
Warum Kinder zu gehen beginnen
Die Psychologin Karen Adolph vom Infant Action Lab der New York University und Kolleginnen haben das Verhalten von 150 Kleinkindern im Alter zwischen 12 und 19 Monaten intensiv untersucht. Per Videokamera dokumentierten sie die Bewegungen von zwei Gruppen in einem Spielzimmer - die einen waren "Profikrabbler", die anderen "Gehneulinge".
Wie erwartet waren die Krabbler sicherer auf den Beinen. Sie landeten im Schnitt "nur" 17 Mal pro Stunde auf dem Bauch, die Geher fielen 31 Mal um. Dafür legten die Geher weitere Distanzen in den gleichen Zeiträumen zurück. Wenn man daraus das Verhältnis von Stürzen und Distanz berechnet, sind Gehen und Krabbeln aber nahezu gleich "gefährlich".
Die Studie:
"How Do You Learn to Walk? Thousands of Steps and Dozens of Falls per Day" von Karen Adolph, und Kolleginnen ist am 13.11. in der Fachzeitschrift "Psychological Science" erschienen.

Bedenkt man die weiteren Vorteile des aufrechten Gangs wie die freie Beweglichkeit der Arme, ist es kein Wunder, dass die Forscherinnen in ihrer Studie schreiben: "Teil der Antwort ist nicht 'Warum gehen?', sondern 'Warum nicht?'".
45 Fußballfelder pro Tag durchquert
Die nackten Zahlen, die sie in ihrer empirischen Studien liefern, zeigen die enorme Arbeit, die von Kleinkindern verrichtet wird: Im Schnitt - von Krabblern und Gehern - legen sie pro Stunde 2.367 Schritte zurück und bewegen sich dabei über 700 Meter fort. Hochgerechnet auf einen ganzen "Arbeitstag" würden sie dabei 45 Mal die Länge eines durchschnittlichen Fußballfelds durchqueren. Freilich nicht ohne dabei rund 100 Mal auf den Boden zu fallen.
Die umfangreiche Forschungsarbeit der Psychologinnen bestätigt frühere Studien, die mit speziellen Fußmatten (z.B. hier) das Gehen der Kleinkinder untersucht haben. Ihr Hauptmotiv zusammenfassend: "Sie gehen, weil sie damit schneller vorankommen, ohne ihr Sturzrisiko zu erhöhen."
Lukas Wieselberg, science.ORF.at
Mehr zu dem Thema aus dem Archiv:


