
Autofreaks erkennen Autos wie andere Gesichter
Das gilt zumindest bei ausgewiesenen Autoliebhabern, berichtet ein Team um die Neurowissenschaftlerin Rankin Williams McGugin von der Vanderbilt University in Nashville.
Die Studie:
"High-resolution imaging of expertise reveals reliable object selectivity in the fusiform face area related to perceptual performance" von Rankin Williams McGugin und Kollegen ist am 1.10.2012 in den "PNAS" erschienen.
Eine Beere im Gehirn
Gesichter zu erkennen und ihren Ausdruck einzuordnen ist von höchster Bedeutung. Ärger, Schmerz, Lust und Freude drücken sich in der Mimik aus, und so ist es kein Wunder, dass sich die Fähigkeit "Gesichter lesen" zu können, bereits kurz nach der Geburt entwickelt.
Was für Menschen - mit Ausnahme beispielsweise jener, die unter Gesichtsblindheit oder Autismus leiden - so selbstverständlich erscheint, ist im Gehirn eine hochkomplexe Angelegenheit. An der visuellen Wahrnehmung sind zahlreiche Hirnareale beteiligt, vor allem an der oberen Schläfenfurche sowie im unteren Schläfenlappen. Dort liegt auch der Hauptbereich der menschlichen Gesichtserkennung, das sogenannte fusiforme Gesichtsareal (FFA; fusiform face area).
Die Mehrheit der Neurowissenschaftler ist bisher davon ausgegangen, dass das beerengroße FFA nur auf ganz spezifische, Gesichtern innewohnende Informationen (wie Augen, Mund und Nase) reagiert. Um das zu überprüfen haben die Forscher nun die Gehirne von 25 Versuchspersonen mit besonders exakten bildgebenden Verfahren untersucht (high resolution fmri).
"Kompetenzzentrum" der visuellen Wahrnehmung
Bei den Probanden handelte es sich um ausgewiesene Experten in Sachen Autos, wie in Tests zuvor überprüft worden war. Während die Gehirnscans gemacht wurden, gaben ihnen die Forscher eine Reihe von Bildern zu sehen: ein Gemisch aus Gesichtern, Autos, Flugzeugen und Tieren. Dann verglichen sie die Gehirnaktivitäten und fanden heraus, dass es einige Bereiche des fusiformen Gesichtsareals gab, die sowohl bei Gesichtern als auch bei Autos feuerten.

Damit sei noch nicht bewiesen, dass es exakt die gleichen Gruppen von Nervenzellen sind, die Gesichter und andere Objekte - wie z.B. Autos - verarbeiten, sagt Ranking McGugin in einer Aussendung. "Wir haben aber die Möglichkeit ausgeschlossen, dass sich ein Areal ausschließlich mit der Gesichtserkennung beschäftigt."
Die Forscherin und ihr Team vermuten, dass das FFA eher eine Art "Kompetenzzentrum" der visuellen Wahrnehmung ist, dass es sich also spezialisiert auf einen ganz bestimmten vertrauten Typ an Information, die aus der Umwelt stammt - und das können im Allgemeinen Gesichter sein, bei entsprechenden Aficionados im Besonderen aber eben auch Autos.
Lukas Wieselberg, science.ORF.at
Mehr zu dem Thema:


