Umwelt

Greenpeace warnt vor illegalem Fischfang

In den vergangen Wochen sind die Kontrollen von Fischereibehörden immer wieder ausgefallen. Einge Fischfangflotten dürfen das ausgenützt und illegal gefischt haben, wie die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert – eine Bedrohung für das Ökosystem der Meere.

90 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände sind maximal befischt oder bereits überfischt. Deswegen wird eigentlich kontrolliert, wo Fischfangflotten unterwegs sind und welche Fische in den Netzen landen. Doch seit Anfang des Jahres konnte Greenpeace viele illegale Ausfahrten dokumentieren, etwa vor der Küste Argentiniens, sagt Lisa Panhuber von Greenpeace Österreich.

Illegale Ausfahrten nahmen zu

Dort waren im Frühjahr rund einhundert Schiffe ohne gültige Fanglizenzen unterwegs. „Das wissen wir nur, weil Umweltschützerinnen und Umweltschützer nachgeforscht und auf Satellitenbildern diese Vorgänge entdeckt haben“, so Panhuber gegenüber science.ORF.at. Laut Schätzungen werden allein mit einem Schiff pro Nacht rund 25 Tonnen Tintenfisch erbeutet.

Auch von offizieller Seite würden die Fangaktivitäten derzeit ausgedehnt, bemängelt Greenpeace. Im Senegal plant die Regierung mehr als 50 internationalen Schiffen Fischereilizenzen zu erteilen. Das sei deutlich mehr als bisher, so Panhuber. Die industrielle Fischerei vor Westafrika diene oft nicht dem Gewinn von Speisefisch, die Meerestiere würden vielmehr zu Fischmehl verarbeitet, das in europäischen und asiatischen Aquakulturen gefüttert wird.

Fehlende Kontrollen wegen Coronavirus

Greenpeace kritisiert auch das Gütesiegel des Marine Stewardship Council (MSC): Die Organisation, die eigentlich nachhaltigen Fischfang garantieren sollte, hat wegen der Coronavirus-Pandemie alle Kontrollen für sechs Monate ausgesetzt. Fischfangflotten müssen sich derzeit nur auf freiwilliger Basis Fernprüfungen unterziehen. MSC erklärt das Vorgehen in einer Stellungnahme mit notwendigem Gesundheitsschutz.

Man erwarte jedoch trotz allem, dass die Inhaber von MSC-Zertifikaten weiterhin die MSC-Standards erfüllen. „Wir wissen, dass viele Interessenvertreter über eine mögliche Reduzierung von Beobachtern auf MSC-zertifizierten Schiffen besorgt sind, und wir begrüßen alternative Maßnahmen, die von einigen Management-Agenturen bereits vorgeschlagen werden“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Kritik an Gütesiegel und Standards

Für Greenpeace waren die Standards des MSC allerdings schon vor dem Aussetzen der Kontrollen zu niedrig: Hohe Beifangquoten oder weiterhin Finning zu betreiben, also Haien die Rückenflossen abzutrennen und sie dann noch lebend ins Meer zurückzuwerfen, seien keine Ausschlussgründe vom Gütesiegel für nachhaltigen Fischfang, kritisiert Greenpeace. Hier entgegnet MSC, dass man keine einheitlichen Beifangquoten festlegen könne.

Die Höhe des akzeptablen Beifangs für eine MSC-Zertifizierung sei von Fischerei zu Fischerei unterschiedlich, abhängig von der Zusammensetzung des Beifangs. Das Finning sei dagegen laut MSC-Fischereistandard verboten und man arbeite daran, diese Praxis zu verhindern.

Greenpeace fordert Reform

Greenpeace fordere in jedem Fall eine Reform der Kontrollsysteme und -standards im internationalen Fischfang, sagt Panhuber. Dazu gehören Kontrollen unabhängiger Behörden und strengere gesetzliche Richtlinien für den kommerziellen Fischfang. Die seien dringend notwendig, um die Überfischung oder sogar Ausrottung mancher Fischarten zu verhindern, heißt es von Greenpeace.

Der MSC finanziert sich hauptsächlich über Lizenzeinnahmen: Zertifizierte Fischproduzenten, die das MSC-Gütesiegel für nachhaltien Fischfang auf ihre Produkte drucken wollen, müssen dafür Lizenzgebühren an den MSC entrichten. Diese Abhängigkeit von der Industrie ist aus Sicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace zu groß. Auch die Tierschutzorganisation WWF, die den MSC 1997 mit dem Industrieriesen Unilever gründete, kritisiert die Zertifizierungsstandards des MSC mittlerweile, zuletzt im April 2020.