Hitze bremst das Denkvermögen

Wir haben es immer schon geahnt: Sommerliche Hitzewellen machen nicht nur körperlich, sondern auch geistig schlaff. Nachgewiesen wurde das nun in einem Versuch mit US-amerikanischen Studenten.

Umweltmediziner von der Harvard Chan School in Boston hatten für ihre zwölftägige Feldstudie im Sommer 2016 insgesamt 44 Studenten rekrutiert. 24 wohnten in einem Studentenwohnheim mit Klimaanlage, der Rest logierte ohne künstliche Kühlung. Sämtliche Probanden absolvierten jeden Morgen nach dem Aufwachen einen kurzen Test, bei dem sie einfache Rechenaufgaben lösen sowie die Farbe von Wörtern möglichst schnell erkennen mussten.

Knick in der Testkurve

Wie die Forscher im Fachblatt „Plos Medicine“ schreiben, hinterließ eine fünftägige Hitzewelle im Untersuchungszeitraum auch in den Testergebnissen ihre Spuren: Die Reaktion der Studenten ohne Klimaanlage verlangsamte sich, sie brauchten für ihre Antworten im Wörtertest 13 Prozent länger als jene aus der „kühlen“ Vergleichsgruppe.

Ähnlich groß war der Unterschied der beim Rechentest erzielten Punkte. Da nur morgens Tests durchgeführt wurden, können die Autoren allerdings keine Aussagen zur Denkfähigkeit untertags machen.

Sommerliche Hitze: Frau trinkt Wasser aus einer Glasflasche
dpa/Wolfgang Kumm
Sommerhitze: Wer genug Wasser trinkt, hält auch das Gehirn in Schwung

Bemerkenswert: In den ungekühlten Gebäuden stiegen die Temperaturen in den letzten zwei Studientagen sogar noch weiter an, als die Hitzewelle schon wieder abklang. Das liegt laut Studienleiter Joseph Allen an der Bauweise der Häuser in gemäßigten und kühleren Zonen: „Diese Gebäude haben es schwer, die Hitze von heißen Sommertagen wieder loszuwerden.“

Nicht nur Ältere leiden unter Hitze

„Die meiste Forschung zu Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit wurde bisher an Risikogruppen, etwa Älteren, gemacht. So entstand der Eindruck, dass die Allgemeinbevölkerung durch Hitzewellen nicht beeinträchtigt wird“, sagt Koautor Jose Guillermo Cedeno Laurent. Diese Erkenntnislücke gelte es zu füllen - denn auch für Städte wie das im Norden der USA gelegene Boston werde die Zahl der Hitzewellen durch den Klimawandel voraussichtlich ansteigen.

Auf Mitteleuropa seien die Ergebnisse durchaus übertragbar, sagt Alexandra Schneider, Epidemiologin am Helmholtz Zentrum in München. „Das Design der Studie ist insgesamt gut, aber die Ergebnisse sind nicht wirklich überraschend.“ Dass bei hohen Temperaturen die Leistungsfähigkeit abfalle, vor allem nach beeinträchtigtem Nachtschlaf, sei für sie zu erwarten gewesen. „Auch für andere gesundheitliche Folgen großer Hitze ist die fehlende nächtliche Abkühlung des Körpers der springende Punkt.“

Empfehlung: Viel trinken, leicht essen

Weitere Ursachen für geistige Erschlaffung benennen Philip Lewis und Thomas Erren von der Universität Köln: Schlafmangel, die außer Takt geratene innere Uhr sowie Wassermangel im Körper seien dem Denkvermögen nicht zuträglich. Um während Hitzewellen leistungsfähig zu bleiben, empfehlen sie: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Verzicht auf schwere Mahlzeiten und, sofern möglich, die Verlegung der Arbeitsphasen in die kühleren Stunden des Tages.

science.ORF.at/dpa

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