Standort: science.ORF.at / Meldung: "Trockenheit macht Sommerregen"

Sommergewitter über Wiese

Trockenheit macht Sommerregen

Nachmittägliche Sommergewitter entstehen eher über trockenen Gebieten. Zu diesem auch für die Wissenschaft überraschenden Befund kam eine internationale Studie. Bisher gingen Computermodelle davon aus, dass solche Niederschläge eher über feuchten Gegenden entstehen.

Wetter 12.09.2012

Konkret haben die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Bodenfeuchte und sogenannten "konvektiven Niederschlägen" untersucht. Dabei handelt es sich um Sommergewitter, die oft auf kleinere Regionen beschränkt bleiben - im Gegensatz etwa zu Gewitterfronten, die über große Landstriche ziehen. Bei diesen Niederschlägen, oft am Nachmittag eines heißen Tages zu beobachten, heizen sich Luftmassen auf, steigen senkrecht nach oben, bilden hohe Niederschlagswolken und regnen schließlich relativ lokal ab.

Die Studie in "Nature":

"Afternoon rain more likely over drier soils" von
Christopher M. Taylor et al.

Konsequenzen für Wettermodelle

Heranziehendes Gewitter in Mali
Heranziehendes Gewitter in Mali.

"Solche Wettersysteme gibt es fast überall auf der Erde, im Sommer auch in Mitteleuropa. Gerade heuer waren immer wieder solche Niederschläge auch in Österreich zu beobachten", erklärte Wouter Dorigo vom Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung der TU Wien, das auch an der Studie beteiligt war, im Gespräch mit der APA. Bisher ging man davon aus, dass über feuchten Böden mehr Wasser verdunstet. Dies würde zu einer positiven Rückkoppelung führen: Dort wo es feucht ist, regnet es umso mehr, wo es trocken ist, bleibt auch der Regen weiterhin aus.

Doch die Daten verschiedener Satelliten, mit denen die Bodenfeuchte global auf einer Größenskala von 50 bis 100 Kilometer gemessen wurde, zeigen nun ein anderes Bild: "Konvektiver Niederschlag tritt eher über trockenen Böden auf", so Dorigo. Noch wissen die Wissenschaftler nicht genau, wie sich dieser Effekt erklären lässt. Dorigo vermutet, dass sich die Luft über trockenen Böden leichter aufheizt und es dadurch zu intensiveren Aufwärtsbewegungen der Luft kommt. Die Wissenschaftler gehen jedenfalls davon aus, dass die neuen Erkenntnisse Konsequenzen auf die derzeit verwendeten Wetter- und Klima-Modelle haben wird.

science.ORF.at/APA

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