Getränkedosen mit Limonaden
©OlegDoroshin – stock.adobe.com
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Cholesterin

Softdrinks erhöhen auch die Blutfette

Limonaden machen dick und fördern Diabetes – jetzt haben Forscher einen weiteren schädlichen Effekt dieser „Zuckerbomben“ entdeckt: Wer es mit dem Konsum übertreibt, handelt sich früher oder später auch ein Problem mit den Blutfetten ein.

Es ist ja nicht so, dass ein Griff in die Chipstüte giftig wäre. Und hin und wieder ein Glas Cola hat auch noch niemanden umgebracht. Das Zuviel ist das Problem – das gilt für den Zucker ebenso wie für andere Inhaltsstoffe industriell gefertigter Nahrung. Wie der Stoffwechsel Schaden nimmt, ist indes nicht immer vorhersehbar, sagt Eduardo Sanchez, Abteilungsleiter von der American Heart Association. „Bisher gingen wir davon aus, dass zuckerhältige Getränke vor allem zum Übergewicht beitragen.“

Das war offenbar zu eng gefasst, wie nun eine Studie im „Journal of the American Heart Association“ beweist. Forscher um die Medizinerin und Ernährungswissenschaftlerin Nicola McKeown hatten Daten über den Gesundheitszustand und die Ernährung von 6.000 Probanden aus den USA ausgewertet – und darin einen Zusammenhang entdeckt: Ein Übermaß an Zucker wirkt sich demnach auch auf Teile des Stoffwechsels aus, die gar nicht direkt mit dem Zucker tun haben.

Zu wenig „gutes“ Cholesterin

Wer täglich etwa das Volumen einer Dose Limonade oder mehr konsumiert, schreiben McKeown und ihr Team, handelt sich bereits nach vier Jahren ein Cholesterinproblem ein, in Zahlen: Das Risiko für abnormale Blutfettwerte erhöht sich um mehr als 50 Prozent; die Wahrscheinlichkeit für einen zu niedrigen HDL-Spiegel (das sogenannte „gute“ Cholesterin) verdoppelt sich.

Bunte Limonaden mit Eis im Glas
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Die Studienlage zu Light-Getränken ist nicht eindeutig

Was Säfte mit hundertprozentigem Fruchtanteil und Limos mit Süßstoffen betrifft, fanden die Forscher und Forscherinnen der Tufts University keine eindeutigen Zusammenhänge, als Freibrief für unbegrenzten Konsum wollen sie das allerdings nicht interpretieren. „Wir sind sicher besser dran, wenn wir unseren Durst mit einem Glas Wasser stillen“, sagt Studienautorin Nicola McKeown. „Die Studienlage zu Zuckerersatzstoffen ist unklar. Es ist wohl vernünftig, Light-Getränke bloß hin und wieder zu konsumieren.“ Ähnlich sieht das McKeown bei Säften mit natürlichem Fruchtzuckeranteil, ihre Empfehlung: In Maßen genossen ist alles ok, im Zweifelsfall greife man besser zur Frucht statt zum Fruchtsaft.

WHO-Richtwerte weit überschritten

Dass auch der Fettstoffwechsel durch Zucker aus der Balance gerät, alarmiert die Wissenschaftler vor allem deshalb, weil schlechte Triglycerid- und Cholesterinwerte in direktem Zusammenhang mit Herzinfarkten und anderen Herzkreislauferkrankungen stehen. Statistisch betrachtet hat jetzt schon die Hälfte aller US-Amerikaner/innen abnormale Blutfettwerte. Der Konsum von Zucker ist ebenfalls zu hoch. Er liegt im Schnitt bei 77 Gramm pro Tag, das ist mehr als das Dreifache der empfohlenen Menge.

Hierzulande ist die Diskrepanz zwischen dem Gebotenen und dem tatsächlich Konsumierten etwas geringer – die Österreicher/innen nehmen etwa das Doppelte der von der WHO empfohlenen Zuckermenge zu sich, freilich schlagen auch hier die Süßgetränke in der Statistik zu Buche. Sorgen macht Medizinern vor allem der stetig steigende Anteil übergewichtiger Kinder. Die Wiener Sozialmedizinerin Anna Rieder rät daher, sowohl in Schulen als auch in den Familien anzusetzen. Was es brauche, sei ein Mehr an Ernährungskompetenz. Also ein Gespür dafür, was gut für den Körper ist – und was nicht: „Prävention braucht Zeit. Den Knopf, auf den man drückt und am nächsten Tag ist alles anders, gibt es nicht.“