Gedenkjahr 1938

Höhlenbär. Skizze von Othenio Abel 1924

Im Schatten der „Bärenhöhle“

Seit 100 Jahren gibt es in Österreich staatliche Höhlenforschung, über 15.000 Höhlen bieten reichhaltiges Anschauungsmaterial. Doch die Geschichte der Zunft ist auch geprägt von Nationalismus und Antisemitismus. Ein Beispiel: die „Bärenhöhle“. 

Lise Meitner mit Zigarette, undatiertes Bild

Die erste Frau an der Akademie

Sie war eine der ersten Frauen, die in Österreich Physik studierten. Später wurde sie zur Mitentdeckerin der Kernspaltung. Vor genau 70 Jahren wurde Lise Meitner als erste Frau in die Österreichische Akademie der Wissenschaften aufgenommen - mit geringer Folgewirkung. 

Flüchtlinge überqueren im Oktober 2015 in Neuhaus am Inn dier Grenze von Österreich nach Deutschland

Illegal von Österreich in die Tschechoslowakei

Flucht, Vertreibung, Rückschiebung: Was vor allem Juden und Jüdinnen nach dem „Anschluss“ 1938 an der österreichisch-tschechoslowakische Grenze erlebten, haben Historiker untersucht und auf Onlinekarten visualisiert. 

Die Statue in London

Freud kehrt überlebensgroß zurück

Am 4. Juni 1938 musste Sigmund Freud Österreich verlassen, vertrieben von den Nazis. Genau 80 Jahre später kehrt er nun überlebensgroß zurück - als Statue, die vor der Medizinuni Wien aufgestellt wurde. 

Kunst-Aktionen von Rabow am Carachoweg in der Gedenkstätte Buchenwald im Jahr 2013

„Schreiben gegen das Vergessen“

66.000 österreichische Jüdinnen und Juden wurden während des Holocaust ermordet. Eine Kunstaktion soll das Ausmaß der Vernichtung nun deutlich machen: Mit Kreide schreiben die Teilnehmer im Juni die 66.000 Namen auf die Hauptallee im Wiener Prater. 

Ö1-Logo

Radiopropaganda im Jahr 1938

Als die Nationalsozialisten 1938 in Österreich die Macht übernommen haben, war das noch junge Medium Radio wichtig, um ihre Propaganda zu verbreiten. Vor zwei Jahren entdeckte Tondokumente sind nun erstmals auf einer CD zu hören. 

Gefängnisgitter Strafanstalt Gerasdorf

1.000 NS-Verfahren, 20 Schuldsprüche

Seit 1955 sind mehr als 1.000 Verfahren gegen NS-Täter eingestellt worden. Schuldsprüche gab es in nur 20 Fällen, Freisprüche in 23. Das ist das Fazit eines Forschungsprojekts am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). 

Gedenkfeier 12. März 2018/1938

Wie Österreich „offiziell“ klingt

Österreich hat lange gebraucht, um für den Nationalsozialismus Verantwortung zu übernehmen. Das spiegelt sich auch in der Musik wider, die bei offiziellen Gedenkveranstaltungen gespielt wurde - 1988 wurde dabei zum Wendepunkt, wie Forscherinnen berichten. 

ÖVP ließ NS-Vergangenheit aufarbeiten

Die ÖVP hat die Anzahl von Politikerinnen und Politikern mit NS-Vergangenheit in ihren Reihen in einer Studie erheben lassen. Die Zahl liegt demnach prozentuell etwa gleichauf mit der Anzahl der NSDAP-Mitglieder in der Gesamtbevölkerung. 

Der österr. Kinderarzt Hans Asperger im Jahr 1971

Asperger an NS-Verbrechen beteiligt

Bekannt ist Hans Asperger als Namensgeber für eine Form von Autismus. Wie bisher unbekannte Dokumente belegen, war der Kinderarzt aktiv am „Euthanasie“-Programm der Nazis beteiligt. In zwei Fällen schickte er sogar „unheilbare“ Kinder in den Tod. 

Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau, das dem Ghetto-Aufstand  gewidmet ist

Projektion erinnert an Aufstand im Ghetto

Vor 75 Jahren haben die Nazis die Große Synagoge von Warschau in die Luft gesprengt, nun kann man sie wieder sehen. Allerdings nur kurz: als Multimedia-Projektion zum Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto am 19. April. 

Stacheldraht vor dem ehemaligen KZ Mauthausen

„Verdrängte Jahre“ der ÖBB-Geschichte

Eine Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen beleuchtet die Rolle der Bundesbahnen im Nationalsozialismus von 1938 bis 1945: Die Schau „Verdrängte Jahre“ ist bis 24. August zu sehen. 

Plakat: "Ja" zur "Wiedervereinigung" Österreichs mit NS-Deutschland

99,7 Prozent stimmten für „Anschluss“

Am 12. März 1938 waren NS-Truppen in Österreich einmarschiert. Knapp ein Monat später, am 10. April, stimmten 99,7 Prozent der Österreicher bei der durch die NS-Propaganda vorbereiteten „Volksabstimmung“ für den „Anschluss“. 

Studenten auf der Rampe der Wiener Universität beim "Deutschen Gruß".

Im Blitztempo „judenfrei“

Sofort nach dem „Anschluss“ vor 80 Jahren begannen die Nazis, Österreichs Unis zu „säubern“. 2.700 Studierende, die meisten von ihnen Juden, wurden vertrieben, ein Drittel der Professoren entlassen. Schon Ende 1938 rühmten sich die Hochschulen, „judenfrei“ zu sein. 

Linolschnitt von Adolf Hitler

Erinnerung an Mexikos „Anschluss“-Veto

Mexiko hat am 19. März 1938 als einziges Land im Völkerbund gegen den „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland protestiert. Am Montag, genau 80 Jahre danach, wurde deshalb am Wiener Mexikoplatz das Gedenkprojekt "Gekreuzte Geschichten“ eröffnet. 

Präparat: anatomischer Hirnschnitt

Was tun mit Gehirnpräparaten?

Manche Verbrechen der NS-„Euthanasie“ beschäftigen die Forschung bis heute: etwa die Gehirnpräparate von Patienten, die bis heute überdauert haben. Wie schwierig es ist, dieser Opfergruppe zu gedenken, beschreibt der Historiker Paul Weindling in einem Gastbeitrag. 

Hitlerrede am Heldenplatz am 15.3.1938

Der Schatten des 15. März 1938

Auch 80 Jahre danach bleibt der Wiener Heldenplatz untrennbar mit der Hitler-Rede vom 15. März 1938 verbunden. Heute ist er ein Symbol sowohl für die NS-Propaganda vom jubelnden Volk als auch für die Mitverantwortung an Verbrechen, schreibt die Historikerin Heidemarie Uhl in einem Gastbeitrag. 

Demonstrationen bei der "Schreckensnacht" von Imst

Die „Schreckensnacht“ von Imst

Ende April 1938 haben Nazis in der Tiroler Kleinstadt Imst einen Gewaltexzess gegen Austrofaschisten veranstaltet, der seinesgleichen sucht. Dem gingen Misshandlungen ab dem „Anschluss“ voraus. 

Menschen stehen vor einem Kruckenkreuz

Austrofaschistische „Säuberungen“

Die einst weltbekannte Wiener Medizinische Schule wurde mit der Machtübernahme der Nazis zerstört. Doch der Niedergang setzte bereits deutlich früher ein: zur Zeit des Austrofaschismus. 

Patientenbuch aus der Ausstellung „Die Wiener Medizinische Fakultät 1938-1945“

Als Ärzte zu Tätern wurden

Der „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland am 12. März 1938 hatte auch auf die heimische Wissenschaft massiven Einfluss: Eine Ausstellung rekonstruiert, wie Ärzte zu "Schändern der ihnen anvertrauten Menschen wurden“.