Neue ACR-Chefin sorgt sich um angewandte Forschung

Sonja Sheikh hat am Montag die Geschäftsführung der Austrian Cooperative Research (ACR), dem Dachverband kooperativer Forschungsinstitute, übernommen. Im „Antrittsgespräch“ sorgt sie sich um die angewandte Forschung.

Man müsse beim „starken Fokus auf Exzellenzförderung und Grundlagenforschung schauen, dass sie nicht unter die Räder kommt“, so Sheikh gegenüber der APA.

Spezialistin für Evaluierungen

Die gebürtige Berlinerin Sonja Sheikh (48) promovierte 1999 im Bereich Volkswirtschaftstheorie und -politik an der Wirtschaftsuni Wien. Ab 1997 arbeitete sie bei der KMU Forschung Austria. Von 2004 bis 2018 war sie stellvertretende Direktorin dieses - zur ACR gehörenden - Instituts. Sie gilt als Spezialistin für Evaluierungen im Bereich Forschungs- und Innovationspolitik. Sheikh löst als ACR-Geschäftsführerin nun Johann Jäger ab, der die ACR seit 1995 geleitet hat.

Ihr ist es ein Anliegen, die Bedeutung der angewandten Forschung für die österreichische Wirtschaft und das Forschungs- und Innovationssystem klarer herauszuarbeiten und zu kommunizieren. „Vor allem die angewandte Forschung schafft es, die PS wirklich auf die Straße zu bringen“, sagte sie im Hinblick auf den im Vergleich zum Input zu kleinen Output des Forschungssystems. Sie wolle damit aber nicht die Wichtigkeit der Grundlagenforschung in Abrede stellen, „die braucht es mindestens so dringend“.

Porträtfoto der ACR-Geschäftsführerin Sonja Sheikh

APA/ACR/Alice Schnür-Wala

Sonja Sheikh

Vernetzung der Disziplinen

Die derzeit 18 Mitglieder des 1954 als „Vereinigung der kooperativen Forschungsinstitute der gewerblichen Wirtschaft Österreichs“ gegründeten ACR sind angewandte Forschungsinstitute, deren Spektrum von der Holzforschung Austria über das Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) bis zum Zentrum für Elektronenmikroskopie reicht.

Hier sieht Sheikh „noch sehr viel Potenzial für interne Vernetzung“. Vor allem in einer übergreifenden Arbeit sozialwissenschaftlicher und naturwissenschaftlich-technischer Institute liege großer Mehrwert. „Insgesamt sind die Institute sehr heterogen, da kann man noch mehr herausholen, wenn man disziplinübergreifend vernetzt“, sagte Sheikh.

Keine Basisfinanzierung

Auf längere Sicht will Sheikh das ACR-Netzwerk breiter aufstellen und durch die Aufnahme weiterer Institute erweitern. Weil sie aus ihrer Erfahrung bei der KMU Forschung Austria weiß, wie schwierig es sei und wie groß der administrative Aufwand sei, Forschungsmittel zu lukrieren, Partner zu suchen und Anträge zu schreiben, will sie die Servicekomponente der ACR-Geschäftsstelle noch stärker ausbauen und die Institute besser unterstützen.

Weil der Wettbewerb um Fördermittel immer schwieriger werde, macht sich Sheikh Sorgen über die Zukunft einer Förderschiene des Programms COIN, das die Forschungs- und Innovationstätigkeit vor allem von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) stimulieren und erhöhen will. Es gebe Befürchtungen, dass diese Förderung eingestellt werde, von der die ACR-Institute in der Vergangenheit mit im Schnitt rund einer Mio. Euro pro Jahr sehr profitiert hätten.

Sheikh erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die ACR-Institute gemeinnützige Vereine bzw. Forschungseinrichtungen sind, die über keinerlei Basisfinanzierung verfügen. Sie müssten deshalb jene Eigenmittel, die für Forschungsprojekte aufgebracht werden müssen, selbst erwirtschaften. Ihre Möglichkeiten dafür seien jedoch begrenzt. Um sicherzustellen, dass die ACR-Institute weiterhin Forschung und Entwicklung betreiben können, wünscht sie sich eine „Aufstockung der Mittel“ für die ACR.

science.ORF.at/APA