Standort: science.ORF.at / Meldung: "Fotos können Erinnerung stören"

Zwei Frauen stehen in einem Museum vor einem Kunstwerk, die eine fotografier

APA/EPA/Rhona Wise

Fotos können Erinnerung stören

Wer Fotos von schönen Momenten im Urlaub macht, will eigentlich die Erinnerung festhalten. Das könnte aber eine Täuschung sein: Laut einer neuen Studie vergessen wir Erlebnisse eher, wenn wir sie fotografieren.

Psychologie 09.12.2013

Die Studienautorin und Psychologin Linda Henkel von der Fairfield University im US-Bundesstaat Connecticut nennt das "Aufnahme-Beeinträchtigungs-Effekt".

Empirische Untersuchung

Die Studie:

"Point-and-Shoot Memories - The Influence of Taking Photos on Memory for a Museum Tour" von Linda A. Henkel ist am 5.12.2013 in "Psychological Science" erschienen.

Um das Phänomen zu untersuchen, bat die Forscherin Studienteilnehmer zu einer Tour durch ein Museum. Dabei sollten sie bestimmte Ausstellungsgegenstände beobachten, die eine Hälfte zudem Fotos von ihnen machen. Am nächsten Tag überprüfte Henkel ihr Gedächtnis. Es zeigt sich, dass sich die Fotografen viel schlechter an die Objekte erinnern konnten als die kameralosen Museumsbesucher.

"Wenn sich Menschen darauf verlassen, dass ihre Kamera ein Ereignis aufzeichnet und sie sich deshalb selbst nicht voll darauf einlassen, kann sich das negativ auf ihre Erinnerung auswirken", sagt Henkel in einer Aussendung.

Gegen das Anhäufen

Eine zweite Studie fügt dem ein wichtiges Detail hinzu. Dabei mussten die Fotografen auf bestimmte Details der Objekte zoomen und erst dann auf den Auslöser drücken. Diese Übung hatte zur Folge, dass sie sich am nächsten Tag besser erinnern konnten - und zwar nicht nur an das Detail, sondern an den gesamten Gegenstand. "Das zeigt, dass unser geistiges Auge und das Kameraauge nicht das gleiche sind", so Henkel.

Emotionsloses "Draufhalten" auf das nächstbeste Motiv hält die Psychologin deshalb für keine gute Strategie, um schöne Momente festzuhalten. "Die riesige Anzahl und schwierige Organisation von digitalen Aufnahmen hält viele Menschen davon ab, sich an persönliche Erlebnisse zu erinnern", sagt die Psychologin. Ihr Tipp: "Wir sollten Fotos nicht nur anhäufen, sondern mit ihnen interagieren."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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