Glyphosat und Co. bedrohen Weinqualität

Unkrautvernichter wie Glyphosat vernichten nicht nur Unkraut, sondern bedrohen auch die Qualität von Wein. Freilandversuche an der Weinbauschule Klosterneuburg zeigen, wie die Herbizide Boden, Reben und Trauben in Mitleidenschaft ziehen.

Insgesamt 40 Unkrautvernichter sind laut einer Aussendung der Universität für Bodenkultur für den Weinbau in Österreich zugelassen, 22 davon mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat. Hauptgrund für den Einsatz ist die Arbeitszeitersparnis im Vergleich zur mechanischen Unkrautkontrolle.

Gewürztraminer im Versuch

Für die Studie unter der Leitung von Florian Faber von der Weinbauschule Klosterneuburg wurden in einem Weingarten mit fünfjährigen Reben der Sorte Gewürztraminer die drei meistverwendeten Herbizide mit den Wirkstoffen Glyphosat, Glufosinat und Flazasulfuron praxisüblich im Unterstockbereich ausgebracht. Als Kontrollvariante wurden Unkräuter mechanisch entfernt.

„Wir fanden erstaunlich viele Veränderungen in der Weinrebe nach der Herbizidbehandlung“, fasst der Ökologe Johann Zaller von der Boku die Ergebnisse zusammen, die kürzlich in einer Studie veröffentlicht wurden. Am auffälligsten war das Ergebnis bei der sogenannten Mykorrhizierung der Rebwurzeln. Nach dem Einsatz der Unkrautvernichtungsmittel war diese um 53 Prozent reduziert. Die mit den Weinreben in Symbiose lebenden Mykorrhizapilze sorgen für eine bessere Nährstoffversorgung, Rebengesundheit und Weinqualität.

Weinlese
APA/dpa-Zentralbild/Arno Burgi

Während Regenwürmer und der Abbau organischer Stoffe im Boden von den Herbiziden nicht beeinflusst wurden, waren im Saftstrom der Reben selbst elf Monate nach Anwendung der Unkrautvernichter um 70 Prozent mehr Bakterien vorhanden. Zudem war der Nährstoffgehalt in Wurzeln, Blättern und im Traubensaft verändert. Offenbar pflanzt sich der Effekt der Herbizide vom Boden über die gesamte Rebe fort, sagen die Wissenschaftler.

“Komplettverzicht wäre besser“

„Nachdem Mikroorganismen und Nährstoffgehalte auch für die Weinvergärung entscheidend sind, können auch Auswirkungen auf die Weinqualität nicht ausgeschlossen werden“, erklärt Mikrobiologin Karin Mandl von der Weinbauschule. Dies müsste aber noch detaillierter untersucht werden.

Für Zaller sind die Befunde insofern „ernüchternd“, als alle drei getesteten Herbizide ähnliche Nebenwirkungen zeigten. Es mache also wenig Sinn, ein umstrittenes Mittel wie Glyphosat gegen ein anderes auszutauschen, „besser wäre der komplette Verzicht auf Herbizide im Weinbau“.

Für die Ökologie und Biodiversität, aber auch die Weinqualität wäre das durchaus zuträglich. Aus Südtirol ist laut Boku etwa bekannt, dass der Verzicht auf Herbizide im Weinbau von den Weinbauern zwar zunächst heftig kritisiert wurde - letztendlich aber zu einer Steigerung der Weinqualität beigetragen hat, da durch die Konkurrenz der Unkräuter auch der Traubenertrag reguliert werden kann. Auch in Österreich gibt es bereits erste Weinregionen, die freiwillig auf Herbizide im Weinbau verzichten.

science.ORF.at/APA

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