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Dissertation mit Plagiatsstempel

Wissenschaftsbetrug als Straftat?

Einer deutschen Studie zufolge plagiiert jeder fünfte Student ab und zu. Der Deutsche Hochschulverband fordert nun Konsequenzen. Österreichische Experten sprechen sich jedoch gegen eine Diskriminierung aus.

Plagiat 07.09.2012

Kriminalisierung problematisch

Jeder fünfte deutsche Student hat in den letzten sechs Monaten ein Plagiat abgegeben - das besagt die "Fair use"-Studie der Universitäten Würzburg und Bielefeld, in der Studenten zu ihren Schummelgewohnheiten befragt wurden. Konsequenzen hat das allerdings für kaum jemanden: 94 Prozent der Plagiatoren bleiben unentdeckt. Gegen die Praxis der Ghostwriter und Abschreiber fordert der Deutsche Hochschulverband (DHV) die Einführung eines Straftatbestandes Wissenschaftsbetrug. So soll der zunehmenden Entwertung von akademischen Titeln Einhalt geboten werden. Österreichische Experten sprechen sich allerdings gegen eine Kriminalisierung aus.

"Eine Kriminalisierung von Plagiaten ist sicher nicht der richtige Weg", sagt der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Agentur für Wissenschaftliche Integrität (OeAWI), Christoph Kratky, im Gespräch mit der APA. Ein nachgewiesenes Plagiat führe schon jetzt in aller Regel zu Konsequenzen in der verantwortlichen Institution wie der Aberkennung des Titels und weitergehend dem Verlust der wissenschaftlichen Reputation. Problematisch könnte laut Kratky vor allem die Definition des Tatbestandes sein, man habe es mit sehr unterschiedlichen Vergehen in unterschiedlichen Disziplinen zu tun. "Plagiat kann nicht an Wortgleichheit festgemacht werden", so der Vorsitzende der OeAWI.

Strukturelle Ursachen

Allerdings kann Kratky nicht ausschließen, dass es in Zukunft notwendig sein werde, auch eine Rechtsgrundlage für wissenschaftliches Fehlverhalten zu schaffen. Derzeit würde auf dem Prüfstand stehen, "wie verbindlich die Aussagen der OeAWI sind", verweist Kratky auf den derzeit laufenden Prozess am Salzburger Arbeitsgericht, den der Molekularbiologe Robert Schwarzenbacher gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Universität Salzburg angestrebt hat. Der Wissenschaftler war von der Uni wegen der angeblichen Fälschung von Forschungsergebnissen gekündigt worden, die Uni argumentiert dies u.a. mit einem Gutachten der OeAWI. Im Zweifelsfall müsse man die Verfahrensweisen anpassen, betonte Kratky, die OeAWI wolle aber keinesfalls mit Gewalt eine gesetzliche Änderung erzwingen.

Auch Plagiatsexperte Stefan Weber spricht sich gegenüber der APA gegen eine Kriminalisierung aus: "Das ist nie eine Lösung, die ein Problem aus der Welt schafft. Zu sehen ist einfach eine generelle Fehlentwicklung an den Universitäten, die viele Gründe hat." Der Kampf um Mittel und Ressourcen sowie der Zwang, sich als Universität positiv zu positionieren habe in den letzten Jahren dazu geführt, dass Wissenschaftsbetrug gar nicht gesehen oder regelrecht verdrängt werde, so Weber. Als Wurzel ortet er ein System, in dem über Generationen immer wieder Augen zugedrückt wurden: "Die Leute sind nicht mehr in der Lage, einen Text zu schreiben: Sie haben es vielleicht im Studium falsch gelernt, von unfähigen inkompetenten Lehrenden, sie haben vielleicht sogar Lehrbücher gelesen, in denen es falsch dargestellt wird."

OeAWI-Chef Kratky möchte vor allem der internationalen Diskussion um Urheberrechte nicht vorgreifen - denn eine Kriminalisierung von Plagiaten würde nicht nur die Wissenschaft, sondern auch Literatur, Musik oder Kunst betreffen. Erst langsam kristallisiere sich auch international das Bewusstsein für und der Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten heraus. "Hier muss man beobachten und aufmerksam verfolgen, welche Probleme auftauchen und wie darauf reagiert wird", so Kratky.

science.ORF.at/APA

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