Kekse gehen immer!

Alle kennen das Gefühl: Man glaubt, keinen Bissen mehr hinunterzukriegen, dann kommt die Nachspeise - und plötzlich ist noch etwas Platz im Magen. Warum das so ist, haben nun Forscher und Forscherinnen herausgefunden.

In mehreren Studien haben Barbara Rolls und ihre Kollegen Menschen zum Essen eingeladen. In einem Labor der britischen Oxford-Universität gab es für sie nicht nur eine Speise, sondern gleich acht verschiedene. Jede davon sollten die Testpersonen kosten und danach bewerten, wie gut sie schmeckt, riecht, aussieht und wie viel sie davon essen würden. Als Hauptgang wurde ihnen dann nur eine der acht Speisen gereicht und anschließend die Bewertung wiederholt. Das Ergebnis: In der zweiten Bewertungsrunde schnitt die Hauptspeise plötzlich schlechter ab, die anderen sieben blieben unverändert.

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in der Sendung Wissen aktuell, 23.12., 13.55 Uhr.

Vom Allesfresser zu Vielfraß

Rolls prägte den Begriff der „wahrnehmungsspezifischen Sättigung“ und fasst das Ergebnis ihrer Studien so zusammen: „Der erste Bissen einer Speise schmeckt oft viel besser als der letzte Bissen. Speisen mit anderen sensorischen Eigenschaften schmecken dann aber immer noch so gut, als hätte man gar nichts gegessen.“ Je unterschiedlicher die Speisen, desto größer ist dieser Effekt. Nach einem salzigen und fettigen Essen schmecken Kuchen oder Kekse also immer noch gut, auch wenn wir eine weitere Portion der Hauptspeise nicht mehr hinunterbringen würden.

Weihnachtskekse auf einem Teller

Adobe Stock / kathrin

Noch ein Keks gefällig?

Als Allesfresser benötigt der Mensch verschiedenste Nährstoffe. Dank wahrnehmungsspezifischer Sättigung wird er dazu angeregt, sich vielseitig zu ernähren. Andererseits kann diese Tendenz auch dazu führen, dass wir mehr essen, als uns guttut. Bei einem Buffet etwa wird eine Vielzahl unterschiedlicher Speisen angeboten, die unseren Appetit immer wieder aufs Neue entfachen.

Das Gefühl, endgültig satt zu sein, tritt deutlich später auf als bei einem eintönigen Angebot, so Rolls. „Fast überall, wo wir hingehen, gibt es heute Snacks zu kaufen. Wenn man sein Auto tanken möchte, werden verschiedenste kalorienreiche Lebensmittel angeboten, und in vielen anderen Geschäften gibt es ebenfalls kleine Bereiche mit Essen. Wir werden ermutigt, immer weiter zu essen.“ Die wahrnehmungsspezifische Sättigung könnte somit ein Faktor für die starke Zunahme an Übergewicht in der Bevölkerung sein, schildert die Universitätsprofessorin, die mittlerweile an der Pennsylvania State University forscht.

Was tun bei Völlegefühl?

Bei einem Buffet sei es hilfreich, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Speisen es gibt und zuerst einmal nur Kostproben zu nehmen. So vermeide man, mit einem bereits gut gefüllten Teller noch viele weitere Speisen zu entdecken, denen man nicht widerstehen kann. Aus den Kostproben könne man anschließend eine Speise wählen, von der man mehr essen möchte. Davon, sich bei den Feiertagsköstlichkeiten zurückzuhalten, hält Rolls aber nicht viel.

„Die Feiertage sind eine Zeit, in der wir mit unserer Familie und Freunden gutes Essen im Überfluss genießen sollten. Niemand soll sich dafür schämen, was er während der Feiertage isst.“ Entscheidend ist, wie man sich das restliche Jahr über ernährt. Von Hausmitteln wie Schnaps oder einem Nickerchen nach einem opulenten Essen rät sie ab. Das effektivste Mittel, um sich schnell wieder wohl zu fühlen, sei ein Verdauungsspaziergang.

Lena Hallwirth, Ö1-Wissenschaft

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