Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kein guter Tag für den Artenschutz"

Ein Eisbär liegt mit seinem Kopf auf einem Stein.

epa

Kein guter Tag für den Artenschutz

Die erste große Abstimmung bei der Artenschutzkonferenz geht für Tierschützer gründlich daneben: Eisbären dürfen weiter kommerziell gejagt werden. Thailand kehrt den Haien den Rücken, der illegale Tigerhandel blüht - alles andere als Jubelstimmung in Bangkok.

Artenschutzkonferenz 07.03.2013

Der lange erwartete Schutz der Eisbären vor kommerziellen Jägern ist gescheitert. Auf der Artenschutzkonferenz in Bangkok schaffte ein US-Antrag mit russischer Unterstützung am Donnerstag nicht die nötige Mehrheit. Die EU stand am Pranger, weil sie sich der Stimme enthielt.

Weitere Hiobsbotschaften für die Tierwelt: Eine neue Studie belegt, dass der illegale Handel mit Tigerprodukten blüht. Wilderer schießen jedes Jahr 110 Tiger, schätzt die Organisation Traffic. Es leben nur noch 3.200 Tiger in freier Wildbahn. Und Umweltschützer kritisierten Thailand: Das Land will offenbar gegen besseren Schutz für Haie und Manta-Rochen stimmen.

Kein Schutz für Eisbären

Cites-Konferenz:

Die Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (Cites) findet vom 3. bis 14. März in Thailands Hauptstadt Bangkok statt.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Artenschutzkonferenz berichten auch die Ö1 Journale und Wissen aktuell.

"Heute ist ein schwarzer Tag für den Artenschutz", sagte Sandra Altherr von Pro Wildlife mit Blick auf die Eisbären. Es gibt noch insgesamt 25.000 Tiere in fünf Ländern, doch könnten Zweidrittel durch Eisschmelze und Verlust des Lebensraums in den nächsten 40 Jahren verschwinden. Nur Kanada lässt noch kommerziell jagen. Die Felle von etwa 400 Tieren landen pro Jahr auf dem internationalen Markt.

Vor der Konferenz der Unterzeichner des Artenschutzabkommens (Cites) sah es gut aus für die Eisbären: Die USA holten Russland für ihren Antrag ins Boot. Deutschland war auch für ein Handelsverbot, konnte das Ruder in der EU aber nicht rumreißen. Dänemark vertritt die Interessen des Eisbärlandes Grönland und blockierte ein EU-Ja. "Die EU hat eine unglückliche, womöglich entscheidende Rolle gespielt", meinte Ralf Sonntag vom International Fund for Animal Welfare (IFAW) in Deutschland. Ohne ihren schwachen Gegenvorschlag, der auch scheiterte, habe der US-Antrag Chancen gehabt.

Die Umweltstiftung WWF betont, dass die größte Bedrohung für den Eisbären der Klimawandel ist und ein Handelsverbot wenig für die Tiere tun kann. "Gegner des Eisbären-Antrags argumentieren, dass sie die USA für ihre Klimaschutzpolitik abstrafen wollten", sagte Altherr. Sie prangert an, "dass Differenzen beim Klimaschutz auf dem Rücken der Eisbären ausgetragen wurden".

Politische Kuhhändel

Beim Artenschutz gibt es wie bei jeder Staatenkonferenz Kuhhandel. In Bangkok berichten Delegationen von dem Vertreter einer großen Fischereination, der angeblich mit einer Aktentasche voller Umschläge mit Geldscheinen auf Stimmenfang ist. Niemand würde je so etwas öffentlich bestätigen. Wenn ein Land ohne Meereszugang plötzlich vehement gegen den Schutz von Fischarten ist oder ein fast baumloser Inselstaat gegen den Schutz von Tropenwäldern antritt - dann ziehen Beobachter die Augenbrauen hoch. Ähnliche Fälle gab es schon.

Die EU wollte Geheimabstimmungen schwerer machen. Bei offener Stimmabgabe könnten verdächtige Voten besser dokumentiert werden. Sie scheiterten damit, vor allem am Widerstand der Asiaten. Wenn nur zehn Länder es wünschen, wird geheim abgestimmt. Die EU wollte eine 50-Prozent-Hürde. Eugene Lapointe, Ex-Cites-Chef, der die Organisation IWMC für nachhaltige Nutzung von Wild leitet, dreht den Spieß um: "Geheime Abstimmungen sind dafür da, dass kleine Entwicklungsländer nicht von großen Industrieländern oder anderen Gruppen eingeschüchtert werden."

Bedingter Schutz durch Handelsverbot

Die Eisbärabstimmung war öffentlich. Trotzdem sieht Altherr da dunkle Machenschaften: "Profitgier und politische Absprachen haben erneut verhindert, dass eine aussterbende Art wie der Eisbär streng geschützt wird - ein Armutszeugnis", meinte sie. Thailand ist angeblich gegen mehr Schutz für Haie und Manta-Rochen, weil das den Export von Zierfischen erschwere. Die Abstimmung steht noch aus.

Dass ein rigoroses Handelsverbot keine Garantie für Tierschutz ist, zeigt eine Tiger-Studie der Organisation Traffic und des WWF. Wilderer haben seit 2000 mindestens 1.425 Tiger erlegt, schätzen die Autorinnen. In den vergangenen drei Jahren seien sogar Schmuggler mit 61 lebenden Tieren erwischt worden, davon die Hälfte in Thailand.

Die Nachfrage kommt vor allem aus Asien: Felle und Köpfe sind bei Teilen der wohlhabenden Bevölkerungsschicht als Trophäen beliebt. Weil der Tiger ein mächtiges Tier ist, gelten seine Knochen, Augen und Zähne als Wundermittel der Medizin. Sie sollen bei Leiden von Schlaflosigkeit bis Malaria helfen - auch wenn es dafür keinerlei wissenschaftlichen Anhaltspunkte gibt.

Christiane Oelrich, dpa

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