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Österreichs Flagge vor blauem Himmel

Tag ohne Strahlkraft

Dass die Erklärung der immerwährenden Neutralität zum Datum des Nationalfeiertags bestimmt wurde, war einem politischen Kompromiss geschuldet, wie die Zeithistorikerin Heidemarie Uhl betont. In einem Gastbeitrag beschreibt sie historische Stolpersteine der österreichischen Gedenkkultur.

Nationalfeiertag 25.10.2012

Suche nach einem Bezugspunkt

Von Heidemarie Uhl

Der österreichische Nationalfeiertag hat in den letzten Jahrzehnten kaum für Aufregung gesorgt. Die mangelnde Strahlkraft dieses Tages ist allerdings kein Zufall: Bei der Beschlussfassung im Jahr 1965 wurde ein historischer Bezugspunkt gesucht, der möglichst wenig innen- bzw. außenpolitisches Konfliktpotential besaß. Aus diesen Gründen erwiesen sich der 12. November 1918, der Tag der Republiksgründung, der vor allem von der SPÖ favorisiert wurde, der 27. April 1945, an dem die provisorische Regierung kurz vor Kriegsende die Wiedererrichtung des österreichischen Staates proklamiert hatte, und die Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 als wenig geeignet.

Über die Autorin:

Heidemarie Uhl

Heidemarie Uhl ist Historikerin am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Links:

Demokratiezentrum Wien - Österreichischer Nationalfeiertag
Wikipedia - Nationalfeiertag

Der 26. Oktober war ein Kompromiss, auf den sich alle drei Parteien einigen konnten: Im Oktober 1965 beschloss der österreichische Nationalrat einstimmig, dass der Tag, an dem Österreich 1955 seine immerwährende Neutralität erklärt hatte, zukünftig als Nationalfeiertag begangen werden sollte. Erst zwei Jahre später wurde dieser Tag zum arbeitsfreien gesetzlichen Feiertag erklärt, der Beschluss erfolgte allerdings nur mit den Stimmen von ÖVP und SPÖ. Die FPÖ revidierte ihr Bekenntnis zum Nationalfeiertag.

Parteiobmann Friedrich Peter erklärte, dass die freiheitliche Fraktion zwar einen Staatsfeiertag begrüße, nicht aber einen "sogenannten österreichischen Nationalfeiertag", "der nichts anderes als eine Abkehr von der historischen Wahrheit darstellt. Aus diesem Grunde sagt die freiheitliche Fraktion zum österreichischen Nationalfeiertag nein." Mitte der 1960er Jahre waren deutschnationale Überzeugungen offenkundig noch weit verbreitet, darauf mag auch der späte Entschluss für die Einrichtung eines Nationalfeiertags zurückzuführen sein – Österreich war Mitte der 1960er Jahre einer der letzten europäischen Staaten ohne einen solchen nationalen Feiertag.

Fit-Märsche und militärische Leistungsschau

Die Konflikte um den Beschluss des Nationalfeiertags sind mittlerweile dem Vergessen anheimgefallen, ebenso der Kampf um die Durchsetzung der österreichischen Identität, der bis in die frühen 1980er Jahre ein Leitmotiv der politischen Kultur war. Österreich zählt mittlerweile, wie Umfragen zeigen, international zu den Ländern mit den höchsten Patriotismus-Werten.

Die Frage, wie man dem Nationalfeiertag – ein "Tag ohne Herz", wie die Kleine Zeitung 1971 schrieb – Leben einhauchen könnte, wurde seither immer wieder diskutiert. 1971 rief Bundespräsident Jonas zur Teilnahme an offiziell organisierten Fit-Märschen auf, die rasch Popularität erlangten, aber auch für mokante Bemerkungen sorgten. Gustav Spann resümiere 1996, angesichts des mittlerweile stabilen österreichischen Nationalbewusstseins sei der 26. Oktober "ein gelassen begangener Festtag, der nicht mehr des überzogenen Pathos und nationalistischer Selbstüberhöhung bedarf".

In den letzten Jahren hat das Österreichische Bundesheer mit seiner Leistungsschau den Heldenplatz und damit auch den Nationalfeiertag erfolgreich symbolisch besetzt. Hundertausende BesucherInnen – am Nationalfeiertag 2011 waren es laut Angaben des Bundesheeres 650.000 – verleihen dieser Heeresschau Volksfestcharakter. Der eigentliche Staatsakt – die Kranzniederlegung von Bundespräsident und Bundesregierung in der Krypta und im Weiheraum des österreichischen Heldendenkmals – wird dabei kaum noch wahrgenommen.

