Eine Milbe der Art Halozetes capensis
Tobias Pfingstl, Universität Graz
Tobias Pfingstl, Universität Graz
Biologie

Milben inspirieren Roboterentwicklung

Auch scheinbar unspektakuläre Tiere verfügen über besondere Eigenschaften: Milben etwa haben laut Grazer Forschern an den Untergrund exakt angepasste Krallen entwickelt. Das könnte für die Entwicklung neuer Roboter interessant sein.

Der Biologe Tobias Pfingstl von der Universität Graz arbeitet mit Milben. Das sind winzig kleine Spinnentiere, zu denen auch die bekannten Zecken gehören. Die Milben von Tobias Pfingstl leben allerdings nicht auf Büschen und Gräsern, sondern an der Küste Japans, Südafrikas und der Bermuda Islands: „Sie führen ein Doppelleben, weil sie in der Gezeitenzone leben: Bei Flut sind sie unter Wasser, bei Ebbe leben sie an der Luft“, so der Biologe.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichtet auch Wissen Aktuell am 23.3.2020 um 13.55 Uhr.

Alle Spinnentiere haben kleine sichelförmige Krallen an den Enden ihrer Extremitäten, bei den untersuchten Hornmilben sind diese Krallen allerdings je nach Untergrund anders geformt, wie eine Untersuchung gezeigt hat: „Jene Milben, die auf Felsuntergrund leben, haben sehr hohe Krallen mit einer starken Krümmung. Jene, die auf einem weicheren Boden unter Mangroven oder in mangrovenassoziierten Habitaten leben, verfügen über dünnere Krallen mit einer weniger starken Krümmung.“ Tiere, die einmal am nassen, einmal am trockenen Untergrund leben, haben exakt angepasste Mischformen entwickelt, so Pfingstl.

Eine Milbe der Art Fortuynia atlantica
Tobias Pfingstl, Universität Graz
Die Milbe Fortuynia atlantica lebt in der felsigen Gezeitenzone der Bermuda Islands. Am Ende ihrer Extremitäten sitzen die Krallen, mit denen sie sich am Untergrund festhalten können.

Der Weg von der Natur zur Technik ist da nicht weit, der Grazer Biologe denkt an Roboter, die Wände hinauf klettern können: „Hier könnte unsere Untersuchung ein paar Inputs liefern, wie die Klauen dieser Roboter gestaltet werden sollten, damit sie sich besser festhalten können.“ Mehrere Forschungsgruppen haben sich in der Vergangenheit bereits mit solchen Maschinen beschäftigt, etwa eine Gruppe in Japan, die ihre Versuche mit kletternden Robotern mit Klauen hier veröffentlicht hat.

Nützlich wären solche Roboter beispielsweise nach Erdbeben oder Murenabgängen, wenn verschüttete Menschen gesucht werden. Gängige Maschinen wie etwa der japanische Quince bewegen sich meist mit Rädern fort. Sie scheitern, sobald die Steigung zu groß oder der Untergrund zu rutschig wird. Die Krallen der Milben könnten ihnen den nötigen Griff geben.