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Ein Tiger blickt in die Fotofalle im Chitwan National Park von Nepal

Tiger nunmehr in der Nachtschicht

Weltweit gibt es nur noch rund 3.000 wild lebende Tiger. Ursache für die schwindenden Zahlen sind oft Konflikte mit Menschen, die den gleichen Lebensraum beanspruchen. Ein Beispiel aus Nepal gibt nun Hoffnung: Tiger und Mensch scheinen dort in einem Park zu koexistieren - die Menschen dominieren tagsüber, die Wildkatzen in der Nacht.

Artenschutz 04.09.2012

Von den "Tigern auf Nachtschicht" berichtet ein Team um den Ökologen Neil Carter von der Michigan State University in einer aktuellen Studie.

Die Studie:

"Coexistence between wildlife and humans at fine spatial scales" von Neil Carter und Kollegen ist am 3.9. in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen (sobald online).

Die Forscher haben zwei Jahre lang das Verhalten der rund 120 Tiger im Chitwan National Park im Süden Nepals untersucht. Aufnahmen von Kameras, die auf Bewegungen reagieren und in den Wäldern des Parks aufgestellt wurden, zeigten, dass sich Menschen und Tiger zeitlich ziemlich aus dem Wege gehen. Obwohl beide die gleichen Wege und Routen benutzen, tun erstere dies vor allem am Tag, zweitere in der Nacht.

Koexistenz ist möglich

Wildkatzen gelten nicht gerade als Anpassungskünstler, üblicherweise streifen sie tags und nachts auf der Suche nach Beute umher und wollen dabei nicht gestört werden. Gebiete ohne Menschen sind deshalb zu ihrem Schutz notwendig, so lautet die konventionelle Annahme.

"Das ist ein ganz grundlegender Konflikt um Ressourcen", sagt Neil Carter. "In den Wäldern von Chitwan sind die Verhältnisse für die Tiger aber gut. Es gibt viel Beute für die Tiere und nur relativ wenig Wilderei."

Ein Tiger blickt in die Fotofalle im Chitwan National Park von Nepal
Ein Tiger blickt in eine Fotofalle im Chitwan National Park von Nepal

Obwohl sowohl die lokale Bevölkerung als auch Touristen die Gegend benutzen, haben sie die Tiere nicht vertrieben. "Wir lernen hier, dass sich Tiger an eine Koexistenz gewöhnen können." Die Tigerdichte sei nicht gefallen, obwohl sich die Zahl der lokalen Bewohner erhöht hat, so der Ökologe.

Zeitliche statt räumliche Trennung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der weltweite Bestand an Tigern um 97 Prozent gesunken. Heute leben nur noch zwischen 3.000 und 3.500 Exemplare in freier Wildbahn. Um sie zu schützen, wurden Naturreservate eingerichtet, in denen sie von menschlicher Aktivität möglichst unbehelligt sein sollen.

Mit der Zunahme der Weltbevölkerung ist das aber ein Ansatz, der immer schwieriger wird. Wenn schon keine räumliche Trennung, dann eine zeitliche: Das ist die Lektion, die man aus dem Nationalpark in Nepal ziehen kann.

science.ORF.at

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Forum

 
  • Beutetiere

    karl273, vor 262 Tagen, 1 Stunde, 18 Minuten

    Aus der Sicht der qualvoll zerfleischten Beutetiere sind Tiger viel weniger schützenswert.

    • Fleischfresser

      karl273, vor 261 Tagen, 23 Stunden, 11 Minuten

      Weg mit den Fleischfressern:

      http://www.scilogs.de/wblogs/blog/mente-et-malleo/skeptische-ecke/2010-09-21/weg-mit-den-fleischfressern

      Besonders konstruktiv sind die Kommentare von Karl Bednarik (= karl273).

    • ?

      tüpfelsumpfhuhn, vor 261 Tagen, 16 Stunden, 26 Minuten

      Wieso "weg mit den Fleischfressern"? Das wäre unnötig. Bei mir daheim ist Koexistenz von Menschen mit Hasen, Rehen, und sonstigen Begleiterscheinungen der Evolution, ja auch möglich. Die Viecher lassen sich tags nicht blicken! Wenn ich als erster morgens auf die Wegtrasse komme, sehe ich die frischen Fährten. Aber am Straßenrand liegt oft das eine oder andere Exemplar. Wie lange die alle zum Krepieren gebraucht haben, weiß ich nicht.
      Aber was, wenn nun Menschen doch keine Tiere wären - wohin kämen wir da?

      Im Ernst, ich selber mache "natürlich" Unterschiede zwischen Haustieren und Wildtieren. Meinen Haustieren soll ich Qual ersparen, finde mich dazu verpflichtet. Die Serengetigazellen dagegen überlasse ich den Beutegreifern. "Überlasse ich ..." - ja soll ich sie auch beschützen? Oder mir einreden, dass ich sie ja nicht in Abhängigkeit gebracht habe, nicht benutze?
      Also echt, manchmal ist einem das zu kompliziert mit dem Menschsein. Da flüchtet man lieber in Pseudodebatten.

    • Ethik

      karl273, vor 260 Tagen, 22 Stunden,

      Man könnte sagen, dass es die Aufgabe der Ethik ist, das Leid zu vermeiden, wo immer man es antrifft, und unabhängig davon, wer oder was das Leid verursacht hat.

      Übrigens handelt es sich beim Leid um subjektives Erleben, und letzteres wird deshalb in einem anderen science.orf.at-Beitrag diskutiert.

      Im konsequenten Grenzfall bedeutet das synthetische Nahrung, Empfängnisregelung, und artgerechte künstliche Umgebung für absolut alle empfindungsfähigen Lebewesen.

      Die Details sind in den oben erwähnten Kommentaren von Karl Bednarik (= karl273) beschrieben.