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Ein schwarzer und ein weißer Mann fixieren sich, Auge in Auge.

Die Vorurteile im Gehirn

Bestimmte Gehirnregionen reagieren mit Angstimpulsen, sobald wir ein fremdes Gesicht sehen. Dass das kein rein biologisches Fakt, sondern Ausdruck sozialer Beziehungen ist, zeigt eine US-Studie: Während das Gehirn bei vier von fünf weißen Probanden mit Angst gegenüber Afroamerikanern reagierte, war das umgekehrt nur bei 20 Prozent der Personen der Fall.

Neurowissenschaft 04.09.2012

Jennifer Kubota, Postdoktorandin am Phelps Lab der New York University, erzählt im science.ORF.at-Interview, wo die noch junge Forschungsrichtung der "Neurowissenschaft des Rassismus" steht.

science.ORF.at: Warum ist es eigentlich so schwierig, das Thema rassistische Vorurteile wissenschaftlich zu untersuchen? Denn Sie berühren in Ihrer Arbeit zwei Ebenen, die naturwissenschaftliche und die soziologische: Wie findet man zwischen den beiden eine logische Verbindung?

Die soziale Neurowissenschaftlerin Jennifer Kubota

Jennifer Kubota hat 2010 ihre beiden Doktorate in Sozialpsychologie und Neurowissenschaften abgeschlossen und absolviert ein Postdoktorat bei Professor Elisabeth Phelps am Department of Psychology der New York University. Als soziale Neurowissenschaftlerin beschäftigt sie sich mit Stereotypen und Vorurteilen im Entscheidungsfindungsprozess, u.a. in der Personalpolitik und innerhalb des US-Rechtssystems.

Links:

Jennifer Kubota: Stimmt, das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Diese Schwierigkeit besteht eigentlich auf dem gesamten Gebiet der Neurowissenschaft. Wir untersuchen komplexe biologische Systeme, die wir gerade erst einmal beginnen zu verstehen, und versuchen dann sofort, damit unser Verhalten in der realen Welt zu erklären, das wiederum von vielen Faktoren beeinflusst wird, nicht nur biologischen. Wir reagieren auf Zusammenhänge, auf die Menschen um uns herum, darauf, wie gut wir etwas kennen: All das beeinflusst, wie wir uns verhalten. Rassistische Vorurteile wissenschaftlich zu erklären ist eine heikle Angelegenheit, weil so viele soziale und kulturelle Faktoren involviert sind.

Das hört sich ein wenig so an wie das alte Henne-Ei Problem, manchmal weiß man nicht, was zuerst da war und was von beiden wichtiger ist.

Genau so kann man das auch nennen! Wir reagieren mit Angst auf das "Andere", aber was wir als anders ansehen, und das betone ich sehr, wird von unserer Umwelt definiert. Ein gutes Beispiel dafür sind japanische Amerikaner - diese Minderheit wurde nach dem zweiten Weltkrieg äußerst negativ gesehen, heute gilt sie als ein Ideal und als hyper-intelligent. Unser kulturelles Umfeld definiert unsere Wirklichkeit. Man braucht sich nur eine Sportveranstaltung in Europa ansehen um festzustellen, dass in Europa Anderssein im Vergleich zu den USA nicht so sehr über die Hautfarbe als über die Nationalität definiert werden. Europäische Neurowissenschaftler arbeiten daher auch mit diesen Definitionen.

In einem Review beschreiben Sie verschiedene Studien: Weiße US-Amerikaner zeigen häufig einen angstähnlichen Impuls im Gehirn, wenn sie sich Bilder von Afro-Amerikanern ansehen. Was genau passiert dabei?

Als diese neurowissenschaftliche Studien begannen, wurden Testpersonen Bilder von gefährlichen Objekten, wilden Tieren, und dann Gesichter von Afroamerikanern gezeigt. Dabei haben wir ähnliche Reaktionen festgestellt: schnellerer Herzschlag, Augenzwinkern, Hautatmung etc. Danach wurden explizite Assoziationen gesucht durch Fragen wie "Wie sehr mögen Sie diese Person?", "Was würde diese Person für ein Gemüse essen?", usw.

