Standort: science.ORF.at / Meldung: "Chefs oft weniger gestresst als Angestellte"

Eine Frau und ein Mann sitzen am Schreibtisch vor Lapton und Tablet.

Chefs oft weniger gestresst als Angestellte

Viele Termine, hohe Verantwortung, ständige Erreichbarkeit - Chef zu sein ist nicht immer ein Traumjob. Doch eine Studie zeigt: Vorgesetzte scheinen häufig gar nicht so stark unter Druck zu stehen wie angenommen. Denn viele Chefs sind demnach weniger gestresst als einfache Angestellte.

Speichelanalyse 25.09.2012

Menschen in leitenden Positionen zeigten in Untersuchungen weniger Anzeichen von Stress. Je mehr sie das Gefühl von Kontrolle hatten, desto weniger ließen sie sich unter Druck setzen.

Die Studie:

"Leadership ist associated with lower levels of stress" erscheint zwischen 24. und 29. September 2012 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI:10.1073/pnas.1207042109).

Mehr Kontrolle, weniger Stress

Jennifer Lerner und ihre Mitarbeiter von der Harvard University untersuchten den Speichel von 148 Menschen in höheren Positionen bei US-Regierung und Militär sowie 65 einfachen Angestellten verschiedener Berufe auf die Menge des Stresshormons Cortisol.

Dabei fanden sie, dass die Führungskräfte im Durchschnitt ein deutlich geringeres Stressniveau zeigten als die andere Gruppe. In einer standardisierten Befragung gaben sie zudem viel seltener an, unter Unruhe und Unsicherheit zu leiden.

In einer weiteren Analyse gruppierten die Forscher die Chefs nach dem Ausmaß der Kontrolle, die sie nach eigener Meinung über ihr Arbeitsumfeld und ihre Mitarbeiter ausüben konnten. Das Ergebnis: Die Menge an Stresshormon war umso geringer, je mehr Kontrolle die Testpersonen ausübten.

Auch bei Pavianen

Ö1 Sendungshinweis:

Über diese Studie berichtet auch "Wissen Aktuell" am 25. September 2012 um 13.55 Uhr.

Dass eine höhere Position nicht mit mehr Stress und einem dadurch schwächeren Immunsystem verbunden sein muss, hat sich auch in einer vor kurzem veröffentlichten Studie an Pavianen gezeigt. Nicht nur wurden die Leittiere der Horde seltener krank, sie erholten sich auch deutlich schneller von Erkrankungen und Verletzungen als ihre niederrangigen Artgenossen. Besonders ausgeprägt war dieser Trend bei den ranghöchsten Tieren, den Alphamännchen, berichteten Forscher im Mai 2012.

Bei den Affen blieb offen, in welche Richtung der Zusammenhang bestand: ob aus dem Sozialrang die Gesundheit resultiert oder aus der Gesundheit der Sozialrang. Und so muss auch in der aktuellen Studie ungeklärt bleiben, ob besondere Stressresistenz zum Chefposten verhilft, oder aber ein vernünftiger Umgang mit Stress erst durch die verantwortungsvolle Position erlernt wurde.

Klar dürfte jedenfalls sein: Je höher die Position, je besser die Kontrolle über Menschen und Arbeitsumfeld, desto weniger Stress entsteht.

science.ORF.at/APA/dpa

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  • Gestresste Angestellte

    karl273, vor 242 Tagen, 12 Stunden, 8 Minuten

    Diese Erkenntnis ist nicht neu.