Gerät gewinnt Wasser aus Luft

Diese Erfindung könnte die Trinkwasserprobleme in Entwicklungsländern lösen: Amerikanische Forscher haben ein Gerät entwickelt, das Wasser aus trockener Luft gewinnt. Die Apparatur funktioniert sogar in der Wüste.

Luft plus Sonne ergibt Trinkwasser. Das ist die Bilanzgleichung des Geräts, das Wissenschaftler um Evelyn Wang nun im Fachblatt „Science“ vorstellen. Herzstück der Maschine ist eine metallorganische Verbindung, kurz „MOF“ genannt, die so ähnlich wie ein Schwamm funktioniert:

Sie nimmt Wasser aus der Luft auf und lagert es an ihrer Oberfläche an. Arbeitsschritt zwei erledigt die Sonne. Ihre Wärme sorgt dafür, dass das Wasser den metallorganischen Schwamm als Dampf verlässt und sich schließlich an einer Kondensatoroberfläche sammelt, von wo es in einen Behälter rinnen kann.

„Funktioniert in der Wüste“

„Unser Gerät funktioniert bis zu einer Luftfeuchte von nur 20 Prozent. Es eignet sich also auch für aride Regionen, wie zum Beispiel Wüsten“, sagt Wang gegenüber science.ORF.at. Wie die Forscher in ihrer Studie schreiben, konnten sie mit einem Kilogramm MOF innerhalb von zwölf Stunden 2,8 Liter Wasser gewinnen. Der Praxistest fand unter anderem auf dem Dach des MIT statt, nun hoffen sie, dass die Industrie den Prototypen weiterentwickelt.

Gerät gewinnt Wasser aus der Luft

MIT photo from laboratory of Evelyn Wang

Der Luftentfeuchter aus dem Hause Berkeley/MIT

Interesse besteht bereits: Der Konzern BASF ist bereits mit an Bord, in ein paar Jahren könnten bereits die ersten Geräte auf den Markt kommen. „Die Bestandteile sind relativ billig, der Preis wird nicht mehr als ein paar hundert Dollar betragen“, so Wang.

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Diesem Thema widmet sich auch ein Beitrag im heutigen Mittagsjournal (14.4., 12.00 Uhr).

780 Millionen ohne sauberes Wasser

Potenzielle Abnehmer für den mobilen Luftentfeuchter gäbe es mehr als genug, vor allem in Entwicklungsländern. Laut einem Bericht des World Wildlife Fund haben derzeit 780 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Neben der Trockenheit gefährdet die Verschmutzung von Seen, Flüssen und Grundwasser in vielen Ländern die Existenz der Menschen. Jährlich sterben 1,5 Millionen, weil sie nichts anderes zu trinken haben.

Und das, obwohl die Vollversammlung der UNO den Zugang zu sauberem Trinkwasser im Juli 2010 als Menschenrecht anerkannt hat. Zwischen politischem Bekenntnis und gesellschaftlicher Realität klafft nach wie vor eine breite Lücke: Die Forscher des MIT und der University of California in Berkeley könnten mit ihrer Erfindung dazu beitragen, dass sie sich endlich schließt.

Laut Miterfinder Omar Yaghi ist die technische Entwicklung noch keineswegs ausgereizt. Die derzeit verwendete MOF-Variante kann 20 Prozent ihres Gewichts an Wasser aufnehmen. Wang hält mittelfristig auch 40 Prozent für möglich. Der Machbarkeitsbeweis sei erbracht, „jetzt geht es nur mehr um technische Entwicklung“.

Robert Czepel, science.ORF.at

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