Jede innere Uhr tickt anders

Die innere Uhr der Menschen tickt recht unterschiedlich. Sie kann um bis zu zehn Stunden vor bzw. nach gehen, zeigt eine US-Studie. Auch im Lauf eines Lebens verschiebt sie sich. Die Unterschiede sollten im Arbeitsalltag berücksichtigt werden, meinen die Forscher.

Manche Menschen kommen in der Früh kaum aus den Federn, andere könnten Bäume ausreißen. Wann wir besonders aktiv bzw. müde sind, ist offensichtlich höchst individuell - obwohl sich unsere innere Uhr am Tag-Nacht-Wechsel orientiert. Wie sehr der innere Biorhythmus voneinander abweichen kann, belegt die Studie der Forscher um Dorothee Fischer von der Harvard T.H. Chan School of Public Health.

Sie haben die Daten aus zwölf Jahren von mehr als 53.000 US-Amerikanerinnen und Amerikanern (American Time Use Survey) ausgewertet. Als Näherung für den jeweiligen Chronotyp wurden Angaben zum Schlafverhalten am Wochenende verwendet.

Bis zu zehn Stunden

Im Bevölkerungsquerschnitt und in der jeweiligen Altersgruppe stellten die Forscher eine relative Normalverteilung fest: Überall gibt es extreme Frühaufsteher und Langschläfer und sehr viel dazwischen. Der Unterschied zwischen einzelnen Individuen kann bis zu zehn Stunden ausmachen.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Schlaf laut den Forschern am weitesten in den Tag hinein verschoben. So liege der Schlafmittelpunkt von 17- bis 18-Jährigen im Schnitt bei halb fünf in der Früh, bei den Über-60-Jährigen bei drei Uhr. Der typische Schulbeginn rund um acht Uhr sei jedenfalls für die meisten jungen Menschen zu früh.

Im Lauf des Lebens verschiebt sich der Takt bei den meisten Menschen wieder nach vorne, d.h., ältere Menschen sind tendenziell Frühaufsteher. In der ersten Lebenshälfte gibt es übrigens mehr männliche Langschläfer. Über 50 gleicht sich der Rhythmus der Geschlechter immer mehr an. Generell werden die Unterschiede im Alter immer weniger.

Arbeiten nach Biorhythmus

Die Forscher plädieren dafür, die unterschiedlichen Chronotypen bei der Arbeitsplanung zu berücksichtigen. Immer mehr Menschen arbeiten heute zu ungewöhnlichen Tageszeiten - im Krankenhaus wie im Callcenter. Das kann gesundheitliche Folgen haben und in manchen Berufen auch riskant sein.

Das ließe sich vermeiden, wenn man die individuellen Bedürfnisse kennt und dementsprechend planen könnte. So ließe sich die optimale Arbeitszeit für jede und jeden finden. Und angesichts der großen Unterschiede in der Bevölkerung könnte sich das in Summe sogar ausgehen.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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