Standort: science.ORF.at / Meldung: "Impfgegner boomen im Internet"

Ein Stethoskop liegt auf einem Laptop

Impfgegner boomen im Internet

Die Menschen in Europa halten sich beim Impfen zunehmend zurück. Als Folge treten besiegt geglaubte Infektionskrankheiten wie Masern wieder vermehrt auf. Eine Ursache für die Impfmüdigkeit ist das Internet: So boomen Einladungen zu Masernpartys auf Facebook und Forumsdiskussionen über Impfstoffe, die angeblich Allergien auslösen.

Medizin 03.10.2012

Dabei könnten gerade Social Media sehr viel zur Impfaufklärung beitragen. Der Direktor des European Center für Disease Prevention and Control (ECDC), Marc Sprenger, plädierte beim European Health Forum Gastein darum für eine Gegenoffensive im Internet.

80 Prozent informieren sich im Netz

Immer mehr Menschen würden das Internet als Informationsquelle in Sachen Gesundheit nutzen und dabei nicht nur die Websites öffentlicher Organisationen, sondern auch auf Blogs meinungsstarker Einzelpersonen zurückgreifen. Laut einer ECDC-Studie aus dem Jahre 2011 bestätigten 80 Prozent der befragten praktischen Ärzte, dass Patienten inzwischen nicht nur mit einem Problem in die Sprechstunde kommen, sondern gleich auch ein paar Seiten Gesundheitsinfos aus dem Internet dabei haben.

Eine aktuelle Studie der Universität Erfurt stellte für das Thema Impfen fest: Drei von vier Personen, die sich über Masern informieren wollen, finden im Internet eine Seite, die sich vehement gegen die Impfung ausspricht. Eine durchschnittliche Verweildauer von fünf bis zehn Minuten reiche in der Regel aus, um den Ratsuchenden zu vermitteln, dass eine Immunisierung mit bedenklichen Nebenwirkungen verbunden sei.

Impfskeptiker übertönen alles

"Im Internet kursieren nicht nur viele Fehlinformationen über Impfungen, Gegner organisieren regelrechte Kampagnen und schrecken auf fahrlässige Weise Eltern davon ab, ihre Kinder impfen zu lassen", kritisierte auch John McConnell, Herausgeber der Fachzeitschrift "The Lancet Infectious Diseases".

Wissenschaftliche Erkenntnisse über Immunisierung, Impfstoffe oder Impferfolge hätten darum weniger Chancen, positiv wahrgenommen zu werden. "Die Aggressivität der Impfskeptiker übertönt alles."

ECDC-Direktor Sprenger will sich darum stärker und professioneller in sozialen Netzwerken positionieren, um das Internet nicht den Impfgegnern zu überlassen. "Besonders renommierte Einrichtungen im Gesundheitsbereich sollten offener für neue und innovative Zugänge sein, um Eltern mit Informationen über Nutzen und Sicherheit von Impfungen zu versorgen." Es gelte vor allem, das Vertrauen der Menschen in Impfungen durch unabhängige Experten zu stärken.

Ein Schuss, der im Internet unter Umständen nach hinten losgehen könnte: Denn eine noch nicht veröffentlichte US-Studie legt nahe, dass Versuche, im Social Web aktiv über bestimmte Impfungen aufzuklären, kontraproduktiv verlaufen können, weil sie von der starken Anti-Impfbewegung ausgehebelt werden.

Comeback von Masern und Röteln

Die Pocken gelten in Europa dank flächendeckender Impfprogramme inzwischen als ausgerottet, 2012 wurde der Kontinent von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum zehnten Mal in Folge als poliofrei zertifiziert. An anderen schweren Infektionskrankheiten laboriert Europa allerdings noch: "Derzeit flammen zum Beispiel Masern und Röteln wieder auf. Das WHO-Ziel, diese Krankheiten hier endgültig zu besiegen, musste von 2010 auf 2015 verschoben werden. Grund dafür ist eine fallende Impfquote, was zu einem Anstieg der Infektionen geführt hat", betonte die österreichische EU-Parlamentarierin Karin Kadenbach (SPÖ) in Gastein.

