
Was das Gehirn auf der Cocktailparty macht
Die Grundlagen zur Beantwortung der Frage wurden in Experimenten bereits in den 1950er Jahren gelegt. Wichtig für die individuelle Schallfilterung ist nebst anderem jene Information, die dem Gehörapparat zeigt, woher Töne stammen und welchen Weg sie nehmen.
Menschen mit einem ausgeprägten Gehörsinn können das besonders gut. Dirigenten großer Orchester etwa sind in der Lage, auch die dritte Geige in der zweiten Reihe von links zu orten.
Die Studie:
"Mechanisms Underlying Selective Neuronal Tracking of Attended Speech at a 'Cocktail Party'" von Elana M. Zion Golumbic und Kollegen ist in der Fachzeitschrift "Neuron" erschienen (sobald online).
Bei Normalsterblichen ist es eher der unmittelbare Gesprächspartner etwa bei einer Cocktailparty, der die uneingeschränkte Aufmerksamkeit verdient - und zumeist auch bekommt. Was das Gehirn dabei macht, hat nun ein Neurologenteam um Elana Zion Golumbic vom Columbia University College untersucht.
Unterschiedliche Aktivierung von Gehirnregionen
Die Forscher analysierten die Gehirnaktivität von sechs Epilepsiepatienten, die im Rahmen regulärer Untersuchungen - nach einem neurochirurgischen Eingriff - ohnehin mit Elektroden auf ihrer Gehirnrinde ausgestattet waren. Sie spielten ihnen Filme vor, in denen zwei Personen gleichzeitig redeten, mit der Anweisung, sich nur auf eine der beiden zu konzentrieren.
Die Hirnströme zeigten in verschiedenen Regionen deutliche Unterschiede. In jenen Bereichen, in denen komplexe Prozesse wie Sprache und Aufmerksamkeit gesteuert werden, konnte die bewusst verfolgte Rede deutlich nachgewiesen werden. Von der anderen Rede zeigte sich keine Spur. Im auditiven Cortex, dem Hörzentrum, waren hingegen noch sämtliche Geräuschimpulse repräsentiert. Dieser Bereich der Großhirnrinde dient der Bewusstwerdung und Verarbeitung von akustischen Reizen.
"Ignorierte Unterhaltungen ausgeblendet"
"Wir haben keine Möglichkeit, unsere Ohren zu verschließen. Sämtliche Geräusche werden im Gehirn dargestellt - zumindest als Sinnesreiz", erklärte Charles Schroeder von der Columbia Universität in New York, einer der Autoren der Studie.
"Es gibt allerdings Hirnbereiche, in denen lediglich ausgewählte Gesprächssegmente abgebildet werden - ignorierte Unterhaltungen werden offensichtlich ausgeblendet." Mit dem Ergebnis, dass man andere Sprecher kaum bis überhaupt nicht wahrnimmt, wenn man sich auf einen einzelnen konzentriert.
Die beteiligten Forscher der Columbia Universität, der Universität von Maryland und dem Long Island Jewish Medical Center hoffen, dass ihre Ergebnisse vor allem Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) oder Autismus von Nutzen sein können.
science.ORF.at/APA/dpa
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