
Tödlich heißer Ozean am Äquator
Zum Vergleich: Die heutige Oberflächentemperatur der Meere am Äquator liegt im Jahresschnitt zwischen 25 und 30 Grad Celsius.
Die Studie:
"Lethally Hot Temperatures During the Early Triassic Greenhouse" von Yadong Sun und Kollegen ist am 18.10. in "Science" erschienen.
Diese hohen Temperaturen machten ein Überleben in den niedrigen Breiten zwischen 30 Grad nördlicher und 40 Grad südlicher Breite für nahezu alle Meerestiere unmöglich, wie ein internationales Forscherteam nachweisen konnte. Darunter befindet sich auch der Chinese Yanlong Chen, der gerade Dissertant am Institut für Erdwissenschaften an der Universität Graz ist.
Auswirkungen zu Wasser und zu Land
Ausgelöst wurde das Massensterben im frühen Trias, also vor 252 bis 247 Millionen Jahren, durch verheerende Vulkanausbrüche und flächendeckende Waldbrände, wie Forscher in einer früheren Studie berichteten. Erde und Ozeane erwärmten sich, der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre sank dramatisch, ebenso jener der Meere, die zudem versauerten.
Die Folgen dieser unwirtlichen Bedingungen für das Leben in den Ozeanen waren mannigfaltig, wie nun Chen und seine Kollegen berichten: Es bildeten sich Wüsten von Kalkalgen, verschiedene Arten wanderten in höhere Breiten ab, andere reduzierten ihre Körpergröße, die meisten starben aus.
Der Temperaturanstieg hatte aber nicht nur Auswirkungen auf die Ozeane: Es kam auch zu einem deutlichen Rückgang von Landtieren und -pflanzen, was den Mangel an Kohleablagerungen in der Frühen Trias erklären kann, heißt es in "Science".
Sauerstoff in Fossilien gemessen
"Die absoluten Temperaturmessungen basieren auf Messungen der Sauerstoffisotope an Fossilien", erklärte Yanlong Chen. Konkret handelt es sich um Conodonten, die zahnähnlichen Überbleibsel fischartiger Tiere des Erdmittelalters, die aus dem Nanpanjiang Becken in Südchina, stammen.

Zur Erklärung: Im Laufe des Lebens nimmt jeder Organismus kontinuierlich leichtere und schwerere Arten von Sauerstoff auf (Isotope O16 und O18). In Kaltzeiten wird die leichtere Variante allerdings in den entstehenden Eismassen eingelagert. Dadurch entsteht ein relativer Überschuss der schwereren Isotope im Meerwasser und die Organismen bauen diese vermehrt ein. Aufgrund der Verhältnisse der Sauerstoffarten in den Fossilien kann daher auf die damaligen Temperaturen geschlossen werden.
Lektionen für die Gegenwart
Dass eine globale Erwärmung in den unterschiedlichsten erdgeschichtlichen Perioden eine indirekte Auswirkung auf Massensterben hatte, war bereits bekannt. Die neuen Ergebnisse zeigen aber, dass "extreme Temperaturen direkt mit dem Aussterben und die anschließende Regenerationsphase von Arten an der Perm/Trias Grenze zusammenhängen können", schreiben die Wissenschaftler.
Und das könne auch Einsichten für die aktuelle Erd- und Ozeanerwärmung liefern, hält ein Begleitartikel in "Science" fest. "Vor allem die Auswirkungen steigender Wassertemperaturen, reduziertem Sauerstoffgehalt und Versäuerung auf verschiedene Meeresbewohner können besser verstanden werden", heißt es. In Zukunft solle u.a. erforscht werden, welche Regionen sich bei den extremen Wassertemperaturen besser geschlagen haben als andere - und damit als Lektion für die Gegenwart dienen.
science.ORF.at/APA
Mehr zu dem Thema:


