Fett und Zucker machen maßlos

Fett und Zucker machen nicht nur dick, die kalorienreiche Kost verändert auch das Gehirn. Wie eine Studie an Ratten zeigt, wird Essen dadurch noch verlockender: Selbst dann, wenn die Tiere längst satt sein sollten.

Schinken-Käse-Toast, Frankfurter und Topfenkuchen - eine Ernährung, die vor allem aus Fett und Kohlenhydraten besteht, nennen Forscher „Cafeteria Diät“. Experimente zeigen, dass Tiere, die unbegrenzten Zugang zu solchen fetten und zuckerhaltigen Speisen haben, übergewichtig bis fettleibig werden.

In einer aktuellen Studie, die heute bei einer neurowissenschaftlichen Konferenz in Kanada vorgestellt wurde, nahmen die Ratten also erwartungsgemäß zu, nachdem sie 40 Tage lang 24 Stunden täglich Fettes und Süßes futtern konnten, so viel sie wollten.

Fehlendes Stoppsignal

Die Forscher um Stephanie Borgland von der University of Calgary interessierten sich aber vor allem dafür, was dabei im Gehirn passiert, genauer in einem Teil des Frontallappens. Diese Region ist an Entscheidungen beteiligt. Über Sinneseindrücke wird hier der Wert von Nahrung erfasst, etwa durch den Geschmack oder den Geruch. Schlanke Tiere, die satt sind, reagieren weniger auf solche Sinneseindrücke. Anders die fetten Ratten: Ihnen fehlt ein neuronales „Stoppsignal“.

Die entscheidende Rolle dabei spielen laut Borgland Endocannabinoide. Diese körpereigenen Cannabis-ähnlichen Substanzen werden bei übergewichtigen Tieren und Menschen vermehrt ausgeschüttet. Wie die Rattenstudie nun zeigt, verändern sie auch die Kommunikation im Gehirn. Das führt letztlich dazu, dass die übergewichtigen Nager maßlos werden und weit über den Hunger hinaus fressen. Die Forscher hoffen nun auf einen möglichen neuen Ansatzpunkt für Therapien.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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