
Monster sind auch nur Menschen
"Dungeons & Dragons" gehört zu den ältesten und beliebtesten Rollenspielen, sowohl in der analogen Version auf dem Spielbrett als auch in diversen Computer- und Online-Varianten. Einer der Millionen Spieler weltweit ist Julian Levy, der heute 14 Jahre alt ist und die Lord Byng Secondary School im kanadischen Vancouver besucht.
Die Studie:
"Monsters are people too" von Alan Kingstone und Kollegen ist am 31.10. in den "Biology Letters" erschienen.
Vor zwei Jahren traf sich seine Vorliebe mit dem Forschungsinteresse seines Vaters, des Kognitionspsychologen Alan Kingstone von der University of British Columbia. Dieser untersucht nebst anderem die Frage, woher die bei Menschen und Tieren vorhandene Orientierung an den Augen anderer kommt. Sein Sohn animierte ihn zu einem besonderen Experiment, dessen Resultate nun in einer Studie erschienen sind.
Zwei Erklärungsvarianten
"Der Mensch, aber auch Affen, Delfine, Vögel oder Hunde folgen automatisch dem Blick ihres Gegenübers", schreibt Kingstone darin gemeinsam mit seinem Kollegen Tom Foulsham von der Universität Essex. Der Blick auf die Augen liefere wichtige Informationen über das Gegenüber und dessen Umgebung.
Woran das Gehirn erkennt, wohin es dabei schauen muss, war bisher unklar. Eine Erklärung ist, dass wir einen Schaltkreis in einer bestimmten Gehirnregion besitzen (im Sulcus temporalis superior), der darauf spezialisiert ist, Augen zu erkennen.
Die Variante zwei besteht darin, dass unser Zentrum für die Gesichtserkennung (fusiformes Gesichtsareal) unseren Blick automatisch in die Mitte eines Kopfes lenkt - dort, wo bei den meisten Tieren und dem Menschen die Augen sitzen.
Immer in die Augen

Um zu klären, welche der beiden Möglichkeiten wahrscheinlicher ist, haben die Forscher nun Studienteilnehmer eine Reihe von Bildern vorgelegt: von Menschen, von menschenähnlichen Figuren und von Monstern aus dem Fantasy-Spiel, die ihre Augen nicht im Gesicht, sondern an den Armen haben (siehe Bild oben).
Mithilfe von Eyetracking verfolgten sie dabei ihre Blickbewegungen. Das Ergebnis: Bei allen Bildern richteten sich die Blicke zuerst in die Bildmitte, danach aber direkt zu den Augen - und zwar gleichgültig, wo diese saßen.
Dies zeige, dass nicht die Position der Augen im Gesicht entscheidend sei, sondern dass unser Gehirn die Augen an sich bei einem Gegenüber erkenne und gezielt anvisiere, schreiben die Forscher. Und das spricht für die erste Erklärungsvariante: ein auf Augen spezialisierter neuronaler Schaltkreis.
Bedeutung für Autismus
Diese Erkenntnis könnte vielleicht auch erklären, warum Menschen mit Autismus anderen oft nicht in die Augen blicken, meinen die Forscher. Möglicherweise sei bei ihnen der Schaltkreis gestört, mit dem die Augen erkannt werden. Als Folge falle es ihnen schwer, den Blick ihres Gegenübers zu erwidern.
Dieses Problem dürfte Julian Levy nicht haben. Die Ehre hingegen, als einer der jüngsten Autoren einer Studie in den renommierten "Biology Letters" der Royal Society angeführt zu werden, hingegen schon.
Lukas Wieselberg, science.ORF.at/sda
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