Warschau 1944: Die gescheiterte Revolte

Eine Zeitzeugin, die Soldatin Anna Lehr-Splawinski, hat kürzlich die neue Sonderausstellung des Heeresgeschichtlichen Museums eröffnet. Die Schau „Kampf um die Freiheit“ beleuchtet Hintergründe des Warschauer Aufstandes 1944.

Seit dem 1. August 1944 und somit dem Beginn des Warschauer Aufstandes sind fast 74 Jahre vergangen. Eine ungewöhnliche Zahl, um eine Ausstellung anzusetzen.

Ausstellung

„Kampf um die Freiheit - Der Warschauer Aufstand 1944“, Heeresgeschichtliches Museum, Arsenal, 1030 Wien. Bis 9. September täglich 9 bis 17 Uhr.

Aber das Heeresgeschichtliche Museum orientiere sich grundsätzlich nicht an Jubiläen, unterstrich Vizedirektor Christoph Hatschek bei der Ausstellungseröffnung: „Wir wollen, dass nicht nur in Erinnerungsjahren an die Schicksale gedacht wird, sondern die Diskussion immer anregen.“

Tragische Schicksalen gab es währen des Warschauer Aufstands viele. Auch wenn er nur 63 Tage dauerte, starben rund 170.000 Menschen - der Großteil Zivilisten. Der Aufstand begann, als sich Untergrundkämpfer der polnischen „Heimatarmee“ in der Aktion „Burza“ (Sturm) gegen die Besetzung der Nationalsozialisten erhoben.

Familie mit Kindern: polnische Zivilisten im Jahr 1944
ASSOCIATED PRESS
Warschau 1944. Polnische Zivilisten nach der Niederschlagung des Aufstandes

Nach anfänglichen Erfolgen scheiterte die Revolte des polnischen Untergrundstaates am 2. Oktober 1944. Nach der Niederschlagung wurde Warschau systematisch zerstört, 85 Prozent der Gebäude beschädigt. Die Rote Armee, die bereits in der Nähe Warschaus war, griff nicht ein.

Der Aufstand ist laut Rafal Sobczak, Direktor des polnischen Instituts in Wien, nicht nur für Polen ein bedeutender Bezugspunkt im kollektivem Geschichtsverständnis, sondern eine Schlüsselkomponente des europäischen Gedenkens. „Ein Zeugnis des Bekenntnisses zur Freiheit“, nennt Sobczak die Kämpfe. Einen Aspekt greift die Schau jedoch nicht auf: Die Bewertung der Ereignisse spaltet Polen bis heute. Für die einen sind sie Ausdruck von Heldentum, für die anderen sinnloses Blutvergießen.

science.ORF.at/APA

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