Nur wenn 95 Prozent der Menschen gegen Masern geschützt sind, könnten Viren nicht mehr zirkulieren. In den 53 Ländern Europas sei die Impfrate jedoch nicht annähernd hoch genug. Laut einer aktuellen Studie sei die Zahl der Masernfälle von 2010 bis 2011 in der EU um den Faktor 4 angestiegen.

Die Gründe dafür lassen sich für Kadenbach dabei vor allem an drei Ursachen festmachen: Impfmüdigkeit, Impfskepsis und Impfkosten. "Bestimmte Krankheiten sind kaum mehr ein Thema. Das verleitet viele zur Einschätzung, dass die Impfungen nicht mehr nötig sind." Außerdem würden Impfungen an einem Imageproblem leiden. Schuld daran seien vor allem kontrovers geführte Diskussionen zwischen Impfbefürwortern und Impfverweigerern im Internet. "Viele Eltern sind verunsichert und lassen ihre Kinder nicht mehr gegen Masern, Röteln und Co impfen."

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • logopezi, vor 227 Tagen, 5 Minuten

    der nutzen von impfungen steht außer zweifel:
    an dauerhaften impfschäden leidet nur ein bruchteil der menschen, die bei nichtimpfung von den betreffenden krankheiten dauerhafte schäden davontrügen oder daran stürben.

    • Daran möchte ich Zweifel anmelden

      sunsurfer6, vor 226 Tagen, 23 Stunden, 28 Minuten

      Aufgrund des hohen Standards der Grundversorgung, wage ich zu bezweifeln, dass es in Österreich noch viele Kinder gibt, die im Falle einer Kinderkrankheit sterben müssten.
      Das war in der Zwischen- und Nachkriegszeit sicher anders, da die Viren auf ohnehin geschwächte Menschen getroffen sind.
      Heute kann ein Kind mit Bettruhe (und Medikamenten wenn man das will) eine Kinderkrankheit normal und ohne bleibenden Schaden ausheilen.
      Wenn das Kind aber nach spätestens 2 Tagen wieder Leistung (Schule) bringen muss, schauts mit der Heilung natürlich schlechter aus.
      Dass es Länder in Europa und Einzefälle in Ö gibt, für die das Thema Grundversorgung nicht gilt, ist mir bewusst.

  • Impfkritisch

    fischermen, vor 227 Tagen, 1 Stunde, 10 Minuten

    eine Gewährleistung würde jedem betroffenen eine Unterhaltszahlung zusprechen, besonders im schweren Fällen...
    Sozusagen eine Produkthaftung, so wie es im Normalfall üblich ist!

    Ich kenne einige Fälle auch aus der eigenen Familie wo Impfschäden abgewiesen wurden. Das steht die Pharmaindustrie nicht hinter der eigenen Verantwortung.

    Und wenn sich jemand gut zur Pharmaindustrie einlesen möchte kann dies tun:
    "Patient im Visier" ein Suhrkamp TB

    Man muss sich auch nicht gegen jeden Pfurz impfen lassen.
    Gesunder Hausverstand ist oft besser als viele bezahlte Ärzte. DAS IST SO!

    Ich kenne einige Leute aus der Pharmazie und die sprechen ebenso!!
    Es ist grundsätzlich ein Mega-Geschäft.

    • typisch für deine einstellung: "DAS IST SO"... und basta.

      frizzdog, vor 227 Tagen, 1 Stunde, 1 Minute

      überheblich, absolutistisch, rückwärtsgewandt, stur, pseudorevolutionär, ...

  • Es liegt ja wohl an den Staaten,

    thomast, vor 227 Tagen, 9 Stunden, 43 Minuten

    das hier eine Skepsis durchaus angebracht ist.

    Wenn die Impfkommissionen von Impfstoffentwicklern oder deren unmittelbaren Kollegen/Untergebenen besetzt sind oder aber von den Ehegatten der Geschäftsführer von Impfstoffherstellern, muss man sich über eine gewisse Skepsis nicht wundern.

    Klare staatliche Regelungen für die Regelung auch nur eventueller Impfschäden fehlen gänzlich. Auch das ist ein Defizit, das behoben werden muss. Im Falle der Gewährleistung muss die ersten 6 Monate der Hersteller/Händler beweisen, dass sein Produkt fehlerfrei war, danach der Konsument. Im Falle von Impfungen immer der Konsument, was nur schwer möglich ist.

