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Nachdenkliche Frau

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Wie man aus Fehlern lernt

Nicht für Triumphe des Lebens braucht es ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl - sondern für Niederlagen. Eine Studie zeigt: Wer sich auf seine positiven Eigenschaften besinnt, wird durch Fehler gestärkt.

Psychologie 29.10.2012

"Self-Affirmation" heißt eine Theorie, die der US-amerikanische Psychologe Claude Mason Steele in den 80er Jahren vorgestellt hat. Sie geht davon aus, dass Menschen die Integrität ihres Selbstwerts aufrechterhalten, obwohl dieser von widrigen Einflüssen wie Stress und Ängsten bedroht wird. Gelingt ihnen das, reagieren sie auch gelassener bei offensichtlichen Fehlern - und bewahren sich die Offenheit, daraus zu lernen.

Welcher Mechanismus dahintersteht, war bislang unklar. Lisa Legault von der Clarkson University hat nun mit zwei Kollegen Licht in die Sache gebracht. Sie teilte Probanden in zwei Gruppen und befragte sie nach deren Werten und Überzeugungen. Aufgabe war, ästhetische, soziale, politische, religiöse und ökonomische Werte von wichtig bis unwichtig zu reihen.

Experiment: Tastendrücken mit Kommentar

Danach hatten die Mitglieder von Gruppe eins fünf Minuten Zeit, um ihre Entscheidung für den aus ihrer Ansicht wichtigsten Wert schriftlich zu begründen. Die zweite Gruppe musste hingegen begründen, warum der am höchsten gereihte Wert dennoch unwichtig sein könnte. Ersteres sollte den Prozess der Selbstaffirmation in Gang setzen, letzteres sollte ihn hemmen - was sich im nächsten Experiment auch bestätigte: Da mussten die Probanden auf Buchstabenkombinationen auf einem Bildschirm durch Drücken einer Taste reagieren. Bei Fehlern gab es negatives Feedback durch ein Kommentar des Studienleiters: "Falsch!"

Wie Legault im Fachblatt "Psychological Science" schreibt, schnitten die Probanden mit gestärktem Selbstwert besser ab, sie drückten messbar seltener die Taste zum falschen Zeitpunkt. EEG-Analysen wiesen außerdem nach: Die überlegene Performanz spiegelt sich auch in den Hirnströmen.

Korrektursignal im Gehirn

Neurobiologen wissen bereits länger, das das Gehirn auf offensichtliche Fehlleistung mit einem Signal in der Hirnrinde reagiert. Es heißt "Error-Related Negativity", kurz ERN, und zeigte sich auch bei Legaults Experimenten. Die Mitglieder der Gruppe eins hatten ihr zufolge ein stärker ausgeprägtes ERN - was darauf hinweist, dass sie für Fehler empfänglicher waren und dadurch ihr Verhalten wirksamer korrigieren konnten.

"Durch Fehler ausgelöster Stress kann auch etwas Gutes sein", sagt Legault. Nachdem der Mechanismus der Selbstaffirmation geklärt sei, böte sie sich umso mehr für den Einsatz in der Praxis an - etwa in Schulen oder für Sozialarbeiter.

science.ORF.at

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