Standort: science.ORF.at / Meldung: "Singen ist Beziehungsarbeit "

Zaunkönig Pheugopedius felix sitzt auf einem Ast

Singen ist Beziehungsarbeit

Mexikanische Zaunkönigspärchen singen im Duett. Die Weibchen wählen dabei aus ihrem Repertoire jeweils jene Phrasen, die zum Gesang ihres Gatten passen, berichten britische Biologen.

Zaunkönige 24.10.2012

Außerdem stimmen sie ihr Gezwitscher auch zeitlich mit dem Partner ab. Fängt ein zweites Weibchen an zu singen, zwitschern die Vogelfrauen weiter ihre Liebeshymne - und fallen der Konkurrentin quasi ins Wort.

Die Forscher um Christopher Templeton von der britischen St. Andrews Universität glauben, dass die Weibchen ihrem Partnern so signalisieren wollen, dass sie zu ihrer Beziehung stehen.

Eingespielter Dialog

Die Studie

"Female happy wrens select songs to cooperate with their mates rather than confront intruders", Biology Letters (doi: 10.1098/rsbl.2012.0863).

Templeton untersuchte Pärchen einer mexikanischen Zaunkönigsart (Pheugopedius felix) in ihrer natürlichen Umgebung nahe einer Forschungsstation an der mexikanischen Pazifikküste. Bei zehn Pärchen nahm er den Gesang auf, der sich aus schnell abwechselnden Frage-Antwort-Sequenzen der Partner zusammensetzte. Dabei schienen bestimmte Phrasen aus ihrem Repertoire aus etwa 40 Lauten immer wieder die gleichen Antworten hervorzurufen.

Nachdem Templeton die Männchen gezielt gefangen und für die Nacht in der Station verwahrt hatte, spielte er den Weibchen mit je zwei Lautsprechern abwechselnd Gesänge vor. Darin war jeweils entweder der weibliche oder der männliche Teil entfernt worden.

Nebenbuhlerinnen übertönt

Die Reaktion war eindeutig: Die Weibchen reagierten auf die männlichen Rufe und fast alle komplettierten die Duette mit den jeweils passenden Antwortstücken. Auf die weiblichen Gesänge reagierten sie dagegen gereizt und zeigten leichte Aggression: Sie flogen näher zu dem entsprechenden Lautsprecher und sangen so, dass sie die vorgespielten Rufe zum Teil überdeckten. Sie ließen sich von der Konkurrentin auch nicht dazu verleiten, ihren Ruftyp nachzuahmen, sondern blieben bei den Strophen, die normalerweise in die Gesangspausen ihres Partners passen.

Weil die Weibchen bei ihrer eigenen Liebes-Hymne blieben und die Rivalin nicht mit x-beliebigen Lauten störten, gehen die Forscher davon aus, dass dieses Verhalten weniger mit Abgrenzung zu möglichen Konkurrentinnen zu tun hat, als vielmehr mit der Paarbindung.

science.ORF.at/dpa

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