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Der Vulkan Chaitén

Dinosaurier: Der Tod kam zweimal

Ein Meteoriteneinschlag beendete vor 65 Millionen Jahren das Zeitalter der Dinosaurier. Das ist nur die halbe Wahrheit, sagen US-Forscher. Schon 40.000 Jahre zuvor sei das Artensterben im Gange gewesen. Ursache: Vulkanismus und Klimawandel.

Vulkane 18.09.2012

Massensterben gehören zur Naturgeschichte wie die Werbung zum Fernsehen. Jenes am Ende der Kreidezeit ist nur der letzte (und am besten erforschte) Niedergang in einer ganzen Serie von Tiefschlägen. Drei Beispiele: Am Ende des Kambriums, des Perms und der Trias hörten die meisten Tier- und Pflanzenarten auf zu existieren, sie starben aus und wurden durch andere ersetzt.

Vor 252 Millionen Jahren (Grenze Perm/Trias) verschwanden etwa bis zu 95 Prozent aller Meeresbewohner, an Land betrug die Abgangsrate immerhin 66 Prozent. Lange wurden solche Massensterben als langsame, schrittweise Vorgänge angesehen. Bis Luis Walter Alvarez kam. Der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger wies 1980 nach, dass vor 65 Millionen Jahren wohl ein Meteoriteneinschlag der Flora und Fauna den Garaus gemacht haben musste - Dinosaurier inklusive.

Sein Beweis läuft heute unter dem Stichwort "Iridium-Anomalie": Weltweit lassen sich in Sedimenten dieses Alters erhöhte Dosen des Elements Iridium nachweisen. In der Erdkruste kommt es nicht in diesen Konzentrationen vor, sehr wohl aber in Meteoriten. Da auch der entsprechende Einschlagskrater nahe der mexikanischen Halbinsel Yucatán geologisch in dieselbe Richtung weist, wurde das Szenario der Globalkatastrophe schnell zur Standardtheorie.

Vulkanismus in Indien

Die Studie

"Extinction patterns, δ18 O trends, and magnetostratigraphy from a southern high-latitude Cretaceous–Paleogene section: Links with Deccan volcanism", Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 15.9.2012 (doi: 10.1016/j.palaeo.2012.06.029).

Nun scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Denn im Prinzip wäre es möglich, dass der Meteorit nur der finale K.o.-Schlag für ohnehin siechende Ökosysteme gewesen ist. Das zumindest ist eine Deutung, die man in einer aktuellen Studie im Fachblatt "Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology" lesen kann. Thomas Tobin hat darin die Rolle von Vulkanausbrüchen auf dem Indischen Subkontinent unter die Lupe genommen. Dass es diese Ausbrüche im sogenannten Dekkan-Trapp gegeben hat, war schon länger bekannt. Offen war allerdings, wann und in welchem Ausmaß die Vulkane das globale Klima - und in weiterer Folge: auch das Artenspektrum verändert haben.

Um das zu beantworten, analysierte Tobin mit einigen Kollegen eine geologische Formation auf Seymour Island an der Spitze der Antarktischen Halbinsel. Das Tempo der Sedimentation war in dieser Region extrem hoch, man könnte auch sagen: geologisch ist die Zeitachse auf Seymour Island gedehnt - ein idealer Ort für zeitliche Feindatierungen. Laut magnetischen Daten lautet die Erzählung nun wie folgt: Die Vulkane waren bereits 200.000 Jahre aktiv, bevor der große Meteorit vom Himmel stürzte. Deren Ausgasungen führten möglicherweise zu einem globalen Klimawandel.

Erwärmung um sieben Grad

Fest steht, dass sich im Bereich von Seymour Island das Wasser 40.000 Jahre vor dem Einschlag um ca. sieben Grad erwärmt hatte. Eine ökologische Veränderung, die 40 Prozent aller vorhandenen Muscheln und Schnecken das Leben gekostet hatte. Kirk Johnson vom Denver Museum of Nature & Science beurteilt die vorliegend Studie als "großartig", macht sich gleichwohl noch ein bisschen Sorgen wegen der Datierung.

Ob die Reihenfolge der Ereignisse so hält, bleibe abzuwarten. Falls ja, stehen die Forscher vor einer noch größeren Frage: Ließen sich ähnliche Szenarien auch für den Rest der Welt nachweisen? Tobin und Kollegen vermuten: "Das Massensterben am Ende der Kreidezeit war ein Resultat mehrerer, unabhängiger Ereignisse."

Robert Czepel, science.ORF.at

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