    Es reicht gesetzlich festzulegen, dass idiopathische Probleme in den ersten 6 Monaten nach einer Impfung als Impfschaden anzuerkennen und zu regulieren sind, um die Konsumenten abzusichern.

    Wenn ein Hersteller aber darauf besteht, dass ohne konkreten Nachweis (der selten zu erbringen ist) eine Regulierung als Impfschaden abgelehnt wird, dann muss man sich über Skepsis nicht wundern.

    • wie bitte?

      sunsurfer6, vor 227 Tagen, 1 Stunde, 50 Minuten

      Gewährleistung? Bei Impfschäden?
      Der Körper ist zerstört, was hilft da die Gewährleistung?
      Ich saß neulich neben einem 15jährigen, der mit 4 Jahren geimpft wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt und sich nicht mehr koordiniert bewegen kann. Was hilft diesem Jungen eine Gewährleistung??
      Solange in österreich die Veröffentlichung von Impfschäden gesetzlich untersagt ist, brauchen wir uns nicht über die "Impfmüdigkeit" wundern.
      Wie sollen sich die Leute anders informieren, als über das Internet in der Schweiz und in Deutschland? Dort wird offen mit der Problematik umgegangen.
      Und ausserdem - Masern, Mumps, Scharlach sind Kinderkrankheiten, die für die Entwicklung des Immunsystems der Kinder durchaus förderlich sind, nur bringen sie halt so keine Kohle für die Pharmaindustrie!

    • Antwort auf wie bitte

      vera1, vor 227 Tagen, 49 Minuten

      Es erstaunt mich immer wieder, wie einseitig doch argumentiert wird. Wissen Sie eigentlich wieviele Behinderungen aufgrund einer sogenannten "Kinderkrankheit" zurückbleiben. Zeugungsunfähigkeit, Blindheit, Taubheit, Spasmen uvm. darüber spricht niemand. Nicht geimpfte Kinder bedeutern in Zukunft mehr ausgebrochene Krankheiten und das wiederum bedeutet ein höheres Risiko für Alle.
      Was mich an ihrer Wortmeldung auch stört, ist dass imer von irgendwelchen gehörten, gesehenen Fällen geschrieben oder erzählt wird. Das ist nicht einmal für sie überprüfbar und vor allem dies so ungeprüft weiterzugeben und Angst zu erzeugen finde ich letztklassig. Weiters unterstellen sie nicht jedem rzt dass er Handlanger der Pharmaindustrie ist. Ich bin auch nur Mutter mit Hausverstand und bekomme nichts von der Pharmafirma bezahlt. Wenn sie sich gegen Impfunden entscheiden, dann ist das ihr gutes Recht aber halten sie andere nicht vom Denken auf.

    • @vera

      sunsurfer6, vor 227 Tagen, 35 Minuten

      Hallo Vera,
      wo steht was von gehörten Fällen? Wenn der Jungen neben mir sitzt und ich mit dem Vater ins Gespräch komme, ist das nicht zufällig gehört, oder gesehen. Wenn mir der Vater dann auch noch bestätigt, dass sein Kind bis zum 4 Lebensjahr gesund war, und nach der Impfung sukzessive krank wurde, dann ist das sicher mehr Information, als sie jemals zu diesem Thema persönlich erfahren haben und ausserdem tieftraurig.
      Wenn sie ihre Kinder impfen lassen, dürfen Sie das selbstverständlich. Dass meine Kinder nicht geimpft sind, ist genauso meine Entscheidung.
      Und da Ihre Kinder ja den Impfschutz haben, können sie ja durch meine dann nicht angesteckt werden.
      Meine Kinder hatten Scharlach, Masern, Mumps und Feuchtblattern und sind nach wie vor die gesündersten Kinder in ihrer Klasse mit max. 1-2 versäumten Schultagen/Jahr.
      Also - gut ausgeheilte Kinderkrankheiten hinterlassen in den seltensten Fällen bleibende Schäden, das Problem ist nur, wenn man den Kindern keine Zeit zum Ausheilen lässt. Das ist aber bei einer Grippe nicht anders.
      Die Dunkelziffer bei Impfschäden wäre im Vergleich dazu wirklich mal interessant. Haben Sie die vielleicht irgendwo?