Heute arbeiten wir vor allem mit dem Implicit Association Test (IAT), und messen währenddessen mittels Magnetresonanztomografie die Aktivität im Gehirn. Diese Methode gibt es erst seit wenigen Jahren und ist sehr kostspielig. Testpersonen ordnen dabei verschiedene Begriffe wie "freundlich", "zornig" usw. schwarzen und weißen Gesichtern zu.

Bei weißen Studienteilnehmern erfolgt die Zuordnung von negativen Begriffen zu den Gesichtern von Afroamerikanern viel schneller als jene von positiven Begriffen. Das kommt daher, dass das Gehirn quasi eine Extrameile zurücklegen muss, um das erste vorschnelle Urteil zu überwinden. Rassismus ist schneller als der Gleichstellungsgedanke, weil die Gehirnregion, die auch für unseren Angstinstinkt verantwortlich ist, die Amygdala, am ehesten reagiert. Sie ist aber nicht allein, und nach wenigen Momenten beginnen andere Regionen, den Impuls in der Amygdala zu manipulieren.

Wir haben tatsächlich Regionen im Gehirn, die unsere rassistischen Impulse kontrollieren und ihnen gegensteuern. Daher können wir sehr wohl positive Begriffe einem dunkelhäutigen Gesicht zuordnen, brauchen dafür aber länger: Diese Gehirnregionen brauchen etwas Zeit, um unsere erste Reaktion "in den Griff" zu bekommen.

Die Ergebnisse des IAT sind recht eindeutig: Während acht von zehn Weißen mit Vorurteilen reagieren, sind es umgekehrt nur zwei von zehn Testpersonen, die Minderheiten angehören. Warum ist das so?

Minderheiten sind täglich damit konfrontiert, zahlenmäßig unterlegen zu sein, ob auf der Straße oder in den Medien. Das wird als Normalzustand empfunden. Die Ergebnisse würden sicher variieren, wenn wir verschiedene Gebiete testen könnten wie etwa den Süden oder die Ostküste. Die IAT-Studien werden aber immer im urbanen Einzugsgebiet von Universitäten wie Stanford betrieben. Aus der Verhaltensforschung wissen wir aber bereits, dass es große Unterschiede bei der Selbsteinschätzung, also der expliziten Assoziation gibt, je nachdem wo man lebt.

In den USA gibt es zahlreiche Minderheiten, warum wurden die Studien bisher nur mit "schwarzen" und "weißen" Gesichtern durchgeführt?

Dafür sind wir oft kritisiert worden, das kommt aber einfach daher, dass es uns noch nicht lange gibt. Wir brauchen knallharte und vor allem klare Ergebnisse, daher haben wir mit diesen beiden Gruppen angefangen. Wir testen natürlich verschiedene Gruppen, aber die Stimuli sind immer schwarze oder weiße Gesichter. Bei solchen Studien steht man immer vor einem ähnlichen Problem: Wie kann man komplexe menschliche Verhaltensweisen, die sich auch aus zahlreichen psychologische Faktoren wie Bildung, Erziehung usw. ergeben, neurowissenschaftlich belegen, und geht das überhaupt? Wir stecken dabei in den Kinderschuhen, begonnen hat diese Art der neurowissenschaftlichen Forschung ja erst vor zehn Jahren.

Könnte man eines Tages über die Aktivitäten im Gehirn Labels wie "rassistisch" oder "liberal" vergeben?

In die Richtung arbeiten wir. Aber selbst wenn wir bei jemandem viel oder wenig Potenzial für Vorurteile feststellen, heißt das nicht, dass die Person im Alltag so handelt. Dabei spielt mit, wie sehr wir uns unserer Handlungen bewusst sind, und wie sehr wir sie an unsere Moralvorstellungen und Ideale anpassen wollen. Unsere Gehirnaktivität lässt sich nachweislich formen.

