
Tiger nunmehr in der Nachtschicht
Von den "Tigern auf Nachtschicht" berichtet ein Team um den Ökologen Neil Carter von der Michigan State University in einer aktuellen Studie.
Die Studie:
"Coexistence between wildlife and humans at fine spatial scales" von Neil Carter und Kollegen ist am 3.9. in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen (sobald online).
Die Forscher haben zwei Jahre lang das Verhalten der rund 120 Tiger im Chitwan National Park im Süden Nepals untersucht. Aufnahmen von Kameras, die auf Bewegungen reagieren und in den Wäldern des Parks aufgestellt wurden, zeigten, dass sich Menschen und Tiger zeitlich ziemlich aus dem Wege gehen. Obwohl beide die gleichen Wege und Routen benutzen, tun erstere dies vor allem am Tag, zweitere in der Nacht.
Koexistenz ist möglich
Wildkatzen gelten nicht gerade als Anpassungskünstler, üblicherweise streifen sie tags und nachts auf der Suche nach Beute umher und wollen dabei nicht gestört werden. Gebiete ohne Menschen sind deshalb zu ihrem Schutz notwendig, so lautet die konventionelle Annahme.
"Das ist ein ganz grundlegender Konflikt um Ressourcen", sagt Neil Carter. "In den Wäldern von Chitwan sind die Verhältnisse für die Tiger aber gut. Es gibt viel Beute für die Tiere und nur relativ wenig Wilderei."

Obwohl sowohl die lokale Bevölkerung als auch Touristen die Gegend benutzen, haben sie die Tiere nicht vertrieben. "Wir lernen hier, dass sich Tiger an eine Koexistenz gewöhnen können." Die Tigerdichte sei nicht gefallen, obwohl sich die Zahl der lokalen Bewohner erhöht hat, so der Ökologe.
Zeitliche statt räumliche Trennung
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der weltweite Bestand an Tigern um 97 Prozent gesunken. Heute leben nur noch zwischen 3.000 und 3.500 Exemplare in freier Wildbahn. Um sie zu schützen, wurden Naturreservate eingerichtet, in denen sie von menschlicher Aktivität möglichst unbehelligt sein sollen.
Mit der Zunahme der Weltbevölkerung ist das aber ein Ansatz, der immer schwieriger wird. Wenn schon keine räumliche Trennung, dann eine zeitliche: Das ist die Lektion, die man aus dem Nationalpark in Nepal ziehen kann.
science.ORF.at
Mehr zu dem Thema:


