
"Star Wars"-Luftgleiter wird Wirklichkeit
Tests in Mojave-Wüste
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, auf wendigen Gleitern über dem Boden zu schweben? Aerofex, ein kleines Luft- und Raumfahrtunternehmen in Manhattan Beach, könnte diesen Traum wahr werden lassen. Die Amerikaner, die bisher hauptsächlich als Produzent von Bauteilen für bemannte und unbemannte Fluggeräte in Erscheinung getreten sind, haben ihre mit dem Namen Tandem Duct Aerial Vehicle getaufte Erfindung erfolgreich in der kalifornischen Mojave-Wüste getestet.
Videos auf ihrem Blog zeigen, wie sie mit ihrem Hoverbike (Schwebefahrzeug) in der Wüste eine Reihe von Manövern durchführen, etwa Drehungen. Der Pilot schwebt mit dem Tandem Duct Aerial Vehicle dabei in der Luft - bis zu vier Meter über dem Boden sollen mit dem Gerät derzeit möglich sein. Beim letzten Testflug betrug die Höchstgeschwindigkeit 48 km/h. Ganz scheint der Pilot das Limit des Gleiters aber nicht auszureizen, denn sein Flug ist von Vorsicht geprägt.
Video:
Aerofex dokumentierte seinen jüngsten Testflug in einem eineinhalb Minuten langen Clip.
Rotoren halten Gerät in der Luft
Die Idee hinter dem Fluggerät, an dem Aerofex bereits seit 2008 arbeitet, ist recht simpel. Statt Rädern gibt es zwei hintereinander angebrachte Rotoren am Vehikel, die Luft in Richtung Boden blasen und es dadurch abheben lassen. Dieses Konzept stammt bereits von einem Prototyp aus den 1960er Jahren - dieser funktionierte aber damals nicht, weil er instabil und überschlagsgefährdet war. Die Kalifornier lösten diese Probleme mit einem laut eigener Aussage "intuitiven" mechanischen System.
Gleiter reagiert auf Bewegungen
Der Pilot hockt auf seinem Sitz in gebückter Haltung, ähnlich wie bei einem Motorrad. Mit zwei Steuerhörnern auf Kniehöhe dirigiert er das Vehikel und hält gleichzeitig die Balance. Das Gerät reagiert auf die Bewegungen des Steuernden - lehnt er sich etwa nach links, dann fliegt es auch nach links. Der Gleiter wirbelt zudem auf seinem Weg etwa Staub weg, um dem Piloten eine optimale Sicht zu ermöglichen.
Laut Mark de Roche, Luftfahrtingenieur und Aerofex-Gründer, sollen selbst Laien ohne Flugerfahrung das Tandem Duct Aerial Vehicle steuern können. Ein Grund dafür sei, dass es keine komplizierte Flugsoftware zu erlernen und zu bedienen gäbe.
De Roche räumt zwar ein, dass der Gleiter "weniger effizient als ein Helikopter ist, der größere Rotoren hat". Dennoch habe das Fluggerät den Vorteil, dass es über jedes Terrain fliegen könnte, wie etwa in dichten Wäldern oder unter Brücken, so der Aerofex-Gründer.
Viele Einsatzmöglichkeiten
Das Flugmotorrad beflügelt De Roches Fantasie. Er glaubt, dass damit etwa Grenzen patrouilliert werden könnten, ohne dass man dafür Straßen bauen müsste. Für Ärzte sei es möglich, Patienten in entlegenen Gebieten zu besuchen. Polizisten könnten Kriminelle verfolgen, die in dichte Wälder geflüchtet sind. Auch in der Landwirtschaft, als Suchgerät bei Unfällen in schwierigem Gelände oder als Transportmittel bei Katastrophen sei ein Einsatz denkbar. Zudem könnte man mit dem Tandem Duct Aerial Vehicle ungeliebten Staus in Großstädten ausweichen.
Nächste Tests im Oktober
Vorerst will aber Aerofex keine für jedermann verfügbare Version seines Gleiters auf den Markt bringen. Zunächst soll das Fluggerät als Testplattform für unbemannte Drohnen genützt werden. Das Unternehmen will im Oktober eine zweite Version seines Vehikels testen - dieses soll eine Geschwindigkeit von 80 km/h erreichen und 4,5 Meter über dem Boden schweben. Für Ende 2013 ist dann eine unbemannte Variante des Tandem Duct Aerial Vehicle geplant.
Flugmotorräder sind keine neue Erfindung. Im Sommer vorigen Jahres konstruierte etwa der australische Designer Chris Malloy ein Hoverbike in seiner Garage, welches mit bis zu 100km/h durch die Landschaft düsen sollte. Videos auf seiner Homepage zeigen, dass sein Gerät (zumindest in einer verkleinerten Version) zu funktionieren scheint. Malloy räumte aber ein, dass es noch ein weiter Weg bis zu einem fertigen Modell sei.
Flugauto kommt 2013
Wer weder auf diese Erfindung noch auf das Aerofex-Gerät warten will, kann sich beim amerikanischen Unternehmen Terrafugia umsehen. Dieses bringt nämlich nächstes Jahr sein Flugauto Transition auf den Markt. Der Haken dabei: Man benötigt eine Fluglizenz, 20 Stunden Flugerfahrung und ein wenig Kleingeld - 210.000 Euro.
David Donnerer, science.ORF.at