Wir wollen als nächstes auf jeden Fall größere soziale Zusammenhänge beleuchten: Warum werden Minderheiten seltener in Spitzenpositionen befördert? Wie kommt es, dass härtere und längere Strafen für Afroamerikaner vergeben werden? Und würden wir unser Geld auch einem Investor dunkler Hautfarbe anvertrauen? Elisabeth Phelps hat 2011 eine Studie veröffentlicht ("Implicit race attitudes predict trustworthiness judgments and economic trust decisions", Anm.), die erstmals die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Gehirnaktivität beleuchtet, nämlich dass wir einem Afroamerikaner weniger mit unserem Geld trauen als einem Weißen.

Barack Obama und Mitt Romney kämpfen gerade um die Wahl zum US-Präsidenten. Mitt Romney entspricht zahlreichen weißen Klischees, während Barack Obama eher weniger gängigen Klischees über Afroamerikaner entspricht. Wer hat den größeren Vorteil?

Solche Fragen werden mir oft gestellt, unsere Studien werden aber immer an Unbekannten durchgeführt, nicht mit Stars. Sobald der Popularitätsfaktor dazu kommt, verschiebt sich unsere Wahrnehmung. Je mehr wir über jemanden wissen, desto vertrauter wird er uns. Mit Obama verbinden wir heute etliche positive und negative Dinge, die nichts mit seiner Herkunft zu tun haben. Trotzdem gibt es natürlich in diesem Land genügend Wähler, die Obama niemals wählen würden, und die das auch laut aussprechen. Ich weiß nicht, ob es einen großen Unterschied machen würde, wenn Obama ein Weißer wäre, aber er ist ja auch nur halb Afroamerikaner und halb Weißer. Vorurteile gegen Menschen gemischtrassiger Abstammung sind oft gemildert.

Interview: Denise Riedlinger, science.ORF.at

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Forum

 
  • Leider wieder eine Studie mit einem vordefinierten Ziel

    pallas, vor 287 Tagen, 18 Stunden, 40 Minuten

    So, erwachsene Menschen und ihr Verhalten und ihre Reaktionen sind sozial beeinflusst ? Welch geniale Erkenntnis.
    Durch die gebildeten Klischees (Schwarze werden als physisch ueberlegen und oft auch als agressiv eingestuft, Weisse umgekehrt - sie haben zwar die virtuelle Macht, aber physisch braucht man sich als Schwarzer nicht vor ihnen zu fuerchten) ergeben sich ja genau die Effekte im Gehirn. Diese Messungen sind erwartet, ja sogar vorhersehbar gewesen.
    Wenn man weiter geschaut haette, haette man andere emotionale Regungen wie Aerger bei den schwarzen Testpersonen festgestellt.

    Darum untersuchen echte Wissenschafter diese Dinge schon lange - und zwar mit Kindern. Mit moeglichst jungen Kindern, um eben soziale Praegungen so weit wie moeglich auszuschliessen.
    Die Ergebnisse bisher : auch die kleinsten kinder bevorzugen einen neuen Freund oder auch nur ein neues Stofftier, wenn diese scheinbar die gleichen Eigenschaften und Interessen haben.
    Werden die Kinder dann etwas aelter (so ab 3) begiint die soziale Entwicklung in den Gehirnen - ebenfalls fest einprogrammiert. ABER : die Definition, wer zur eigenen Gruppe gehoert, die Abgrenzung gegenueber "anderen" ist stark beeinflussbar.

    Und das ist es, wo wir als Eltern und Gesellschaft ansetzen muessen.
    Aber alles andere ist eigentlich nicht veraenderbar. Wir sind so "gebaut".

    Deshalb...

