
Viele Tiere suchen in Schutzgebieten Zuflucht
263 Tierarten untersucht
Ein Forscherteam um den Biologen Chris Thomas von der University of York hatte bei 263 verschiedenen Tierarten in Großbritannien untersucht, in welcher neuen Region sie sich ansiedeln. Bei 256 Arten konnten sie im Rahmen eines "citizen science"-Projekts auf Beobachtungen von Hobbyforschern zurückgreifen, für sieben Vogel- und Schmetterlingsarten führten sie selbst eine Schwerpunktstudie durch.
Die Studie:
"Protected areas facilitate species’ range expansions" von Chris Thomas et al. ist am 13.8. in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) erschienen.
Ö1 Sendungshinweis:
Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 14.8., 13:55 Uhr.
Es zeigte sich, dass sich die von den Forschern selbst untersuchten Vögel und Schmetterlinge viermal häufiger als erwartet in Nationalparks und Schutzgebieten niederließen. 40 Prozent von ihnen besiedelten diese Gebiete, die nur 8,4 Prozent der Fläche Großbritanniens bedecken, im Vergleich zu nicht-geschützten Arealen überdurchschnittlich häufig.
Große Unterschiede
Dabei gab es signifikante Unterschiede, wie oft diese Arten auf die geschützten Gebiete angewiesen waren. So zogen fast drei Viertel der Provencegrasmücken (ein Singvogel) dorthin, auch der Großteil der Komma-Dickkopffalter (Schmetterling) ließ sich an diesen Flächen nieder. Hingegen übersiedelten nur sieben Prozent der Brutvogelart Triel sowie acht Prozent der Ziegenmelker (gehört zur Familie der Nachtschwalben) in diese Gebiete.

Bei den 256 anderen Tierarten zeigte sich eine ähnliche Tendenz. Auch hier siedelte sich der Großteil in den geschützten Flächen an, und auch hier gab es Unterschiede bei der Frequenz.
Plädoyer für Naturschutzgebiete
In den vergangenen Jahren waren Naturschutzgebiete in Zeiten des Klimawandels in Frage gestellt worden, schreiben die Wissenschaftler. Viele Arten würden wegen der sich ändernden Klimabedingungen wandern, die geschützten Gebiete seien aber statisch und könnten mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Die aktuelle Studie betont nun die Wichtigkeit von Schutzgebieten, denn viele Tierarten würden sie beim Umzug in neue Regionen bevorzugen.
"Wenn wir diese Archen daher schützen und neue errichten können, wird es für mehr Arten möglich sein, den Klimawandel zu überleben", sagt Richard Bradbury von der "Royal Society for the Protection of Birds".
"Geschützte Gebiete sind ein Sprungbrett. Sie ermöglichen den Arten, weiterzubestehen, während sie nach Norden ziehen", so Studienleiter Chris Thomas. Welche Faktoren dafür ausschlaggebend seien, dass Tiere in Naturschutzgebiete ziehen würden, müsse aber noch genauer untersucht werden, betonen die Forscher.
David Donnerer, science.ORF.at


