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Pasterzenzunge zu Sommerbeginn 2012

Erneut massive Gletscherschmelze

Österreichs Gletscher haben in der Saison 2011/12 erneut stark an Volumen eingebüßt. Die Ursache: das überdurchschnittlich warme und sonnige Wetter im Frühling und im Sommer.

Bilanz 04.10.2012

Wie Messungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ergaben, war das Schmelzen heuer fast so stark wie in den Rekordjahren 2003 und 2011. Die ZAMG untersuchte vor allem die Gletscher in den Hohen Tauern. Dazu gehören die Pasterze, Österreichs größter Gletscher, sowie Goldbergkees und Kleinfleißkees im Bereich des Sonnblicks.

Video

Zeitraffervideo der Ausaperung des Goldbergkees im Sommer 2012 - aufgenommen von einer fix montierten Kamera am Sonnblick-Observatorium (im Vordergrund die Strahlungsmessgeräte am Observatorium). Das Video startet am 27. Mai 2012 und endet am 12. September 2012, zum Zeitpunkt der minimalen Schneebedeckung des Goldbergkees.

Aussendung

ZAMG: Gletscher wieder stark geschmolzen

Bernhard Hynek, Gletscherforscher an der ZAMG: "Auch heuer haben die Gletscher überdurchschnittlich viel Eismasse verloren. Es war fast so viel wie in den bisherigen Rekordjahren 2003 und 2011. Dabei hat das Gletscherjahr gut begonnen. Der Winter 2011/2012 brachte besonders an der Nordseite der Alpen reichlich Schnee. Viele Gletscher gingen mit einer drei bis vier Meter dicken Schneeschicht aus dem Winter. Dann folgten aber sehr warme und sonnige Frühlings-und Sommermonate, und die Gletscher schmolzen stark."

Winterschnee müsste erhalten bleiben

Das Eis der Pasterze am Großglockner verlor in den vergangenen zwölf Monaten im Bereich der Gletscherzunge rund neun Meter an Durchmesser. Selbst oberhalb des bekannten Hufeisenbruches, in einer Region über 3.000 Meter Seehöhe, verlor die Eisschicht der Pasterze bis zu zwei Meter.

Ö1 Sendungshinweis

Über dieses Thema berichten auch die "Ö1-Journale", Donnerstag, 4.10.2012.

In der Sonnblickregion verlor das Goldbergkees fast zwei Meter Eis, das Kleinfleißkees rund eineinhalb Meter. Zum Vergleich: Im Mittel lagen die Schmelzwerte in den vergangenen Jahrzehnten bei 70 Zentimeter. Diese beiden Gletscher, wie viele andere in Österreich, aperten den zweiten Sommer in Folge vollständig aus. Das heißt, dass der gesamte Altschnee des Winters verschwunden war. Damit ein Gletscher längerfristig seine Masse erhält, sollte sich auf etwa 60 Prozent seiner Fläche der Winterschnee über den ganzen Sommer halten.

Hauptursache Sonneneinstrahlung

Hauptverantwortlich für das Schmelzen der Gletscher ist die Sonnenstrahlung. Die hohe Lufttemperatur wirkt vor allem indirekt. Denn in durchgehend zu warmen Sommern wie 2012 verschiebt sich die Schneefallgrenze weit nach oben, und selbst auf den 3.000ern regnet es. Eine Neuschneedecke wäre dagegen ein sehr effektiver Schutz des Gletschers, da sie 90 Prozent des Sonnenlichts reflektiert und somit weniger Strahlungsenergie das Gletschereis erreicht.

Eine ausgeglichene Massenbilanz der heimischen Gletscher, also eine gleichbleibende Gletscherdicke, ist seit den 80er-Jahren selten geworden. Die letzte leicht positive Massenänderung an einigen Gletschern gab es im Jahr 2004.

science.ORF.at/APA

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