    • pallas, vor 287 Tagen, 18 Stunden, 39 Minuten

      ...
      Deshalb bin ich auch im Endeffekt gegen die Erhaltung von kulturellen "Zellen" in einer Gesellschaft. Das schafft nur Grenzen, presst Minderheiten in Blasen und macht sie zu "Anderen", un das ist damit jede Menge Nahrung fuer unser eingebautes Schubladendenken (das wir eben als Prinzip nicht abschaffen koennen).
      Kulturen sollen sich gegenseitig "befruchten", aber im Endeffekt sollen sie sich dabei vermischen (zumindest dort, wo sie sich wirklich gegenseitig beruehren).
      Natuerlich gruppieren sich Minderheiten, weil sie die gleichen Probleme haben und insgesamt eine staerkere Position fuer sich selbst erreichen wollen. Vermischen sie sich aber nicht im Laufe der Zeit mit der allgemeinen Bevoelkerung, bleiben sie immer die "Schwaecheren" und eben "Anderen".

      Wie auch bei solchen Nebensaechlichkeiten wie Fussball. Warum koennen die Leute, die Fussball moegen, nicht einfach ein Fan von gutem Fussbal sein - egal von welchem Team ? Wieder : wegen unserem eingebauten Schubladenprinzip. Und das System schuert das fleissig.

  • solidstate, vor 288 Tagen, 4 Stunden, 28 Minuten

    Wusste ich doch, dass ich das Bild schon gesehen habe:
    http://science.orf.at/stories/1694145/

    • was meint Ihr dazu?

      seriös, vor 288 Tagen, 2 Stunden, 7 Minuten

      das Gehirn ist materiel,
      das Denken aber geistig (immaeriel)

    • seriös, vor 288 Tagen, 2 Stunden, 6 Minuten

      Korrektur (immateriel)

    • solidstate, vor 288 Tagen, 9 Minuten

      Natürlich ist das Denken immateriell, denn es ist eine Tätigkeit, eine Tätigkeit die das Hirn leistet. Ohne Hirn kein Denken beim Menschen. Da gibt's keinen "Geist" der irgendwo im Körper herumschwebt und für einen denkt, denn sonst wäre das Denken durch z.B. Alkohol nicht beeinflussbar.

    • seriös, vor 287 Tagen, 21 Stunden, 35 Minuten

      sorry, hab mich falsch eingeloggt
      korr. 1 x runter

  • Hallo xx13,

    karl273, vor 288 Tagen, 8 Stunden, 17 Minuten

    Es macht keinen Unterschied ob "das Ich" oder "das Gehirn" etwas denken, weil "das Ich" und "das Gehirn" identisch sind.

    • cyana, vor 288 Tagen, 6 Stunden, 28 Minuten

      ich bin ein Gehirn
      ich habe ein Gehirn

      ... was klingt vertrauter?

    • Hallo cyana,

      karl273, vor 288 Tagen, 6 Stunden, 14 Minuten

      ich habe ein Gehirn klingt vertrauter.

      Ich habe zum Beispiel auch Hände, aber mit denen kann ich nicht denken.

    • Ich und die Anderen

      karl273, vor 288 Tagen, 5 Stunden, 56 Minuten

      Das "Ich" und die "Anderen" sind als Begriffe sehr nützlich, wenn man vermeiden will, seine eigenen Tentakel zu fressen.

      Schmerz und Angst schützen vor Verletzungen.

      Ein Gehirn oder ein Haus sehen von außen und von innen stark unterschiedlich aus.

      Karl Steinbuch nannte das den "Subjekt-Objekt-Perspektivismus".

      Das "Ich", die "Anderen", und alle anderen Objekte der physikalischen Aussenwelt sind im Gehirn nur durch abstrakte Beschreibungen repräsentiert, die stark vereinfacht und stark verkleinert sind, damit sie in das Gehirn hinein passen.

