
Tuberkulosebekämpfung "am Scheideweg"
"Wir stehen jetzt am Scheideweg zwischen der Eliminierung der Tuberkulose noch zu unseren Lebzeiten und Millionen neuer Toter", sagte WHO-Experte Mario Raviglione gestern in Washington. Zur erfolgreichen Bekämpfung der Krankheit fehlten allerdings noch mehrere Milliarden Dollar.
Weniger Neuerkrankungen
Im vergangenen Jahr seien weltweit 8,7 Millionen Menschen an der Tuberkulose (TB) neu erkrankt, heißt es im aktuellen Welttuberkulose-Bericht der WHO. Das seien deutlich weniger als noch vor wenigen Jahren, die Infektionskrankheit sei aber nach wie vor eine "enorme globale Bürde". Im gleichen Zeitraum starben den Angaben zufolge 1,4 Millionen Menschen an der Tuberkulose.
Die weltweite Vorsorge und Behandlung habe Millionen Menschen das Leben gerettet. "In den vergangenen 17 Jahren wurden 51 Millionen Menschen nach den WHO-Maßstäben versorgt. Ohne diese Behandlung wären 20 Millionen von ihnen gestorben", sagte Raviglione. Dieser Meilenstein spiegle das Engagement der Regierungen im Kampf gegen Tuberkulose wieder.
Fehlendes Geld
Ö1 Sendungshinweis:
Über den WHO-Bericht berichtet auch Wissen Aktuell am 18.10. um 13:55.
Raviglione mahnte jedoch auch, dass die Gelegenheit, die Krankheit zu besiegen, in Gefahr sei. Für die Forschung und die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien fehlen den Angaben zufolge 1,4 Milliarden Dollar (etwa 1,08 Milliarden Euro). Zudem seien allein für die nächsten drei Jahre weitere drei Milliarden Dollar (etwa 2,3 Milliarden Euro) für die TB-Programme der WHO nötig.
Bei der Bekämpfung der Krankheit melden die Wissenschaftler Erfolge in allen Regionen der Erde. Allerdings seien Afrika und auch einige europäische Regionen noch nicht dabei, das Ziel zu erreichen, die Sterberate bis 2015 zu halbieren. Auch die Erfassung neuer Fälle sei oft noch lückenhaft. Dafür hätten einige Länder enorme Erfolge erzielt. In Kambodscha sei etwa die Zahl der Erkrankten innerhalb des letzten Jahrzehnts um 45 Prozent gesunken.
Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. So kann etwa das Husten eines Erkrankten andere Menschen anstecken. Die auch Schwindsucht genannte Krankheit befällt vor allem die Lungen.
science.ORF.at/dpa


