Frauen sorgen für kleine Energiewende

In mehr als 400.000 Häusern in Georgien wird mit Feuer geheizt, gewaschen und gekocht. Der Holzverbrauch steigt, die Luft wird schlechter. Eine Initiative schafft nun Veränderung: Sie zeigt Frauen, wie man Solaranlagen baut und die Energieversorgung lokal verwaltet.

Egal ob in den Klassenzimmern, Kindergärten oder Wohnräumen, es raucht. Vor allem im Winter ist es besonders schlimm, berichtet Sascha Gabizon von der NGO Women in Europe for a Common Future, kurz WECF. Sie hat vor 15 Jahren begonnen, gemeinsam mit georgischen Umwelt- und Frauenorganisationen eine Lösung für dieses Problem zu suchen, so die Wirtschaftswissenschaftlerin in einem Interview am Rande des Austrian Climate Summits in Wien.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 17.5. um 13:55

Dass die Öfen nicht effizient sind, zu viel Holz brauchen und die Häuser nicht gut isoliert sind, wusste man grundsätzlich - vor allem die Frauen. Immerhin verbringen sie die meiste Zeit zu Hause, heizen den Ofen an und kochen und waschen Geschirr und Wäsche mit der Hitze des Feuers. Für Gabizon sind sie die zentralen Energiemanagerinnen. Soll eine Wende von Holz in Richtung erneuerbarer, sauberer Energie gelingen, geht es nicht ohne sie. „Man sieht das auch in Projekten in Afrika, wo zwar eine neue Wasserpumpe gebaut wurde, die Frauen, die das Wasser täglich holen, aber nicht einbezogen wurden. Die Anlage war in Kürze kaputt.“ Für Gabizon lautet das Credo daher: Alle müssen, wissen was sie tun.

Frauen wollen in Erneuerbare investieren

Wirklich überzeugen musste sie die Frauen in Georgien davon aber nicht. Sie waren die ersten, die in neue Technologien investieren wollten, erzählt sie. Da es allerdings an leistbaren Alternativen fehlte, hieß die Lösung „selber machen“.

Nach diesem Prinzip haben die Aktivistinnen rund um Sascha Gabizon Energie-Kooperativen in vier ländlichen Gemeinden Georgiens angeleiert. „Das heißt, wir haben 140 Frauen wie Männern gezeigt, welche erneuerbaren Technologien es gibt, wie man sie zusammenbaut bzw. repariert, wie man die Häuser isoliert, effizientere Öfen baut und wie viel Energie und Geld sich die Haushalte damit tatsächlich sparen können.“ Das sei mehr als erwartet, rechnet Gabizon vor. Ihren Untersuchungen zufolge geben die Familien derzeit immerhin 30 Prozent des jährlichen Haushaltsbudgets für Holz aus.

Georgische Frau an einfachen Ofen

WECF Georgia Anna Samwel

Dieses Geld wird nun zumindest in 800 Haushalten in selbst erzeugte Solaranlagen investiert, die Wasser erhitzen. Auf diese Weise fällt immerhin fürs Waschen und Kochen weniger Brennholz an. Auch die neuen Öfen brauchen nur noch halb so viel Holz.

Die Materialien für die solarbetriebenen „Wasserkocher“ sowie für die Isolationen stammen aus der Umgebung. Das mache die Anlagen drei Mal günstiger als vergleichbare Geräte im Geschäft, so Gabizon. Die Kooperativen selbst verdienen daran nur wenig, das meiste beruht auf freiwilligem Engagement.

Nichtsdestotrotz liegen die Kosten für eine Anlage mit 500 Euro über dem, was sich manche Familien leisten können. „Um sicherzugehen, dass sich auch sehr arme Familien solche Anlagen anschaffen können, haben wir den Kooperativen auch gezeigt, wie sie mit grünen Banken um Kredite verhandeln und wie sie diese verwalten.“ Außerdem werden die Anlagen durch Sponsoren zu 20 Prozent subventioniert und haben drei Jahre Garantie. „Wenn etwas kaputt geht, kann man sofort jemanden aus der Kooperation bitten, einem zu helfen.“

Junge weniger Berühungsängste mit Technik

Selbst wenn auch Frauen für diese Aufgaben ausgebildet wurden, übernehmen Reparaturarbeiten und Installationen derzeit noch vermehrt Männer. „Zwar sind 40 Prozent in den Kooperativen Frauen, allerdings machen diese vermehrt das Management, Business und Finanzierung.“ Ausgenommen sind hier junge Frauen, die sich leichter tun, mit den traditionellen Geschlechterrollen zu brechen, schildert Gabizon.

Geht es nach Gabizon sollen sich in den nächsten zehn Jahren 60.000 weitere Haushalte zu Energie-Kooperativen zusammenschließen und den Holzverbrauch senken. Unterstützung bekommen die Aktivistinnen mittlerweile auch vom Österreichischen Umweltbundesamt sowie von der georgischen Regierung. „Wir haben gesehen, dass es hier eine zentrale Stelle braucht, die den Überblick behält und auch die Subventionen koordiniert, sodass besonders die Wenigverdiener mehr Unterstützung bekommen.“ Auf diese Weise soll es früher oder später gelingen, die Luft in allen 400.000 Haushalten sauber zu bekommen.

Ruth Hutsteiner, Ö1-Wissenschaft

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