    • das ich und das gehirn sind eben nicht ident,

      xx13, vor 288 Tagen, 5 Stunden, 42 Minuten

      frag z.b. einen pathologen, ob er, wenn er ein gehirn eines toten untersucht irgendwas von einem 'ich' bemerkt, ...

      später sagst du es schon richtig - du denkst MIT dem hirn (und nicht mit den händen), sowie du mit den händen schreibst, und nicht die hände.

      daher: das gehirn tut viel (feuern, neurotransmitter produzieren, sezernieren, etc) aber sicher nicht denken, fühlen, etc.

    • Hallo xx13,

      karl273, vor 288 Tagen, 5 Stunden, 21 Minuten

      tote Gehirne sind mit lebenden Gehirnen nicht gut vergleichbar.

      Wenn ich in einem Gerät für funktionelle Magnetresonanztomographie meinem eigenen Gehirn beim Denken zusehen würde, dann würde ich auch nichts von meinem "Ich" sehen, denn das, was ich dann wahrnehmen würde, das wäre bereits wieder eine stark vereinfachte und stark verkleinerte abstrakte Beschreibung der physikalischen Aussenwelt.

    • hirn & hand:

      slartibartfast, vor 288 Tagen, 5 Stunden, 21 Minuten

      die haenden helfen dem hirn aber ungemein dabei, etwas zu _begreifen_. selbst bei erwachsenen macht sich diese leistung der haende noch bemerkbar: wer zum ausdruck bringen will, dass er von einer sache ganz besonders viel versteht, macht mit den haenden die absonderlichsten bewegungen (oft bei politikern zu beobachten).

    • karl, du sagst es:

      xx13, vor 288 Tagen, 5 Stunden, 7 Minuten

      "meinem eigenen Gehirn beim Denken zusehen würde, dann würde ich auch nichts von meinem "Ich" sehen," - weil du eben nicht dem gehirn beim denken zusiehst, sondern bei den tätigkeiten die das gehirn eben so macht - im falle der fMRI überhaupt nur der durchblutungsänderung...
      das denken kann überhaupt niemand von außen beobachten, nur durch deine (non)verbalen äußerungen bemerken.

      es sind einfach komplett inkompatible kategorien, physiologische gehirnfunktionen und denken - der zusammenhang ist einer der schwierigsten (und noch vollkommen ungelösten) probleme...

      das ist so (obwohl jeder vergleich hinkt, und der unterschied hirn-denken noch fundamentaler ist) als ob du einem ottomotor mit einer wärmebildkamera zuschaust, und sagst du siehst die funktion desselben...

    • Droste effect

      karl273, vor 288 Tagen, 4 Stunden, 48 Minuten

      Bild:

      http://members.chello.at/karl.bednarik/AIRPLAN2.JPG

      Mise en abyme:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Mise_en_abyme

      Droste effect:

      http://en.wikipedia.org/wiki/Droste_effect

    • funkelfels, vor 288 Tagen, 4 Stunden, 41 Minuten

      Komisch, ich kannte xx13 soweit als heller Zeitgenosse in den Wissenschaftsforen, und plötzlich wenn es ums Ich geht, wirds esoterisch?

      Ob man nun an eine Seele glaubt oder nicht, das Gehirn spielt zum "Ich" jedenfalls eine tragende Rolle wie man immer wieder an diversen Hirnstörungen sieht, oder wie sehr sich das "Ich" unter Medikamenteneinfluss verändern kann.

    • @funkelfels

      xx13, vor 288 Tagen, 2 Stunden, 51 Minuten

      keine esoterik weit und breit!

      niemand sagt, das gehirn spielte keine rolle, es ist sogar hinreichend für jedwede gehirnleistung wie denken, fühlen, das "ich", aber die naturwissenschaftliche betrachtung des physiologischen gehirns kann LEIDER NICHTS über diese phänomene aussagen weil es kein (tragfähiges) modell der übersetzung gehirnphysiologie-gedanken gibt. daher ist jede aussage "gehirn denkt", "wird beim denken beobachtet", etc. einfach begrifflich falsch.

