
Schleimhaut "schmeckt" Schnupfenkeime
In Nase und Rachen eingedrungene Bakterien geben demnach spezifische, von diesen Sensoren registrierte Chemikalien ab. Diese lösen daraufhin die Abwehrreaktion der Schleimhäute aus: Schleim und antibakterielle Substanzen werden abgesondert - und die feinen Härchen der Atemwege transportieren die darin eingehüllten Bakterien ab.
Funktioniert dieser Bittersensor nicht richtig, wie bei einigen Menschen der Fall, dann bleibt diese Reaktion aus oder ist abgeschwächt. Diese auf Genvarianten beruhenden Unterschiede könnten erklären, warum manche Menschen anfälliger für Erkältungen seien als andere, berichten die Forscher.
Die Studie:
"T2R38 taste receptor polymorphisms underlie susceptibility to upper respiratory infection" ist im "Journal of Clinical Investigation" erschienen (doi:10.1172/JCI64240).
Abwehrreaktionen
Über die Atemluft gelangen ständig Fremdkörper und auch Krankheitserreger in unsere Atemwege. In den meisten Fällen jedoch reiche die erste Abwehrreaktion der Schleimhäute bereits aus, um solche Eindringlinge zu beseitigen, erklären Robert Lee von der University of Pennsylvania und seine Kollegen.
Welche Signale aber die Produktion von Schleim und antibakteriellen Substanzen auslösen, sei bisher unbekannt gewesen. Frühere Studien hätten gezeigt, dass ein bestimmter Sensor für bitteren Geschmack in den Schleimhäuten der oberen Atemwege besonders häufig vorkomme.
Geschmackstest
Auf welche Stoffe dieser aber reagiere und ob er möglicherweise eine Rolle für die Erkennung von Eindringlingen spiele, habe man erst jetzt geklärt. Nach Ansicht der Forscher könnte der neu entdeckte Zusammenhang auch einen ganz praktischen medizinischen Nutzen haben: Denn man könne sehr einfach durch einen Geschmackstest herausfinden, ob ein Mensch voll funktionsfähige Bittersensoren besitze oder nicht.
"Das Ergebnis dieses Tests könnte dann anzeigen, ob dieser Patient besonders anfällig für bakterielle Atemwegsinfektionen ist und daher eine stärkere Therapie benötigt als andere", schreiben die Wissenschafter.
science.ORF.at/APA/sda


