Satellitendaten als Katastrophenschutz

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Planeten aus? Wann drohen Überschwemmungen, Hurrikans und Dürren? Mit diesen Fragen haben sich letzte Woche Forscher aus dem Bereich der satellitenbasierten Erdbeobachtung in Wien beschäftigt.

So fern und doch so nah, das sind die Informationen, die uns Erdbeobachtungssatelliten (SMOS, SMAP, Sentinel-1A und -1B) tagtäglich rund um die Uhr liefern. Fern, weil die Daten in rund 700 - 800 Kilometern über dem Globus produziert werden. Nah, weil es Daten über den Erdboden sind, auf dem und von dem die Menschheit lebt.

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Über dieses Thema berichtet heute auch das Mittagsjournal, 25.9.2017, 12.00 Uhr.

So könne man mittlerweile gut Kurzfristprognosen mit Hilfe der Bodenfeuchtedaten abgeben, wo Dürren oder Überschwemmungen auftreten. Wenn zum Beispiel Daten belegen, dass ein Boden mit Wasser gesättigt ist, dann ist klar, dass es in diesem Gebiet bei Regen massive Überschwemmungen geben wird. So beobachtet Ende August beim Hurrikan Harvey in Texas.

Hilfe für die Landwirtschaft

Ein Wissen, das u.a. Regierungen künftig helfen soll Naturkatastrophen besser zu managen, damit bei drohenden Dürren die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sichergestellt werden kann, sagt die studierte Hydrologin Susanne Mecklenburg von der ESA, der Europäischen Raumfahrtagentur.

Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-1A

ESA

ESA-Satellit Sentinel-1 beobachtet die Erde im Radarbereich.

Es geht also um die Frage, wie es die globale Landwirtschaft schaffen kann genug Pflanzen anzubauen, um die Weltbevölkerung zu ernähren. „Und dazu braucht man diese Bodenfeuchtevorhersagen und vielleicht auch Trockenheitswarnungen, um das Nahrungsangebot ausgleichen zu können.“

In den letzten acht Jahren seit dem Start des europäischem SMOS-Satelliten sei die Menge an Daten in Bezug auf Bodenfeuchte und Salzgehalt der Meere explodiert, sagt Rolf Reichle, Physiker bei der US-Raumfahrtagentur NASA. Nun stehe man vor einem Problem: Was tun mit der Flut an Information?

Wissen für die Zukunft sichern

So wurden bei der NASA wie bei der ESA Zentren geschaffen, deren einzige Aufgabe es ist, die täglich hereinströmenden Daten zu archivieren und sicherzustellen, dass sie langfristig zugänglich sind. Zudem werden derzeit Meta-Daten eingearbeitet.

Diese Metadaten sind eine Art internationaler Sprache, mit der sichergestellt werden soll, dass auch zukünftige Wissenschaftler die Zahlenfluten aus dem All richtig lesen können. Ältere Satellitendaten hätten diesen Entschlüsselungscode nicht dabei gehabt, sagt Reichle.

Daher habe man jetzt Schwierigkeiten zu verstehen, was die vorherige Forschergeneration da gemacht hat. Dadurch sei wertvolles Wissen verloren gegangen. „Wir wollen jetzt versuchen, dass die nächste Generation an Wissenschaftlern unsere gesammelten Informationen interpretieren kann, wenn wir mal nicht mehr da sind.“

Prognosen brauchen vergleichbare Daten

Denn nur, wenn man über 30 bis 40 Jahre hinweg vergleichbares Datenmaterial habe, könne man langfristige Aussagen über das Klima treffen, wie es mit unserem Planeten weiter geht, so Wouter Dorigo vom Institut für Klima und Umwelterkundung der Technischen Universität Wien. Daher sei die Arbeit seiner Kollegen bei der NASA und der ESA derzeit so wichtig.

Übrigens, auch in Österreich werden Satelliten-Daten gespeichert und ausgewertet. Interessant sei, dass das Interesse an den Bodenfeuchte-Daten zunehme. So gebe es Anfragen von der Feuerwehr, aber auch von den Österreichischen Bundesbahnen, sagt Dorigo. Die ÖBB seien besonders interessiert, denn entlang von Geleisen können durch Funkenflug Flur- und Waldbrände entstehen, wenn die Erde zu trocken wird.

Gudrun Stindl, Ö1-Wissenschaft

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