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Mann im Liegestuhl (von hinten) sonnt sich

Menschen mögen es warm

Veränderte Umweltbedingungen waren nicht selten Auslöser historischer Wanderbewegungen. Dass das Klima bei Umzugsplänen auch heute noch eine Rolle spielt, zeigt die Bevölkerungsentwicklung in den USA. Die Amerikaner zieht es vor allem in warme und trockene Regionen.

Demographie 25.10.2012

Klimaflucht

Ungünstige klimatische Bedingungen haben unser Vorfahren häufig veranlasst, ihren angestammten Wohnraum zu verlassen. Sank die Fruchtbarkeit eines Landstrichs, beispielsweise durch große Dürre oder zu hohe Feuchtigkeit, erwies sich Abwanderung als sinnvolle Überlebensstrategie.

Einiges spricht dafür, dass uns größere Wanderungen aus ähnlichen Gründen bevorstehen könnten. Nämlich dann, wenn der von vielen Forschern prognostizierte Klimawandel die Lebensumstände nachhaltig beeinträchtigt und so immer mehr Menschen zwingt, ihre Heimat zu verlassen. Wie viele Umwelt- oder Klimaflüchtlinge sich in nächster Zukunft auf den Weg machen werden, ist umstritten.

Komfortzone

Etwas andere Gesetze gelten offenbar in zivilisierten Wohlstandsgesellschaften. Auch hier spielt das Klima bzw. das Wetter bei einer Ortsveränderung eine wichtige Rolle, aber unter anderen Gesichtspunkten, wie die aktuelle Arbeit der Forscher um Jason Samson von der kanadischen McGill University zeigt. Sie haben Bevölkerungs- und Wetterdaten von 1900 bis 2000 aus knapp 3.000 US-amerikanischen Bezirken analysiert.

Dabei zeigte sich eine deutliche Verschiebung bei der Bevölkerungsdichte, nämlich weg aus kühleren Regionen mit wechselnden Jahreszeiten in jene Gegenden, die das ganze Jahr über trocken und warm sind. Laut den Forschern sei das Wetter die Hauptursache für das regionale Bevölkerungswachstum bzw. den -schwund.

Einkommen, Urbanisierung und Lebensmittelproduktion hätten einen weitaus geringeren Einfluss. Der persönliche Komfort in Form von Wärme und wenigen Niederschlägen ist offensichtlich das Hauptkriterium für den Wohnort - zumindest sobald die Grundversorgung wie im Fall der USA überregional gewährleistet ist. Ob eine Gegend landwirtschaftlich nutzbar ist, ist den meisten US-Amerikanern vermutlich herzlich egal.

So leben heute immer mehr Einwohner im warmen südlichen Gürtel, der sich von Kalifornien bis Florida erstreckt, mit Städten wie San Diego und Austin, letztere zählt zu den am schnellsten wachsenden Städten in den USA. Das führt dazu, dass der durchschnittliche Einwohner heute in einer trockeneren Region wohnt als vor hundert Jahren, die durchschnittliche von ihm erfahrene Temperatur ist um ganze 1,5 Grad Celsius wärmer als damals. Besonders ausgeprägt sei der Trend in Richtung Wärme in den letzten dreißig Jahren.

Schädlicher Trend

Wie die Forscher betonen, ist diese Entwicklung nicht unbedingt günstig. Auch wenn es sich heute für die meisten noch komfortabel anfühlen mag, langfristig könnte sie auch das menschliche Wohlbefinden beeinträchtigen.

Denn diese Lebensform ist nicht nur teuer, sie kann auch negative Folgen für die Umwelt haben, etwa im Bereich der Wasserversorgung oder beim Energieverbrauch, der durch die vielen Klimaanlagen stark steigt. Angesichts des globalen Klimawandels empfehlen die Forscher, politische Maßnahmen zu ergreifen, um diese Wanderbewegung in Richtung Wärme aufzuhalten.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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