
Milchstraßen Nummer zwei und drei
Der Mensch ist ein "Zigeuner am Rande des Universums", schrieb der Nobelpreisträger Jacques Monod einmal. Und dieses Universum sei für unsere "Musik taub und gleichgültig gegen unsere Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen." Man muss nicht, wie Monod, Existenzialist sein, um zu sehen: Es ist leer da draußen.
Und wenn sich Materie ausnahmsweise anschickt, sich zu Planeten, Sonnen und Sternensystemen zusammenzuballen, dann doch ganz anders, als wir es kennen. Einen Planeten, der der Erde mehr als nur oberflächlich gleichen würde, hat man noch nicht gefunden. Und falls doch, wäre er noch immer "taub und gleichgültig". Es sei denn, er würde höhere Lebensformen beherbergen. Hier allerdings geht der Konjunktiv in die Spekulation über - die Wissenschaft konnte dazu bislang wenig Verlässliches beitragen.
Wahrscheinlichkeit: 0,4 Prozent
Die Studie:
"Galaxy and Mass Assembly: In search of Milky-Way Magellanic Cloud Analogues", Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (doi: 10.1111/j.1365-2966.2012.21332.x).

Immerhin kann man sich die Frage stellen, wie wahrscheinlich es ist, ähnliche Konstellationen im Großen zu finden, also etwa im galaktischen Bezugsrahmen. Das Forschungsprojekt GAMA ("Galaxy And Mass Assembly") geht dieser Frage seit vier Jahren nach - und kann nun mit konkreten Zahlen aufwarten. Wie Aaron Robotham von der University of St. Andrews berichtet, beträgt die Wahrscheinlichkeit, da draußen eine Galaxie wie die Milchstraße zu finden, 0,4 Prozent.
Die Milchstraße ist an sich keineswegs ungewöhnlich. Eine zweiarmige Spiralgalaxie mit 180 Milliarden Sonnenmassen findet man schnell mal, fast könnte man sie als kosmische Dutzendware bezeichnen. Aber ihre zwei Begleiter - die große und die kleine Magellan'sche Wolke - machen sie zu etwas Besonderem. Derlei Begleiter sind, sofern sie denn überhaupt existieren, in der Regel deutlich kleiner. Der gravitative Tanz, den Milchstraße und Magellan'sche Wolken vollziehen, ist offenbar eine Zufälligkeit am Rande des Universums.
"Die Galaxie, in der wir leben, ist absolut durchschnittlich", sagt Robotham. "Doch die Magellan'schen Wolken sind eine seltene - und vermutlich kurzlebige - Erscheinung. Wir sollten sie genießen, solange es sie gibt." Letzteres ist freilich relativ. Robotham denkt berufsbedingt in etwas größeren Dimensionen. "Sie werden nur ein paar Milliarden Jahre da sein."
Robert Czepel, science.ORF.at
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