
Streben nach Glück macht unglücklich
Reich und schön sollte man sein. Und glücklich noch dazu. Im Fach Körperkult treibt die Werbung dank Photoshop mittlerweile lustige Blüten. Unvergessen, wie das Model Filippa Hamilton in einer Hochglanzwerbung für ein amerikanisches Modehaus zur Kindfrau mit Wasserkopf mutieren durfte. Man könnte solch misslungene Retuschen in die Rubrik Unterhaltung einordnen, wenn dahinter nicht ein Problem stünde. Der ästhetische Druck von Werbung und Medien erzeugt in den Köpfen der Betrachter unrealistische Selbstbilder - mit bekannten Folgen.
Die Studie
"Feeling bad about being sad: the role of social expectancies in amplifying negative mood", Emotion (doi: 10.1037/a0024755)
Ö1 Sendungshinweis:
Radiogeschichten über "Die Glücklichen": 10.9, 11:40 Uhr.
Link:
"Radio Wien"-Psychologin Karin Busch-Frankl: "Man muss nicht immer glücklich sein"
Wie Bastian Brock von der University of Queensland herausgefunden hat, kann auch der Anspruch, fröhlich zu sein, zur belastenden Norm werden. Wer glaubt, glücklich sein zu müssen, weil andere es erwarten, erreicht damit ironischerweise das Gegenteil. Wie Brock in einer Studie schreibt, verstärkt diese Erwartungshaltung negative Gefühle. "Feeling bad about being sad", nennt er den Effekt: Traurig sein - und sich darob auch noch schlecht fühlen.
Brock hat diesen Zusammenhang bei Befragungen von australischen und japanischen Studenten entdeckt. Nachweisen konnte er ihn zwar bei beiden Gruppen, bei Australiern war er jedoch deutlich stärker ausgeprägt. Brock führt das auf unterschiedliche Mentalitäten in Ost und West zurück. "In Japan werden Akzeptanz und Ausgeglichenheit hoch bewertet, selbst die Mühsal besitzt einen positiven Wert. Das Streben nach Glück hat hingegen eine fast unmoralische Note", sagt Brock. Anders die Situation im Westen, "wo alltägliche Emotionen wie Traurigkeit, Angst und Depression pathologisiert und als Abweichung von der Norm angesehen werden."
Robert Czepel, science.ORF.at
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