    • cyana, vor 288 Tagen, 2 Stunden, 27 Minuten

      Wenn wir uns einen Augenblick lang eine denkende, fühlende, *wahrnehmende* Software vorstellen - es gäbe Ebenen, wo die Hardware und die Repräsentation des Softwarezustands zusammenfiele. Das Wesen des Subjekts jedoch ließe sich auf solchen Ebenen nicht beschreiben. In diesem Kontext 'hat' die Software ihren Computer, aber sie 'ist' es nicht.

      Denkprozesse lassen sich bereits gut auf neuronaler Ebene verstehen und nachweisen. Allein, was die Introspektion betrifft, also unser subjektives Erleben dieser Prozesse, stehen wir ziemlich am Anfang des wissenschaftlichen Verständnisses. Das hat nichts Esoterisches an sich, sondern ist unser prinzipielles Unvermögen, eine Physik des Beobachters zu etablieren.

    • tüpfelsumpfhuhn, vor 287 Tagen, 22 Stunden, 44 Minuten

      Immerhin scheint mir die Problemlage nun besser bekannt, das lässt auf eine Weiterentwicklung hoffen. Ich finde, komischerweise, "Bewusstsein" auf eine ähnliche Weise schwer zu fassen wie das Higgs-Boson. Ich weiß nicht auf triviale Art und Weise, was ein Higgs-Boson "ist". Dranbleiben!

    • cyana, vor 287 Tagen, 21 Stunden, 39 Minuten

      *schmunzel* die Problemlage ist schon seit der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik bekannt. Selbstbezüglichkeit innerhalb eines Systems schafft Areale, die sich der Einsehbarkeit entziehen, so wie Gödel es für axiomatische Systeme beschrieben hat. Der Beobachter ist Teil des Universums und beobachtet den Rest, oder anders, das Universum beobachtet sich selbst, und in dieser Konstellation ist das wahrnehmende Agens selbst der Wahrnehmung bzw. objektiven Beschreibbarkeit entzogen, so wie du etwa keinen Spiegel oder Spiegelsystem konstruieren kannst, das jeden Abschnitt eines Raums sichtbar macht.

    • "... so wie etwa ..."

      tüpfelsumpfhuhn, vor 287 Tagen, 17 Stunden, 59 Minuten

      Ja ..., aber ich habe vor allem die Problemlage bei der Erforschung des Menschen, zum Verständnis des speziell menschlichen Bewusstseins, gemeint.
      Ich darf nicht sagen, dass es für mein Bewusstsein kein eins zu eins physisches Korrelat auf der Ebene des Individuums gibt, sonst rufe ich Esoteriker und Gottesbeweiser in Scharen auf den Plan, oder? Nein, darauf nehme ich keine Rücksicht mehr. Man würde sich blockieren, wenn man im vorauseilenden Reflex an solche dächte. Menschliches Bewusstsein ist, das ist noch einfach, ein Prozess - aber, und das ist das forschungstechnisch Lästige, immer in der Kommunikation angesiedelt. Man hat diese ab einem bestimmten Entwicklungszustand so weit integriert, dass man sich als abgeschieden "selbst" erlebt - so kommt man dann auch zur Verantwortung.

    • Hallo cyana,

      karl273, vor 287 Tagen, 5 Stunden,

      die Introspektion, das subjektive Erleben, das Universum beobachtet sich selbst, das ist genau der Kernpunkt des Problems.

      Wenn man jemandem auf die Zehen steigt, wem tut das dann weh?

      Den Zehen, dem Menschen, dem Nervensystem, den Zellen, oder den Molekülen?

      Wer ist eigentlich dabei der Zuschauer?

      Man könnte von den Elementarteilchen ausgehen, und behaupten, dass einander bemerken würden.

      Zum Beispiel wollen die Elektronen zu den Protonen hin.

