
Betrug mit dem blauesten Blau
Das metallisch glänzende, irisierende Blau der Beere wirkt, als wäre es im Labor eines Karosserieherstellers entwickelt worden. Dabei hat hier Mutter Natur designt. Die zur Beere gehörige Pflanze, Pollia condensata, ist etwa einen Meter groß und wächst in den tropischen Wäldern Afrikas.
Die Studie
"Pointillist structural color in Pollia fruit", PNAS (doi: 10.1073/pnas.1210105109).
Wie Forscher um Ulrich Steiner von der Cambridge University in einer Studie schreiben, bedient sich die Pflanze eines ähnlichen physikalischen Tricks, wie es etwa auch Pfauen tun, um ihre Federn mit intensiver Färbung auszustatten.
Auch Schmetterlinge und manche Käfer beherrschen diese Übung: In all diesen Fällen sind keine Pigmente vorhanden, die Farbe entsteht vielmehr durch Reflexion und Interferenz von Lichtstrahlen - "Strukturfarben" nennen das Physiker.

Die Beere erzielt den Effekt durch Zellulose-Helizes, die sie in den Wänden der Beerenhautzellen einlagert. Bemerkenswerterweise besitzt jede Epidermiszelle eine individuelle Färbung, wodurch ein gepixelter, oder wenn man so will: pointillistischer Farbeindruck entsteht.
Ein Effekt, der offenbar extrem haltbar ist: Steiner und seine Kollegen nahmen für ihre Analyse nämlich Früchte aus den 70er-Jahren, ihre Epidermis scheint auch heute noch so intensiv zu schimmern wie vor 40 Jahren.
Biologisch betrachtet ist die Sache allerdings ein großer Betrug. Denn das Äußere der Beere soll süße, reife Früchte anderer Arten imitieren und Tiere zwecks Verbreitung der Samen anlocken. Doch die Früchte von Pollia condensata haben im Gegensatz zu ihren Vorbildern gar keine Nährstoffe anzubieten. Nur eine schöne Schale, nichts weiter.
Robert Czepel, science.ORF.at
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