstenregionen herrschten, erklären auch, warum die Lebewesen am Meeresboden so lange brauchten, um sich zu erholen", so Richoz.

"Beispielsweise gab es im frühen Jura so gut wie keine Korallenriffe. Küstenregionen waren auch damals die Hotspots der Biodiversität. Lange, sauerstoffarme Phasen beeinträchtigten ihre Regeneration", so der Forscher.

Eine Lektion für die Gegenwart?

Für die Zukunft der Erde sind diese Befunde insofern relevant, als "Totzonen"-Bereiche, in denen der Ozean keinen Sauerstoff enthält, in letzter Zeit unter dem Einfluss des Menschen zunehmen.

Globale Erwärmung und Umweltverschmutzung gelten heute als Hauptursachen. Beunruhigend sei, "dass die Freisetzung großer Mengen CO2 an der Trias-Jura-Grenze so langanhaltende Effekte auf die Biodiversität der Ozeane hatte", gibt Richoz zu bedenken.

science.ORF.at/APA

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  • Todeszonen

    karl273, vor 282 Tagen, 4 Stunden, 33 Minuten

    http://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?25475

  • was sollen diese wertungen in der wissenschaft...

    xx13, vor 282 Tagen, 20 Stunden, 24 Minuten

    kann mir bitte jemand erklären warum dieser vorgang wertend mit "vergiften" bzw. "umweltstörung" beurteilt wird? wer bitte hat festgelegt, dass die eine art von bakterien "gut" war die anderen schlecht, dass co2 anstieg schlecht ist, abnahme gut (aber bitte nicht zuviel, denn sonst friert wieder alles zu, wieder schlecht)...

    wer hat bestimmt dass viele arten gut sind, wenige schlecht, das jede abrupte änderung schlecht (ja jegliche änderung überhaupt) ist. hier wird der menschliche bewahrungswunsch zum -wahn noch dazu geprägt von fast unendlich kurzer sichtweise (wenige jahrzehnte eines menschenlebens).

    eine erde (natur) ohne eis an den polen, eine erde unter eis, eine erde mit wenigen bakterienarten, eine erde kurz nach einer faunenexplosion oder kurz nach einem faunenschnitt ist gleich gut bzw. NICHT zu bewerten. das gesülze von (kultur/natur/was-weiß-ich)erbe kotzt mich schon sowas von an, sagt endlich was ihr wollt: eine käseglocke über die welt, und ja keine änderungen, nur um eurer pathologischen veränderungsangst gerecht zu werden - mein vorschlag: baut euch ein erdmuseum und laßt die erde endlich wieder ihren weg gehen... - gut ist nur, sie wird es eurem bewahrungswahn zum trotz eh tun ;-)

    • cool!

      tüpfelsumpfhuhn, vor 282 Tagen, 18 Stunden, 44 Minuten

      Nur, ich bin so frei, mir, den Kindern und allen Menschen ein Leben zu wünschen. Ist das uncooler Egoismus, oder vielleicht "pathologische Veränderungsangst"? *rofl*
      Etwas anderes, den Stil des Artikels mag ich gar nicht. Es ist Denk- und Sprachschlamperei, also das Übliche, um publiziert zu werden. Wie oft sollen wir den lieben ORF auffordern, das nicht zu fördern? Ich habe keine Lust dazu und glaube, viele Leser können selber denken.

    • gerne darfst du so egoistisch sein,

      xx13, vor 282 Tagen, 17 Stunden, 10 Minuten

      nur auch als solches bezeichnen.

      wir wollen diese welt so, weil WIR gerne so in ihr leben wollen - nichts einzuwenden.

      aber bitte nicht irgendwie moralisch einfärben - die lunarisierte natur ist genauso gut und schön (bzw. eben NICHT) wie ein artenreicher urwald...

      naturSCHUTZ, umweltSCHUTZ ist purer egoismus, die natur braucht keinen schutz vor uns. WIR wollen der natur zum trotz bekanntes bewahren: gerne, nur zu!

      nur bitte nicht auch noch in die urgeschichte projizieren - ohne diese massensterben (stichwort: vergiften) gäbe uns gar nicht! der ideologie manch dieser naturschützer folgend wäre das auftreten der 2. art (nach der ersten) bereits ein frevel, weil eine gravierende änderung - oder die "vergiftung" der atmosphäre durch cyanobakterien mit 02 - welch eine tragödie - hätte es damals wwf, greenpeace und konsorten gegeben, hätte es NIE suaerstoffgetriebene lebewesen gegeben, weil die hätten jeglichen anstieg des GIFTES O2 mit allen mitteln zu verhindern versucht...

    • ... weil du selber ja niemals

      tüpfelsumpfhuhn, vor 282 Tagen, 5 Stunden, 26 Minuten

      projizierst ...

      Ich glaube, wer gut genug weiß, was das ist, der weiß auch, dass es jeder Mensch tut. Wichtig bei diesen Psychmechanismen ist: wenn man gerade selbst am Projizieren ist, weiß man es nicht von sich.

      Zweitens, es gehört unter denen, die Ökologie können, schon immer mit zum Spiel, selbige im Handumdrehen aus der Sicht von z. B. Schwefelwasserstoffbakterien schildern zu können. Vielleicht setzen die Autoren diese Fähigkeit bei genügend Lesern voraus, naiver Weise. Und was habe ich nicht in verschiedensten Büchern vom "Schicksal" von Ameisen, Amöben, Sedimenten, Meeresströmungen ... zu lesen bekommen.
      Bei den Wörtern "Natur - und Umweltschutz" handelt es sich zum Teil eindeutig um Sprachkonventionen. Doch wir haben zur Verständigung nichts anderes als Sprachkonventionen.
      Diese Wörter sagen etwas Zeittypisches aus, sie gehören zum aktuellen Stand der Zivilisationsentwicklung, und sagen, dass es für uns Menschen besser ist, zu begreifen, wie man mit dem Planeten als Gesamtsystem umgeht.
      Das ist neu.
      Zu Zeiten des Vormenschen war das Feuermachen neu.