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"Blumen in blauer Vase" von Vincent Van Gogh

Warum Van Goghs Blumen ermatten

Ursprünglich leuchteten die "Blumen in blauer Vase" von Vincent van Gogh in hellem Gelb. Heute aber erscheinen sie Betrachtern in einem matten Orange-Grau. Forscher haben mit Hilfe von Röntgenanalysen geklärt, dass ein bisher unbekannter chemischer Zersetzungsprozess dafür verantwortlich ist.

Chemie 14.09.2012

Van Gogh (1853 bis 1890) hatte das Gemälde 1887 in Paris gemalt, seit Anfang des 20. Jahrhunderts befindet es sich im Besitz des Kröller-Müller-Museums in Otterlo. Der Maler hat seine Werke normalerweise nicht mit einer Schutzschicht (Firnis) versehen, auf das untersuchte Gemälde wurde sie nachträglich aufgetragen.

Die Studie:

"Combined use of synchrotron radiation-based µ-XRF, µ-XRD, µ-XANES and µ-FTIR reveals an alternative degradation pathway of the pigment cadmium yellow in a painting by Van Gogh" von Geert Van der Snickt und Kollegen ist am 30.8. online in "Analytical Chemistry" erschienen.

"Blumen in blauer Vase" von Vincent Van Gogh

"Blumen in blauer Vase" von Vincent van Gogh

"Bei der jüngsten Konservierungsbehandlung im Jahr 2009 zeigte sich eine ungewöhnliche, graue Kruste auf Bereichen mit Cadmiumgelb", berichtet Konservatorin Margje Leeuwestein vom Kröller-Müller-Museum in einer Aussendung.

Röntgenanalysen

Van Gogh hatte für das Gemälde unter anderem das damals relativ neue Pigment Cadmiumgelb verwendet (Cadmiumsulfid). Später wurde entdeckt, dass Cadmiumgelb an der Luft seine Farbe verliert und die Pigmente ihre Leuchtkraft einbüßen. Schuld ist die Oxidation zu Cadmiumsulfat. "Wir haben diesen Prozess vor ein paar Jahren aufgeklärt, und die Beobachtung, dass die Pigmente hier mit einer dunklen, rissigen Kruste überzogen sind statt mit der leicht weißen, transparenten Oxidationsschicht, hat uns sehr neugierig gemacht", berichtet Koen Janssens von der Universität Antwerpen.

Die Kruste und der verfärbte Firnis ließen sich nicht entfernen, ohne die sehr brüchige Cadmiumfarbe zu beeinträchtigen. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, schickte das Museum zwei mikroskopisch kleine Farbproben vom Originalgemälde zur Untersuchung an das Team von Janssens. Die Forscher durchleuchteten die Farbproben am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg und an der Europäischen Synchrotronquelle ESRF in Grenoble und untersuchten ihre chemische Zusammensetzung.

Bleivitriol und Cadmiumoxalat

Kristallines Cadmiumsulfat, das bei der Oxidation entstanden sein sollte, ließ sich dabei überraschenderweise nicht aufspüren. "Es zeigte sich, dass die Sulfat-Ionen aus dem Cadmiumsulfat mit Blei aus dem Firnis sogenanntes Bleivitriol gebildet hatten", erläutert DESY-Forscher Gerald Falkenberg aus dem Team.

Bleivitriol, eine opake Verbindung, fand sich in weiten Bereichen des Firnis. Die Quelle des Bleis ist vermutlich ein bleihaltiges Trocknungsmittel, das dem Firnis beigemischt worden war.

Laut den Forschern hat sich an der Grenzschicht zwischen Farbe und Firnis mit Abbauprodukten aus dem Firnis zudem eine Schicht aus Cadmiumoxalat gebildet. Gemeinsam mit dem Bleivitriol ist das Cadmiumoxalat für die undurchsichtige, orange-graue Kruste auf den cadmiumgelben Bereichen des Gemäldes verantwortlich.

Mikroskopaufnahme einer Cadmiumgelb-Probe aus dem Van-Gogh-Gemälde "Blumen in blauer Vase".
Mikroskopaufnahme einer Cadmiumgelb-Probe aus dem Gemälde; das leuchtende Gelb ist von einer dunklen Kruste bedeckt

Originalmaterial erhalten?

"Die Erforschung dieses bisher unbekannten Zersetzungsprozesses erlaubt uns, besser zu verstehen, warum das Gemälde heute so aussieht", betont Leeuwestein. Ob eine Entfernung des Firnis auf dem untersuchten Gemälde möglich und sinnvoll ist, sei aber noch nicht abschließend geklärt.

"Bei einer möglichen Entfernung von Firnis und Kruste muss man immer bedenken, dass Firnis und Kruste Originalmaterial des Cadmiumgelbs enthalten. Die Entfernung von Originalmaterial ist bei einer Konservierungsbehandlung natürlich unerwünscht."

science.ORF.at

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