
Ein Sombrero aus Gestein
Hochebene hebt sich
Die Studie in "Science":
""Sombrero Uplift Above the Altiplano-Puna Magma Body: Evidence of a Ballooning Mid-Crustal Diapir" von Y. Fialko et al., erschienen am 12. Oktober 2012.
An der Grenze zwischen Argentinien, Bolivien und Chile, zwischen den West- und Ostanden liegt der Altiplano, eine abflusslose Hochebene. Seine durchschnittliche Seehöhe beträgt 3.600 Meter, und er umfasst eine Fläche von ca. 170.000 Quadratkilometern. Unter dem Hochplateau befindet sich der größte aktive Magmakörper der gesamten kontinentalen Erdkruste. Dieser liegt in einer Tiefe von 17 bis 19 Kilometern. Er ist ca. einen Kilometer dick und etwa 100 Kilometer breit.

Satellitenaufnahmen zeigen, dass der über der Magmamasse liegende Teil des Altiplano seit Jahren zwar wenig, aber stetig wächst, nämlich ungefähr einen Zentimeter pro Jahr. Was die Hebung verursacht, war bisher nicht klar.
Sombrero-Erhebung
Für ihre aktuelle Untersuchung haben die Forscher um Yuri Fialko von der University of California in San Diego Radardaten sowie die Aufzeichnungen dreier verschiedener Satelliten verwendet, um das Phänomen von mehreren Seiten zu beleuchten. Dabei stellten sie fest, dass sich die Erde seit zwei Jahrzehnten in konstantem Tempo hebt. Den Geologen zufolge ist das sehr ungewöhnlich. In anderen vulkanischen Gebieten erfolge das Wachstum weitaus weniger stetig, nämlich in der Regel schubweise.
Was bisherigen Beobachtungen entgangen war: Der Bereich rund um die Erhebung sinkt ebenso stetig. Vermutlich erfasst das flüssige Magma Teile des umgebenden Gesteins und bringt es zum Schmelzen, was zum Absacken der Umgebung führt. Dabei entsteht laut den Forschern die Form eines typischen spanischen Huts, eines Sombreros: breite Krempe und spitz zulaufend in der Mitte.
Riesige Magmablase
Ursache für die stetige sombreroartige Verformung der Erdkruste ist den Forschern zufolge eine riesige Blase in der Mitte des Magmas, die langsam Richtung Oberfläche drängt - wie in einer überdimensionale Lavalampe. Gefüllt ist die Blase mit heißem Material von geringer Viskosität. In der Geologie nennt man solche aufsteigenden Körper, die eine geringere Dichte als das sie umgebende Material besitzen, Diapire. Mit der vorliegenden Studie habe man das erste Mal einen noch aktiven Magma-Diapir identifizieren können.
Laut Fialko könnte die hutförmige Deformation Einsichten in die Entstehung von Supervulkanen liefern, die sich durch besonders große Magmakammern auszeichnen und bei Ausbrüchen riesige Einbruchskessel, Calderen, hinterlassen.
Für Benjamin A. Brook von der Universität Hawaii bieten die Studienergebnisse dennoch keinen Anlass zur Sorge, wie er in einem Begleitkommentar schreibt. Eine nach oben drängende magmatische Blase klinge zwar bedrohlich, es deute allerdings nichts auf einen bevorstehenden Ausbruch. Der angrenzende Vulkan Uturuncu sei seit 270.000 Jahren nicht mehr ausgebrochen, und aktuelle Messungen zeigen kein hoch liegendes Magma. Möglicherweise wird die aufsteigende Magmablase die Oberfläche niemals erreichen.
Eva Obermüller, science.ORF.at