Naziparolen im Heldendenkmal

Die Beschaulichkeit des 26. Oktober hat allerdings mit dem Fund einer Kapsel mit Naziparolen in der Skulptur des Gefallenen Kriegers – dem zentralen Objekt des 1934 geweihten Österreichischen Heldendenkmals – ein jähes Ende gefunden. Was der Bildhauer Wilhelm Frass nach dem "Anschluss" 1938 im "Völkischen Beobachter" kundgetan hatte, hat sich bei der Öffnung der Skulptur im Juli 2012 bewahrheitet: Frass hatte darin ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus verborgen und damit seinen Auftrag, einen Ort für die Festigung der ständestaatlichen Österreich-Ideologie zu schaffen, ins Gegenteil verkehrt.

Nicht nur die Politiker des Ständestaates hatten – zur Belustigung des Bildhauers – vor der Figur, in der sich ein verstecktes NS-Manifest befand, Kränze niedergelegt, auch bei den Nationalfeiertagen der Zweiten Republik zählte die Kranzniederlegung am Denkmal des Gefallenen Kriegers bislang zum offiziellen Zeremoniell.

Wie kann dieser Ort weiterhin in die offiziellen Feierlichkeiten des Nationalfeiertags einbezogen werden? Die Frass-Skulptur ist durch die nationalsozialistische Zuschreibung des Künstlers jedenfalls nachhaltig kontaminiert. Das veränderte Programm für den 26. Oktober 2012 trägt dem Rechnung: Die Kränze von Bundespräsident und Bundesregierung erweisen nicht mehr dem Gefallenen Krieger die Ehre, sondern werden vor der Gedenktafel für die "im Dienst und Einsatz verunglückten, verstorbenen und gefallenen Soldaten" des 1955 begründeten Österreichischen Bundesheeres niedergelegt.

Vernichtungskrieg: Wie gedenkt man Gefallener?

Das Heldendenkmal mit seinen beiden Gedenkstätten – dem Weiheraum für die Opfer des Nationalsozialismus und der Krypta für die militärischen Opfer beider Weltkriege und die Angehörigen des 1955 begründeten Bundesheeres – ist von einem kaum bekannten Gedächtnisort zum Symbol für die Herausforderungen gegenwärtiger Erinnerungskultur geworden.

Damit rückt eine Frage ins Zentrum, die bislang weitgehend ausgeblendet war: Wie der gefallenen Österreicher in der Deutschen Wehrmacht gedenken vor dem Hintergrund der Involvierung der Wehrmacht in Holocaust und Vernichtungskrieg? Auf diese Frage gibt es keine einfachen Antworten und sie kann nicht auf den Heldenplatz reduziert werden, damit ist auch das alljährliche Totengedenken an den Kriegerdenkmälern, ja selbst die Familienerinnerung konfrontiert.

Insofern betrifft die nunmehr begonnene Neugestaltung des Heldendenkmals nicht nur die staatlich-militärische Gedenkkultur, sondern die österreichische Gesellschaft, die nun einen neuen Zugang zum Gefallenengedenken ausverhandeln muss. Womöglich ist dies der Anstoß zu jenem "Prozess nachholender Trauerarbeit", der gerade durch die "falsche Trauer" (Helmut Dahmer) des Heldenpathos, das das Gefallenengedenken in der Nachkriegszeit geprägt hat, nicht ermöglicht wurde.

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Forum

 
  • noch zur "immerwährenden" neutralität :

    archetype, vor 207 Tagen, 12 Stunden, 43 Minuten

    der passus "immerwährend" wurde uns von den russen aufgezwungen.
    durch diesen passus ist der vertrag a priori SITTENWIDRIG und war daher NIE GÜLTIG !

    da es nicht sein kann, dass eine generation über die folgenden 1000 oder 10.000 generationen bestimmen kann !
    diese anmassung ist sittenwidrig.
    da kommende generationen es möglicherweise anders wollen.

    besonders erheiternd ist daher, wenn grenzdebile politiker über eine mögliche neutralitäts-"verletzung" faseln.
    wir waren nie neutral !

    mfg. h.t.

    • p.s. : ist auch an belämmerte "juristen" gerichtet.

      archetype, vor 207 Tagen, 10 Stunden, 52 Minuten

      wie z.b. den obersten deutschen vefassungsrichter in karlsruhe.
      der nicht fähig ist, eine zahl vom blatt zu lesen.

      oder die sogenannten völkerrechtler.
      die den zwerg-"staat" vatikan völkerrechtlich anerkennen.
      ihn für exterritorial erklären.
      und somit botschafter und diplomaten ermöglichen.
      wie z.b. den apostolischen nuntius (in stöckelschuhen).

      über den stellenwert dieser "botschafter" ist u.a. hier nachzulesen :
      http://derstandard.at/1317018622709

      mfg. h.t.