Standort: science.ORF.at / Meldung: "Elektroden gegen Magersucht "

Magersüchtige kauert am Boden

dpa/Zentralbild/Z6086 Tom Maelsa

Elektroden gegen Magersucht

Forscher haben erstmals mit im Gehirn implantierten Elektroden magersüchtigen Frauen helfen können. Bei Versuchen sind bei drei von sechs Patientinnen Fortschritte erzielt worden. Sie nahmen durch Hirnstimulation im Zeitraum von neun Monaten Gewicht zu und schienen sich besser zu fühlen.

Essstörungen 07.03.2013

Der Studie zufolge war es bei den drei Frauen die "längste Periode einer anhaltendem Zunahme des BMI (Body-Mass-Index) seit dem Beginn ihrer Erkrankung". Der Body-Mass-Index stellt das Körpergewicht in ein Verhältnis zur Körpergröße und ist eine gängige Maßzahl zur Feststellung von Über- oder Untergewicht.

"Hirnschrittmacher" verbessert Zustand

Die Studie in "Lancet":

"Subcallosal cingulate deep brain stimulation for treatment-refractory anorexia nervosa: a phase 1 pilot trial" von Nir Lipsman et al., erschienen am 7. März 2013.

Bei der sogenannten Tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in das Gehirn eingeführt, über einen Schrittmacher werden dann elektronische Impulse ausgesandt. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher, weshalb umgangssprachlich auch von einem Hirnschrittmacher gesprochen wird. Die Methode wird bereits zur Behandlung unter anderem von Parkinson eingesetzt, nun wurde sie aber erstmals zur Behandlung von Magersucht angewandt. Die Wissenschaftler brachten die Elektroden in der Hirnregion an, die für Emotionen zuständig ist.

Bei insgesamt vier Patientinnen verbesserte sich der Studie zufolge die Laune, Sorgengefühle und in Verbindung mit der Magersucht stehende Zwangshandlungen nahmen ab. Allerdings gab es bei drei der sechs Versuchsteilnehmerinnen keine Fortschritte beim Gewicht. Zudem gab es teils schwere Nebenwirkungen wie Panikattacken, Schwindel und Schmerzen. Eine Patientin erlitt sogar einen Anfall.

Die Autoren betonen, die Methode befinde sich noch in der experimentellen Phase. In einem Begleitkommentar zur Studie schreiben Janet Treasure und Ulrike Schmidt vom Institut für Psychiatrie des King's College London, die Ergebnisse der Studie seien "vielversprechend". An der Studie nahmen Frauen zwischen 24 und 57 Jahren teil, die seit zwischen vier und 37 Jahren an Magersucht litten.

science.ORF.at/AFP

Mehr zum Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  •