esundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Freitag, 13. März 2020
APA/HERBERT PFARRHOFER
APA/HERBERT PFARRHOFER
Coronavirus

Tipps gegen „pandemische Ambivalenz“

Die aktuelle Situation ist auch psychologisch schwierig: Viele haben zwar Angst vor dem Coronavirus, wollen aber (noch) nicht so ganz glauben, dass sie Gewohnheiten und Pläne umstoßen müssen. US-Experten geben Tipps, wie man dieser „pandemischen Ambivalenz“ begegnen kann.

„Starke Angst und mangelnde Reaktion sind seltsame Covid-19-Bettgenossen“: So beschreiben Peter Sandmann und Jody Lanard, ein Experte und eine Expertin für Risikomanagement, die aktuelle Situation in den USA – die Aussagen ist aber für alle betroffenen Länder verallgemeinbar.

Viele Menschen sind (mittlerweile) überzeugt, dass es sich bei der Krankheit um eine besondere Herausforderung handelt, wollen an ihren üblichen Verhaltensweisen und Plänen aber nichts ändern. Sie halten am Gedanken der nahenden Urlaubsreise oder der Hochzeitseinladung im Wonnemonat Mai fest – und spüren doch insgeheim, dass sich das nicht ausgehen wird. Andere stürmen die Supermärkte und decken sich mit Konserven ein.

Angst, Selbstzweifel, Verwirrung

Infos zum Coronavirus:

„Fast alle haben gerade Angst. Aber fast alle fragen sich auch gerade, ob sie nicht überreagieren“, schreiben die beiden Forscher. Deshalb seien auch fast alle von Selbstzweifel geplagt. Die wenig befriedigende Lösung: „Wir müssen das aushalten – nicht nur die Pandemie und die Sorgen, sondern auch die Selbstzweifel und die Angst, von anderen verspottet zu werden. Trotz allem müssen wir alles tun, um uns zu schützen, und unseren Familien, Nachbarn und Gemeinschaften zu helfen. Und die Politiker müssen alles machen, was sie können.“

Schlangen vor dem Supermarkt
ORF.at/Nadja Igler
Schlange vor dem Supermarkt

Die Vertreter und Vertreterinnen der öffentlichen Gesundheit sollten die Angst vor der Pandemie ansprechen, „unseren flauen Magen“, aber auch die Selbstzweifel und die Verwirrung. Sie hätten es dabei nicht leicht, sind sie doch von den gleichen Dingen betroffen wie alle anderen – und etwa dem Vorwurf ausgesetzt, „Aktienmärkte zu ruinieren, das weltweite Angebot an Klopapier aufzubrauchen sowie Gottesdienste und Sportveranstaltungen abzusagen“.

Tipps für öffentliche Stellen und Entscheidungsträger

Sandman und Lanard geben auf ihrer Website auch Tipps für öffentliche Stellen und Entscheidungsträger bzw. Entscheidungsträgerinnen:

  • Die wichtigsten Zuhörer und Zuhörerinnen sind Menschen, die zugleich verängstigt sind und noch nicht viel machen.
  • Den Menschen auf alle Fälle sagen, was sie tun sollen – so oft und empathisch wie möglich.
  • Denken Sie daran, jene Maßnahmen, die Sie erst nächste Woche setzen wollen, schon diese Woche zu setzen (Ihr Bauchgefühl rät Ihnen schon jetzt dazu).
  • Gute Politiker kennen beide Seiten der „pandemischen Ambivalenz“, deshalb: Verstehen Sie, warum viele von uns anfänglich glauben, dass Sie überreagieren (auch wenn Sie später denken werden, dass Sie zu spät reagiert haben).
  • Passen Sie auf, wie Sie die Botschaft vermitteln. „Ich weiß, dass Sie Angst haben“ ist aufdringlich. Solch ein direkter Ansatz kann zu defensivem Verweigern führen statt zu Handlung. Besser ist: „Einige Menschen haben mir gesagt, dass Sie Angst haben.“ Am besten: „Fast jeder in diesem Büro hat einen flauen Magen, wir wissen deshalb, dass sich viele andere auch so fühlen. Und zwar zu Recht! Es ist ein erschreckender Moment. Unser Job, unser aller Job ist, dieses Gefühl zu ertragen und so zu handeln, damit wir uns und unsere Gemeinschaften schützen.“
  • Vermeiden Sie falschen Optimismus und vermeiden Sie es, die Ängste anderer lächerlich zu machen.