Illustration eines Flugs des Marshubschraubers „Ingenuity“
NASA/JPL-Caltech
NASA/JPL-Caltech
Raumfahrt

NASA startet Marsmission

Die US-Weltraumagentur NASA hat grünes Licht für den Start ihrer Marsmission mit dem Rover „Perseverance“ gegeben. Wenn das Wetter mitspielt, soll die Trägerrakete vom Typ Atlas V am Donnerstag um 13.50 Uhr MESZ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abheben.

Nach siebenmonatiger Reise soll der Rover am 18. Februar 2021 auf dem Roten Planeten landen. „Wir befinden uns wegen der Coronavirus-Pandemie in außergewöhnlichen Zeiten, aber wir haben durchgehalten, wir haben diese Mission geschützt, weil sie sehr wichtig ist“, sagte NASA-Direktor Jim Bridenstine.

Zwei Erdjahre Forschung

Das etwa SUV-große und rund eine Tonne schwere Rover „Perseverance“ soll ein ganzes Marsjahr – 687 Tage auf der Erde – auf dem Planeten verbringen und Gesteins- und Bodenproben sammeln, von denen sich die Forscher Rückschlüsse auf mögliche frühere Lebensformen auf dem Mars erhoffen. Die Proben sollen von einer Nachfolgemission im Jahr 2031 auf die Erde zurückgebracht werden.

Im Juli und August ist der Mars der Erde am nächsten – so eine Konstellation gibt es nur alle zwei Jahre. Das hatten dieses Jahr zuvor schon die Vereinigten Arabischen Emirate und China für ihre Marsmissionen genutzt. Die Emirate schickten die erste arabische Marssonde ins All. Sie soll aber nicht landen. Mit der Trägerrakete vom Typ „Langer Marsch 5“ startete China unter anderem ein Landegerät und ein Gefährt von der Größe eines Golfplatzfahrzeugs zu unserem Nachbarplaneten.

Landung im „Jezero Crater“

Im Februar 2021 werden alle drei Raumschiffe beim Mars sein, wenn alles nach Plan verläuft. „Perseverance“ soll in einem bisher noch nie an Ort und Stelle untersuchten ausgetrockneten See namens „Jezero Crater“ auf dem Roten Planeten landen. Seinen Namen, der auf Deutsch etwa „Durchhaltevermögen“ bedeutet, hat „Perseverance“ von einem Siebtklässler aus dem US-Bundesstaat Virginia, der ihn der NASA vorschlug. Zuvor war der rund 2,5 Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) teure Roboter rund acht Jahre lang unter dem Arbeitstitel „Mars 2020“ entworfen und gebaut worden.

Jezero-Krater auf dem Mars
NASA/JPL-Caltech/MSSS/JHU-APL
Jezero-Krater auf dem Mars

An Bord hat der rund 1.000 Kilogramm schwere und drei Meter lange Rover von der Größe eines Kleinwagens neben viel Technik auch die Namen von knapp elf Millionen Menschen, die sie nach einem entsprechenden Aufruf eingesandt hatten, gebrannt auf drei fingernagelgroße Chips. Gelingt die Landung, dann wäre „Perseverance“ bereits der fünfte Rover, den die NASA zum Mars bringt. 1997 landete der „Sojourner“, der nur rund drei Monate lang mit der Erde kommunizierte. 2004 folgten die Zwillingsrover „Spirit“ und „Opportunity“.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 29.7., 13:55 Uhr.

Die Kommunikation zu „Spirit“ ging 2007 in einem riesigen Staubsturm verloren, „Opportunity“ erlag 2018 dem gleichen Schicksal. 2012 landete „Curiosity“, dessen Team seitdem auch über die sozialen Netzwerke Wissenschaftler und Fans mit Neuigkeiten und Fotos versorgt und den Roboter so zum Publikumsliebling werden ließ. Unter anderem schaffte es 2018 zudem der stationäre NASA-Länder „InSight“ zum Mars, außerdem kreisen mehrere Sonden um den Roten Planeten.

Erster Hubschrauber auf dem Mars

„Perseverance“ ist eine Art „Curiosity 2.0“ – unter anderem mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten, zwei Mikrofonen, 23 Kameras, einem Laser und sogar einem kleinen Hubschrauber an Bord. Vor allem dieser „Ingenuity“ (auf Deutsch etwa: Einfallsreichtum) getaufte Hubschrauber hat im Vorfeld unter Wissenschaftlern und Weltraum-Fans schon für viel Vorfreude gesorgt – denn damit soll zum ersten Mal versucht werden, auf einem anderen Planeten eine Art Hubschrauber zu starten. „Ingenuity“ wiegt vielleicht nur 1,8 Kilogramm, aber er hat übergroßen Ehrgeiz, heißt es von der NASA.

Marshubschrauber „Ingenuity“ und Marsrover „Perseverance“ in einer Illustration
NASA/JPL-Caltech
Illustration von „Perseverance“ und „Ingenuity“

Der kleine Helikopter soll beweisen, dass das Fliegen auf dem Mars möglich ist. Seine vier Rotorblätter aus Kohlefasern rotieren deutlich schneller als die von Hubschraubern auf der Erde – unter anderem weil die Atmosphäre des Mars deutlich dünner ist. Bis zu vier Flugversuche könnte „Ingenuity“ auf dem roten Planeten starten.

Vorbereitung für Menschenmissionen

„Das Team hat alles getan, um den Hubschrauber auf der Erde zu testen, und wir freuen uns darauf, unser Experiment in der echten Umgebung des Mars fliegen zu lassen“, sagt NASA-Projektchefin MiMi Aung. „Wir werden die ganze Zeit währenddessen weiter lernen und es wird die ultimative Belohnung für unser Team sein, wenn wir der Art und Weise, wie wir neue Welten erkunden, für die Zukunft eine weitere Dimension hinzufügen können.“

Die ganze „Perseverance“-Mission führe darauf hin, „dass eines Tages Menschen nicht nur auf dem Mond leben und arbeiten, sondern auch auf einem anderen Planeten“, sagt NASA-Chef Jim Bridenstine. „Die Zukunft sieht also sehr vielversprechend aus, es gibt viele neue Möglichkeiten.“