
Die Kunst des Trockenschüttelns
Ein Forscherteam um Andrew Dickerson vom Georgia Institute of Technology hat in einer Studie die Schüttelbewegungen von 33 Säugetieren untersucht, darunter 16 verschiedene Tierarten und fünf Hunderassen.
Die Studie:
"Wet mammals shake at tuned frequencies to dry" von Andrew Dickerson et al. erscheint im "Journal of the Royal Society Interface" (sobald online).
Masse bestimmt Schüttelfrequenz
Für ihre Untersuchung maßen die Wissenschaftler zunächst mithilfe von Mitarbeitern des örtlichen Zoos die Masse und den Radius der Tiere. Die Säugetiere wurden dann je nach ihrer Größe entweder mit einer Spritzflasche oder einem Wasserschlauch nass gemacht. Anschließend filmten die Forscher mit einer Hochgeschwindigkeitskamera die Schüttelbewegungen der Tiere.
Dabei stellte sich heraus, dass die Säugetiere sich öfter schütteln mussten, je leichter sie waren. So schüttelte sich eine Maus mehr als 30-mal pro Sekunde hin und her, um trocken zu werden, ein Eichhörnchen etwa 15-mal. Auch ein Flussotter musste sich mit 10-mal Schütteln pro Sekunde ordentlich anstrengen.
Hingegen war bei einem Labrador weniger Einsatz gefragt, er schüttelte sich nur fünf Mal pro Sekunde. Am wenigsten musste sich der 260 Kilogramm schwere Braunbär bewegen: Ihm genügte es, sich viermal hin- und her zu schütteln, um trocken zu werden.
Video: Zeitlupenaufnahme eines Hundes, der sich trocken schüttelt
Nach den Wissenschaftlern spielt das lockere Unterhautgewebe der Säugetiere beim Trocknen eine wichtige Rolle. Das Gewebe erleichtere die Bewegung des Körpers und erhöhe so die Geschwindigkeit und die Stärke der Schüttelbewegungen. Dadurch könnten die Tiere schneller trocken werden. Wäre das Hautgewebe fest wie beim Menschen, würden sie hingegen nass bleiben, schreiben die Forscher.
"Wet-dog-simulator" gebaut
Zudem bauten die Wissenschaftler für ihre Studie einen roboterhaften Apparat ("wet-dog-simulator"), um die Bewegungen der Wassertropfen auf einem sich schüttelnden Tier zu visualisieren. Auf der rotierenden Achse ihres Apparats klebten sie Hirschfell an. Dieses war zuvor vier Stunden im Wasser gelegen, um es vollständig zu absorbieren. Dann drehten die Forscher ihre Fellprobe 30 Sekunden lang in verschiedenen Frequenzen. Zudem befestigten sie ein Tracking-Tool an den Fellhaaren, um die Schwingungen zu verfolgen.
Die Analysen zeigten, dass die Schüttelmethode äußerst wirkungsvoll für das Trocknen ist. Das gilt aber nur, wenn die Tierfelle mit Wasser benetzt werden. Wären sie anderen Flüssigkeiten wie etwa Rohöl ausgesetzt, würde der Mechanismus viel schlechter funktionieren. Die Benetzungseigenschaft des Öls und seine Unfähigkeit zur Verdunstung würde das Schütteln der Tiere ineffizient machen, so die Forscher.
David Donnerer, science.ORF.at
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