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Mensch schnupft Kokain von einem Spiegel

APA, Helmut Fohringer

Kokainentzug: Gehirn steht auf der Bremse

US-Forscher liefern eine Erklärung, warum der Entzug von Kokain Menschen unmotiviert und depressiv macht: Das Gehirn stehe länger auf der Bremse als nötig. Die Studie bietet Ansätze, diesen Effekt zu vermindern und Rückfälle zu verhindern.

Molekularbiologie 11.09.2012

Die Wissenschaftler um Oliver Schlüter von der Universität Göttingen und Yan Dong von der Washington State University untersuchten, welche Auswirkungen Kokain auf die Gehirnzellen hat.

Die Studie:

"Cannabinoid receptor 1-expressing neurons in the nucleus accumbens" ist am 11.9.2012 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen (DOI:10.1073/pnas.1206303109).

Befriedigender Zustand

Die Forscher konzentrierten sich bei ihren Versuchen mit genetisch manipulierten Mäusen auf ein bestimmtes Molekül, den Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1). Dieser hemmt die Kommunikation zwischen Nervenzellen. Besonders wichtig ist er in einem für Emotionen und Motivation wichtigen Teil des Vorderhirns, dem Nucleus accumbens - auf den auch Kokain starke Effekte hat.

Wenn ein Mensch Kokain zu sich nimmt, "beschleunigt das alles und versetzt ihn in einen äußerst befriedigenden emotionalen Zustand", erklärte ein Co-Autor der Studie, Bradley Winters. Bei den Genmäusen in der Studie habe das Kokain zu einem erhöhten Ausstoß von CB1 geführt, was die Hyperaktivät im Nucleus-accumbens-Bereich des Hirns abbremse. "Das ist, als müsse man auf die Bremse treten, während man einen steilen Hügel herabfährt."

Bremsen im flachen Gelände

Allerdings verstehe das Gehirn mit nachlassender Wirkung des Kokains nicht, dass es die Bremsen wieder loslassen könne: "Jetzt fährt man einen flacheren Hügel herunter - aber nur mit zwei Meilen pro Stunde, weil der Fuß noch auf der Bremse klebt."

Kokainsüchtige Menschen fühlten sich daher schlecht und antriebslos. "Das bringt sie zurück zur Droge, denn sie möchten sich besser fühlen."

science.ORF.at/APA/AFP

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