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Aufnahme von Plastikabfall am arktischen Tiefsee-Observatorium Hausgarten in der Framstraße

Arktische Tiefsee wird zum Mistplatz

Nicht nur flachere Meere sind immer mehr von Plastikabfall betroffen. Selbst am Boden der arktischen Tiefsee sammeln sich immer mehr Plastikteile, wie deutsche Forscher nun entdeckt haben. Sie vermuten einen Zusammenhang mit dem Rückgang des Meereises.

Ökologie 22.10.2012

Die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven haben Unterwasserfotos beim Tiefsee-Observatorium "Hausgarten" gemacht.

2002 konnten sie auf rund einem Prozent der Aufnahmen Müllreste sehen, 2011 entdeckten sie bereits auf rund zwei Prozent der Bilder Abfall. "Der Arktische Ozean und vor allem seine Tiefseegebiete galten lange Zeit als entlegene, nahezu unberührte Regionen der Erde", berichten die Forscher. Gerade vor diesem Hintergrund sei der beobachtete Anstieg bedenklich.

Die Studie:

"Increase of litter at the Arctic deep-sea observatory HAUSGARTEN" von Melanie Bergmann und Michael Klages ist am 17.10. im "Marine Pollution Bulletin" erschienen.

Grafische Darstellung des Tiefsee-Kamerasystems

Grafische Darstellung des Tiefseekamerasystems

Kamera in 2.500 Meter Tiefe

Das Müllaufkommen rund um das AWI-Tiefseeobservatorium in der östlichen Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen ähnle somit inzwischen den Mengen, die in Tiefseegräben vor der portugiesischen Hauptstadt Lissabon gefunden wurden, teilte die AWI-Biologin Melanie Bergmann am Montag in Bremerhaven mit.

Bergmann wertete rund 2.100 Fotos vom Meeresboden rund um das Tiefseeobservatorium aus. Ein ferngesteuertes Kamerasystem schwebte in 2.500 Meter Wassertiefe etwa 1,5 Meter über dem Meeresgrund und machte Aufnahmen vom Boden.

Die Bilder sollten eigentlich Veränderungen in der Artenvielfalt von Tiefseebewohnern wie Seegurken, Seelilien und Garnelen dokumentieren. Die Fotos lieferten aber auch Belege für die zunehmende Verschmutzung der Tiefsee.

Mehr Schiffe, mehr Müll

Die Herkunft des Mülls ist mit Hilfe der Fotos zwar nicht zu bestimmen, nach Bergmanns Überzeugung spielt aber der Rückgang des Eises eine Rolle. "Die arktische Meereisdecke wirkt normalerweise wie eine Barriere." Seit die Eisdecke regelmäßig schrumpfe, habe der Schiffsverkehr stark zugenommen. "Wir beobachten inzwischen dreimal mehr Privatjachten und bis zu 36-mal mehr Fischereischiffe in dieser Region als noch vor dem Jahr 2007."

Die Entwicklungen können den Lebewesen der Tiefsee gefährlich werden, schreiben die Forscher. Plastikabfall könne Tiere verletzten, giftig wirken und sogar die Artenzusammensetzung verändern.

Bergmann und ihre Kollegen wollen ihre Arbeiten zum Thema jetzt ausweiten. Sie wollen prüfen, wie groß die Belastung des arktischen Meeres mit Mikroplastikpartikeln ist. Diese entstehen, wenn Plastikmüll unter dem Einfluss von UV-Licht und Wellen in winzige Teile zerlegt wird.

science.ORF.at/dpa

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