      Andererseits sind die Instinkte, wie zum Beispiel die Schmerzvermeidung, komplizierte Steuerprogramme, die das Überleben des Organismus überwachen.

      Sieht also der Instinkt der Schmerzvermeidung dabei zu, und gibt dann seine Bewertung des Ereignisses ab?

    • Korrektur

      karl273, vor 287 Tagen, 4 Stunden, 54 Minuten

      Man könnte von den Elementarteilchen ausgehen, und behaupten, dass sie einander bemerken würden.

    • cyana, vor 287 Tagen, 4 Stunden, 38 Minuten

      an tüpfelsumpfhuhn - wie schon ausgeführt, 'esoterisch' ist Bewußtsein nicht, bzw. es ist so esoterisch wie selbstbezügliche Paradoxien in der Mathematik oder die Church-Turing-These. Niemand wird der Zeit esoterischen Charakter attestieren, obwohl sie physikalisch ebenfalls nur schwer fassbar ist, und so wie Bewußtsein nur in prozesshaften Zusammenhängen beschrieben werden kann.

      an Karl - man könnte vom Universum ausgehen und sagen, jeder Punkt im Universum kann als Beobachter fungieren, und damit den primordialen Symmetriebruch zwischen Beobachter und beobachtetem Restuniversum herbeifühen. Wichtig ist nur die entstandene Dualität - hier Beobachter, da Restuniversum. Man könnte als Anschauung das Paradigma der Objektorientierten Programmierung heranziehen - das Restuniversum wäre demnach die vom Beobachter zur Instanz erhobene Universumsklasse. Und während die Klasse selbst zeitlos und ewig ist, ist die erhobene Instanz 'stofflich' und unterliegt Veränderungen nach der Zeit. Diese wiederum bedeuten eine Zunahme der Entropie oder anders, der Informationsgehalt des Systems nimmt kontinuierlich zu, seine Symmetrie und Ordnung in gleichem Ausmaß ab.

    • Hallo cyana,

      karl273, vor 287 Tagen, 4 Stunden, 10 Minuten

      der Symmetriebruch zwischen Beobachter und Restuniversum erscheint mir etwas willkürlicher, als die Annahme, dass sich zwei Teilchen gegenseitg beobachten.

      Schliesslich beobachtet ein Teilchen alle Orte, an denen es gewesen sein könnte, und reagiert sogar darauf.

    • cyana, vor 287 Tagen, 2 Stunden, 47 Minuten

      *schmunzel* Beobachter gibt es immer nur einen pro Universums-Instanz. Gegenseitige Beobachtung im selben Universum klappt nicht - zumindest ist mir so ein Modell nicht bekannt.

    • Hallo cyana,

      karl273, vor 286 Tagen, 18 Stunden, 47 Minuten

      im Technischen Museum von Wien gibt es (gab es) es eine kontinuierliche Nebelkammer mit Alpha-Strahlern und Ethanoldampf (oder etwas ähnlich geeignetem), und die war (ist) wirklich sehr schön.

      Wenn nun zwei Beobachter, getrennt von einer Zwischenwand (oder in zwei Kisten), die Nebelspuren betrachten, sehen sie (und fotografieren sie) dann genau die gleichen Nebelspuren, oder sehen sie dann eventuell verschiedene Nebelspuren?

      Was auch immer dabei passiert, warum genau passiert das?

      Warum sind die beiden Beobachter synchronisiert (zumindest ungefähr), beziehungsweise, warum leben sie in verschiedenen Universums-Instanzen?

      Jeder Alpha-Zerfall kann jederzeit passieren, oder auch nicht passieren, und die Flugrichtung des Alpha-Teilchens ist natürlich vorher auch unbestimmt.

      Bestimmen nun die Beobachter den Zeitpunkt und die Flugrichtung des Alpha-Teilchens (eventuell in stillschweigender demokratischer Abstimmung)?

      Das wäre nun der Schrödinger-Versuch mit zwei Katzen in direkt benachbarten Kisten.

    • Hallo cyana,

      karl273, vor 286 Tagen, 1 Stunde, 8 Minuten

      genauer gefragt:

      Ich als Beobachter 1 beobachte einen Alpha-Zerfall.

      Ein Arbeitskollege als Beobachter 2 beobachtet ebenfalls diesen Alpha-Zerfall von einem anderen Raum aus.

      Bei dem dem späteren Austausch der Informationen zeigt sich, dass für beide Beobachter der Alpha-Zerfall genau gleich ausgesehen hat.

      Frage:

      Kann ich in meiner Universums-Instanz immer nur Beobachter antreffen, die genau das selbe wie ich gesehen haben?

      ---

      Abteilung für Humor:

      Die Quantenmechanik ist natürlich schwer verständlich.

      Deshalb hat Admiral Graf Frederik von Hombug einen völlig anderen Zugang zu den Parallel-Universen gefunden.

      Der Parachron-Zwischenfall:

      http://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?18616

  • das tut wirklich weh...

    xx13, vor 288 Tagen, 18 Stunden, 48 Minuten

    "Die Vorurteile im Gehirn"
    "Bestimmte Gehirnregionen reagieren mit Angstimpulsen"
    "Während das Gehirn bei vier von fünf weißen Probanden mit Angst gegenüber Afroamerikanern reagierte"
    oder auf der orf.at seite:
    "Hirnforscher machen Vorurteile sichtbar"

    und ähnliche formulierungen im interview.

    • funkelfels, vor 288 Tagen, 18 Stunden, 5 Minuten

      Vorurteile kommen aus dem Gehirn.

      Welch Überraschung, ich dachte bisher die rechte Pobacke wäre daran schuld.

    • du verstehst es auch nicht,

      xx13, vor 288 Tagen, 17 Stunden, 8 Minuten

      vorurteile HABEN WIR, sie kommen nicht aus dem gehirn.

      ich weiß, es ist nicht so einfach, aber die aussagen das "gehirn tut, hat, macht" ist einfach falsch.

      das gehirn, bzw. nervenzellen "feuern", produzieren und schütten neurotransmitter aus, aber sie denken nicht, haben keine und produzieren nichtmal vorurteile oder reagieren mit angst...

      WIR haben vorurteile, angst, denken, etc. (mithilfe unseres gehirnes - wie ist ein vollkommen ungeklärtes phänomen!)

    • logopezi, vor 288 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten

      um zu überleben, müssen lebewesen adäquat (im sinne von "das überleben und die fortpflanzung gewährleistend")auf ihre umwelt reagieren. so ziemlich am flexibelsten als individuum - trotz eines lächerlich inkompetenten körpers - ist dabei der mensch, und zwar einzig dank seins gehirns. dieses ist dank der fähigkeit, auf erfahrung und kommunikation (quasi 2nd-hand-erfahrung) basierend kategorien, begriffe bilden zu können und diese mittels weiterer erfahrungen immer weiter auszudifferenzieren und zu modfizieren in der lage, den menschen in einer vielzahl von umwelten überleben zu lassen. eine der, wenn nicht die grundannahme schlechthin ist wohl: vertraut bedeutet sicherheit, fremd bedeutet gefahr. und ein andersfarbiger mensch (als die primäre bezugsperson) ist halt mal weniger vertraut als ein gleichfarbiger. ab da steht dann diese grundannahme zur disposition durch erfahrung und kommunikation. und nun die kurve zu obigem text: dass natürlich minderheiten mit der mehrheitsbevölkerung mehr erfahrungen macht und deshalb deren urteil ausdifferenzierter (ob dadurch richtiger, ist die frage) ist, ist einfach nur logisch.

    • slartibartfast, vor 288 Tagen, 5 Stunden, 20 Minuten

      schluessige erklaerung fuer die entstehung von vorurteilen.